Die bisherigen Tarifabschlüsse des Jahres 2026 führen zu einem durchschnittlichen Lohnplus von 3,1 Prozent. Damit liegt das Plus über dem Vorjahreswert von 2,6 Prozent. Das geht aus der Halbjahresbilanz des WSI hervor.
Das Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung hat die Halbjahresbilanz zur aktuellen Entwicklung der Tariflöhne vorgelegt. Nach den bislang vorliegenden Abschlüssen stiegen die Tariflöhne demnach in diesem Jahr nominal um 3,1 Prozent an. Im Vergleich zum Gesamtjahr 2025 erhöhten sich die Löhne damit um gut 0,5 Prozentpunkte.
Trotz Inflation: Reale Lohnerhöhung um 0,7 Prozent
Entscheidend für die Beschäftigten ist dabei nicht nur die nominelle Lohnerhöhung, sondern auch deren Verhältnis zur Inflation. Da die Tarifsteigerungen über der aktuellen Inflation liegen, profitieren Beschäftigte von einem realen Einkommenszuwachs.
Real ergebe sich für 2026 eine inflationsbereinigte Lohnsteigerung von 0,7 Prozent, wie die Hans-Böckler-Stiftung weiter ausführt. Grund dafür ist der durchschnittliche Anstieg der Verbraucherpreise um 2,4 Prozent im ersten Halbjahr.
Tarifforderungen bleiben 2026 überwiegend moderat
Berücksichtigt hat das Institut bei der ersten Berechnung der Tariflöhne für dieses Jahr die Neuabschlüsse im ersten Halbjahr 2026 und die in den Vorjahren für 2026 bereits vereinbarten Tariferhöhungen der verschiedenen Branchen.
Die Tarifforderungen der Gewerkschaften bewegten sich demnach im 1. Halbjahr 2026 in den meisten Branchen zwischen 5 und 7 Prozent. Die Landwirtschaft forderte allerdings 15 Prozent. Demgegenüber wurde in der besonders krisenbetroffenen Chemischen Industrie keine bezifferte Tarifforderung erhoben, hier spielte die Beschäftigungssicherung eine größere Rolle.
Weitere Tarifrunden können Ergebnis noch verändern
Bislang haben Arbeitgeber und Gewerkschaften für mehr als 15 Millionen Beschäftigte Tariferhöhungen vereinbart, die im Laufe des Jahres 2026 wirksam werden. Allerdings steht das endgültige Ergebnis für 2026 noch nicht fest.
Denn noch stehen einige Tarifverträge des aktuellen Jahres aus. Dadurch könne sich das Gesamtergebnis noch einmal sichtbar verändern, so das WSI. In einigen besonders großen Tarifbranchen wie dem Einzelhandel verhandeln die Parteien aktuell. Unter anderem in der Metall- und Elektroindustrie beginnen die Tarifverhandlungen erst im Herbst.
WSI sieht Tarifverträge als Schutz für Kaufkraft und Konjunktur
Die Entwicklung der Tariflöhne wirkt sich nicht nur auf Beschäftigte aus, sondern kann auch für Kaufkraft und Konjunktur eine Rolle spielen. „Gerade in Krisenzeiten sind angemessene Tarifsteigerungen besonders wichtig, um die Konjunktur zu stabilisieren“, so der Leiter des WSI-Tarifarchivs, Thorsten Schulten. „Da die Preise im Zuge des Iran-Krieges wieder deutlich nach oben gegangen sind, ist es eine wichtige Aufgabe der Tarifpolitik, erneute Kaufkraftverluste bei den Beschäftigten zu verhindern.“
„Tarifverträge sind ein zentrales Instrument, um arbeitenden Menschen materielle gesellschaftliche Teilhabe zu gewährleisten“, ergänzt Bettina Kohlrausch, wissenschaftliche Direktorin des WSI. „Das reduziert auch die Einkommensungleichheit, stabilisiert den Sozialstaat und – in einer Zeit, in der sich viele Menschen Sorgen um die soziale Ungleichheit und den gesellschaftlichen Zusammenhalt machen – die Gesellschaft als Ganzes.“