Die Logistik hinter Fahrgeschäften auf dem Oktoberfest

11.09.2026 09:00 Uhr | Lesezeit: 3 min
Hangover Tower Schneider OHG Fahrgeschäft Trucks
Der 80 Meter hohe Hangover-Tower auf dem Münchner Oktoberfest wird mit einer eignen Lkw-Flotte zu den Aufstellorten transportiert
©Foto: Schneider & Co. OHG

In der aktuellen Folge von VerkehrsRundschau Funk sprechen Deborah Baran und Christian Bonk über eine der spektakulärsten temporären Logistikleistungen Europas: den Aufbau und Betrieb großer Fahrgeschäfte auf dem Münchner Oktoberfest. Im Mittelpunkt steht diesmal der „Hangover – The Tower“, ein 80 Meter Freifallturm, betrieben von Schausteller Ewald Schneider. Sein Alltag ist ein logistischer Hochleistungsjob – präzise geplant, eng getaktet und technisch hochkomplex.

Der Hangover‑Turm ist ein Schwerlastprojekt, das normalerweise in die Industrie‑ oder Brückenbau‑Logistik fallen würde. Schneider bewegt die Anlage mit sechs Transporteinheiten, darunter zwei Mittelbauwagen, auf denen das gesamte Fahrgeschäft aufgebaut wird. „Davon sind zwei sogenannte Mittelbauwagen, wo das ganze Fahrgeschäft drauf aufgebaut wird. Das heißt beim Aufbauen sind das immer die Ersten und beim Abbauen sind es immer die letzten Elemente.“
Die Reihenfolge der Anlieferung ist entscheidend: Erst die tragenden Elemente, zuletzt der Kassenwagen. Fehler im Timing würden den Aufbau verzögern – und Verzögerungen kann sich auf der Wiesn niemand leisten. Schneider beschreibt es pragmatisch: „Das muss immer so getimt sein, dass kein Leerlauf bei der Arbeit entsteht.“

Wiesn-Logistik – Wie ein 85-Meter-Freifallturm aufs Oktoberfest kommt

Aufbau ohne Großkran – dank patentierter Technik

Der Hangover‑Turm ist ein Schwerlastprojekt, das normalerweise in die Industrie‑ oder Brückenbau‑Logistik fallen würde. Schneider bewegt die Anlage mit sechs Transporteinheiten, darunter zwei Mittelbauwagen, auf denen das gesamte Fahrgeschäft aufgebaut wird. „Davon sind zwei sogenannte Mittelbauwagen, wo das ganze Fahrgeschäft drauf aufgebaut wird. Das heißt beim Aufbauen sind das immer die Ersten und beim Abbauen sind es immer die letzten Elemente.“
Die Reihenfolge der Anlieferung ist entscheidend: Erst die tragenden Elemente, zuletzt der Kassenwagen. Fehler im Timing würden den Aufbau verzögern – und Verzögerungen kann sich auf der Wiesn niemand leisten. Schneider beschreibt es pragmatisch: „Das muss immer so getimt sein, dass kein Leerlauf bei der Arbeit entsteht.“

Sicherheit, Wartung und Teamarbeit im Dauereinsatz

Der Hangover‑Tower ist ein Hightech‑Fahrgeschäft mit Magnetbremssystem, drehbarer Gondel und komplexer LED‑Technik. Damit alles nach jedem Transport wieder perfekt funktioniert, setzt Schneider auf ein strenges Wartungsregime. Jeden Morgen führt das Team zwei Stunden Sicht‑ und Funktionsprüfungen durch. Die Anlage verweigert sogar den Betrieb, wenn Sicherheitschecks nicht vollständig durchgeführt wurden: „Wenn du das nicht machst, dann sagt die Anlage: Guten Morgen Herr Schneider, Sie haben die Sicherheitstests nicht erfüllt – wir setzen uns heute mal nicht in Bewegung.“ Im Betrieb sind mindestens vier bis sechs Mitarbeiter im Einsatz – Operatoren, Kassenteams und Wartungspersonal. Viele von ihnen arbeiten seit zehn bis fünfzehn Jahren mit Schneider zusammen. Neue Mitarbeiter brauchen mehrere Monate, bis sie die Abläufe beherrschen.

Oktoberfest Schneider OHG
Die 24 Fahrgäste des Hangover Towers rasen mit 90 Stundenkilometer Speed in die Tiefe bis die Hightech-Bremsanlage des Fahrgeschäfts sie auffängt
©Foto: Schneider & Co. OHG

Europaweite Einsätze – und jedes Mal neue Bedingungen

Der Hangover‑Tower ist ein reisendes Großprojekt. Schneider baut ihn in München, London, Düsseldorf, Basel oder Luxemburg auf – oft innerhalb weniger Tage. Jede Veranstaltung bringt neue Herausforderungen: andere Öffnungszeiten, andere Bodenbeschaffenheiten, andere Sicherheitsvorgaben. „Wir müssen uns immer an die Gegebenheiten des Platzes anpassen. Beispielsweise gibt es Veranstaltungen, da müssen wir zwei Meter unterbauen, damit der Turm in Waage steht.“ Auch die Arbeitszeiten variieren stark: In Düsseldorf wird bis zwei Uhr nachts gespielt, in London ist um zehn Uhr Schluss. Das verlangt flexible Personalplanung und ein Team, das europaweit funktioniert.

Fazit: Für Ewald Schneider ist diese Arbeit kein Job, sondern ein Lebensmodell. „Für Sie klingt das nach einem Abenteuer, für mich klingt es einfach nach meinem Leben.“ Sein Freifallturm ist ein fahrendes Logistiksystem, das Präzision, Erfahrung und Leidenschaft verlangt. Zwischen Hydraulik, Schwerlasttransport, Sicherheitsprüfungen und europaweiten Einsätzen zeigt Schneider, wie komplex temporäre Logistik sein kann – und wie beeindruckend es ist, wenn sie funktioniert.


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