ID Logistics und Terra Robotics wollen den Einsatz humanoider Roboter in der Kontraktlogistik vorantreiben. Beide Unternehmen haben zum 1. November 2026 eine strategische Partnerschaft vereinbart. Innerhalb der kommenden sechs Monate soll ein erster Roboter unter realen Betriebsbedingungen an einem Logistikstandort von ID Logistics getestet werden.
Der Kontraktlogistiker und der Robotikspezialist arbeiten bereits seit rund einem Jahr zusammen. Bislang stand vor allem die Erprobung der Technologie im Vordergrund. Nun wollen die Partner konkrete Einsatzmöglichkeiten im Lager identifizieren und den Schritt in die operative Anwendung vorbereiten.
Humanoide Roboter für Kommissionierung und Sortierung
Für den Einsatz humanoider Robotik kommen nach Einschätzung der beiden Unternehmen insbesondere standardisierte und häufig wiederkehrende Tätigkeiten infrage. Mögliche Anwendungsfelder reichen von der Kommissionierung über Sortier- und Verpackungsprozesse bis zu weiteren Mehrwertdienstleistungen im Lager.
ID Logistics bringt dabei Erfahrungen aus 450 Kontraktlogistikstandorten ein, darunter 17 in Deutschland. Die unterschiedlichen Prozesse sollen helfen, geeignete Tätigkeiten für die neue Technologie zu identifizieren.
Für den ersten Praxistest wollen die Partner zunächst vier bis fünf potenzielle Einsatzszenarien untersuchen. Anschließend wird entschieden, welche Aufgabe sich am besten für den Piloten eignet.
Zwei Roboter lernen gemeinsam Sortierprozesse
Erste Erfahrungen haben ID Logistics und Terra Robotics bereits mit zwei humanoiden Robotern des Typs Unitree G1 EDU6 gesammelt. Ein Roboter befindet sich bei ID Logistics in Griesheim, ein zweiter bei Terra Robotics in Löhne.
Beide Systeme wurden parallel für einen Sortierprozess programmiert. Mittlerweile können die Roboter Kartons von Versandtüten unterscheiden, die Gegenstände entsprechend zuordnen und in Versandboxen einsortieren.
Dieser Ansatz soll auch beim geplanten Pilotprojekt eingesetzt werden.
Unterschiedliche Robotertypen für unterschiedliche Aufgaben
Eine Erkenntnis aus den bisherigen Tests ist nach Angaben von ID Logistics, dass es voraussichtlich keine universelle Robotiklösung für alle Tätigkeiten im Lager geben wird.
Die Partner setzen deshalb auf einen technologieoffenen Ansatz. Terra Robotics arbeitet mit verschiedenen Herstellern zusammen. Zum Portfolio zählen neben Unitree auch humanoide Roboter von UBTECH.
Für einen konkreten Anwendungsfall soll jeweils das technisch geeignete Modell ausgewählt werden. Damit rückt neben der Leistungsfähigkeit einzelner humanoider Roboter vor allem deren Einbindung in bestehende Logistikprozesse in den Fokus.
Praxistest soll Grenzen humanoider Robotik zeigen
Im nächsten Schritt soll das ausgewählte System erstmals im laufenden Betrieb eines Logistikstandorts eingesetzt werden. Dabei wollen die Unternehmen untersuchen, welche Aufgaben humanoide Roboter bereits zuverlässig erledigen können und wo technische oder operative Grenzen bestehen.
Die dabei gewonnenen Erfahrungen sollen anschließend in komplexere Anwendungsfälle einfließen. Langfristig wollen ID Logistics und Terra Robotics die Voraussetzungen schaffen, humanoide Roboter in größerem Maßstab in der Kontraktlogistik einzusetzen.
Für die Lagerlogistik wird damit eine entscheidende Phase beginnen: Nach Demonstrationen und ersten Labortests muss sich zeigen, ob humanoide Roboter wiederkehrende Aufgaben auch unter realen Betriebsbedingungen zuverlässig und wirtschaftlich übernehmen können.