Das Berliner Softwareunternehmen Conlio hat in einer Finanzierungsrunde 6,4 Millionen Euro eingesammelt. Mit dem Kapital will das Unternehmen seine KI-Plattform für die Automatisierung von Finanzprozessen im Straßengüterverkehr weiterentwickeln. Im Mittelpunkt steht bislang die automatische Prüfung von Transportdokumenten.
Angeführt wurde die Finanzierungsrunde von Piton Capital. Beteiligt sind außerdem Haufe Group Ventures sowie WaVe-X, der Venture-Capital-Arm der WALTER GROUP, und F-LOG Ventures von Fiege. Auch die bestehenden Investoren System.One, Puzzle Ventures, Booom Ventures und Yellow investieren erneut. Conlio bleibt nach eigenen Angaben unabhängig.
KI prüft Transportdokumente automatisch
Bei Straßengütertransporten fallen zahlreiche Dokumente an, darunter CMR-Frachtbriefe, Abliefernachweise und Rechnungen von Frachtführern. Diese Unterlagen müssen geprüft werden, bevor Speditionen ihre Transportpartner bezahlen und ihren Kunden Rechnungen stellen können.
Die Herausforderung liegt nicht allein in der Menge. Unterschiedliche Sprachen und Dokumentformate, handschriftliche Vermerke sowie kundenspezifische und länderspezifische Anforderungen erschweren eine automatisierte Verarbeitung.
Conlio nutzt Künstliche Intelligenz, um die Dokumente auszulesen, ihren Inhalt einzuordnen und einzelne Angaben gegen die Anforderungen des jeweiligen Transportauftrags zu prüfen.
Conlio will mehr als 90 Prozent der Prüfungen automatisieren
Nach Angaben des Unternehmens können mit der Plattform mehr als 90 Prozent der Prüfungen von Transportdokumenten automatisiert werden. Die Dokumente werden dabei in verifizierte Transaktionsdaten umgewandelt.
Diese Daten sollen anschließend die Basis für weitere automatisierte Finanzprozesse bilden. Ziel ist es unter anderem, die Rechnungsstellung zu beschleunigen und fehlerhafte beziehungsweise zu hohe Zahlungen zu vermeiden.
Conlio beziffert die mögliche Verbesserung des operativen Ergebnisses einer Spedition auf bis zu 30 Prozent. Bei einem Unternehmen mit 100 Millionen Euro Jahresumsatz könne daraus laut Anbieter eine EBIT-Verbesserung von mehr als einer Million Euro jährlich entstehen.
KI berücksichtigt Kontext von CMR-Frachtbriefen
Ein Schwerpunkt der Software liegt auf der kontextbezogenen Auswertung von Dokumenten. Ein CMR-Frachtbrief kann beispielsweise mehrere Datumsangaben enthalten, die sich auf Ausstellung, Abholung, Zustellung oder andere Ereignisse beziehen.
Für die Automatisierung reicht es deshalb nicht aus, die Angaben lediglich technisch auszulesen. Die Software muss erkennen, welche Bedeutung eine Information im jeweiligen Transportauftrag hat.
Damit unterscheidet sich der Ansatz von klassischen regelbasierten Systemen, die bei stark variierenden Dokumenten und Inhalten an Grenzen stoßen können.
Logistikunternehmen investieren in Conlio
Conlio arbeitet bereits mit mittelständischen und größeren Speditionen in Deutschland, Großbritannien, Spanien und Dänemark. Mit WaVe-X und F-LOG Ventures beteiligen sich nun zudem die Investmentgesellschaften zweier etablierter europäischer Logistikunternehmen an der Finanzierungsrunde.
Gegründet wurde Conlio von Dr. Claudio Consul. Vor der Unternehmensgründung war er Senior Vice President of Product beim digitalen Spediteur Sennder und am Ausbau dessen Produktorganisation beteiligt.
Mit dem frischen Kapital will Conlio die Automatisierung über die Dokumentenprüfung hinaus ausbauen. Der Ansatz zeigt zugleich, wie KI zunehmend in administrative Prozesse von Speditionen vordringt, bei denen bislang ein hoher Anteil manueller Arbeit erforderlich ist.