KfW: Kreditbereitschaft im Mittelstand auf Tiefstand

14.04.2026 13:08 Uhr | Lesezeit: 3 min
Unter verschiedenen Geldscheinen schaut ein Kreditantrag hervor
Immer weniger Mittelständler finanzieren per Kredit (Symbolbild)
© Foto: studio v-zwoelf/stock.adobe.com

Immer weniger mittelständische Unternehmen sind bereit, Investitionen über Bankkredite zu finanzieren. Die Kreditbereitschaft erreicht ein Zehnjahrestief.

Immer weniger mittelständische Unternehmen in Deutschland sind bereit, Investitionen über Bankkredite zu finanzieren. Laut einer Sonderauswertung des KfW‑Mittelstandspanels aus dem Januar 2026 ziehen aktuell nur noch 27 Prozent der Betriebe grundsätzlich eine Kreditaufnahme bei Banken oder Sparkassen in Betracht. Damit erreicht die Kreditbereitschaft den niedrigsten Stand seit zehn Jahren.

Zum Vergleich: Im Jahr 2023 lag der Anteil noch bei 42 Prozent, 2017 sogar bei 66 Prozent.

Wunsch nach Stabilität und Unabhängigkeit

Nach Einschätzung der KfW reagieren viele Unternehmen damit auf die angespannte wirtschaftliche Lage. Der Wunsch nach finanzieller Stabilität und Unabhängigkeit sei derzeit besonders ausgeprägt, erklärte KfW‑Chefvolkswirt Dr. Dirk Schumacher. Die unsicheren Konjunkturaussichten führten dazu, dass viele Betriebe vorsichtig agierten und neue Schulden bewusst vermeiden.

Schuldenvermeidung wichtigster Ablehnungsgrund

63 Prozent der Unternehmen, die eine Kreditaufnahme ablehnen, geben an, Schulden grundsätzlich vermeiden zu wollen. Das sind 23 Prozentpunkte mehr als 2017 und 27 Prozentpunkte mehr als 2023.

Zudem strebt jede zweite Firma aktuell überhaupt keine Fremdfinanzierung an. 2017 galt das nur für 15 Prozent, 2023 für 27 Prozent der Betriebe.

Eigenmittel ersetzen Kreditfinanzierung

Parallel dazu hat die Bedeutung eigener Finanzmittel deutlich zugenommen. 36 Prozent der befragten Unternehmen geben an, über ausreichendes Eigenkapital für ihre Investitionen zu verfügen und deshalb keinen Kredit zu benötigen. 2017 traf dies lediglich auf jedes fünfte Unternehmen zu.

Ein weiterer Hemmschuh sind aus Sicht vieler Betriebe die Anforderungen der Banken: 30 Prozent beklagen zu hohe Offenlegungs‑ und Informationspflichten, während es 2023 noch 17 Prozent waren.

Kleinstunternehmen treiben den Trend

Der Rückgang der Kreditbereitschaft wird fast vollständig von Kleinstunternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten getragen. Nur noch 27 Prozent dieser Betriebe ziehen eine Kreditfinanzierung in Betracht – nach 69 Prozent im Jahr 2017 und 41 Prozent 2023.

Bei größeren Mittelständlern mit mehr als zehn Mitarbeitenden bleibt das Kreditinteresse dagegen relativ stabil und liegt weiterhin bei 56 Prozent.

Starker Einbruch im Dienstleistungssektor

Grundsätzlich ist der Rückgang der Kreditbereitschaft in allen Wirtschaftszweigen zu beobachten. Besonders deutlich fällt er jedoch im Dienstleistungssektor aus. Dort ziehen aktuell nur noch 21 Prozent der Unternehmen eine Kreditaufnahme in Betracht, nachdem es 2017 noch 73 Prozent und 2023 noch 39 Prozent waren.

KfW warnt vor ausbleibenden Investitionen

Trotz der gestiegenen Eigenkapitalanteile warnt die KfW vor langfristigen Folgen. Der Investitionsbedarf im Mittelstand sei insgesamt so hoch, dass externes Kapital unverzichtbar bleibe, um die Zukunftsfähigkeit vieler Unternehmen zu sichern. Ohne eine grundsätzliche Bereitschaft zur Kreditaufnahme drohten wichtige Investitionsvorhaben auszubleiben.

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