Iran‑Krieg erhöht Kostendruck für Logistiknutzer

15.05.2026 09:46 Uhr | Lesezeit: 3 min
Energiepreisschock belastet Industrie- und Logistikmärkte
Energiepreisschock belastet Industrie- und Logistikmärkte
© Foto: HappyEva/ AdobeStock (KI-generiert)

Hohe Energie‑ und Dieselpreise infolge des Iran‑Kriegs setzen Logistiknutzer unter Druck. Savills sieht Auswirkungen auf Flächennachfrage, Immobilienanforderungen und Investmentstrategien.

Die Folgen des Iran‑Kriegs und der stark gestiegenen Energiepreise wirken sich zunehmend auf den deutschen Industrie‑ und Logistikimmobilienmarkt aus. Höhere Öl‑ und Dieselpreise erhöhen den Kostendruck für Logistiknutzer, verändern die Anforderungen an Immobilien und befördern eine Neubewertung von Investmentstrategien. Zu diesem Ergebnis kommt Savills in seiner aktuellen Analyse Market in Minutes: Industrieimmobilienmarkt.

Besonders betroffen ist die Logistikbranche, da rund drei Viertel des Güterverkehrs direkt oder indirekt vom Dieselpreis abhängen. Gleichzeitig erschwert die geopolitische Unsicherheit eine verlässliche Planung für Unternehmen.


Wettbewerbsnachteil für deutsche Logistiknutzer

Für deutsche Unternehmen kommt ein zusätzlicher Nachteil hinzu: Während mehrere europäische Regierungen preisstützend in den Energiemarkt eingegriffen haben, lagen die Dieselpreise in Deutschland im März und April über dem Niveau vieler europäischer Wettbewerber. Das verschärft den Kosten- und Margendruck insbesondere im europäischen Vergleich.

In welchem Umfang Speditionen betroffen sind, hängt stark von der vertraglichen Risikoabsicherung ab. Häufig kommen sogenannte Dieselfloater zum Einsatz, mit denen gestiegene Kraftstoffkosten an Auftraggeber weitergegeben werden können.



Transportmengen bislang stabil

Kurzfristig stabilisieren solche Mechanismen die Branche, langfristig könnten sie jedoch zu einem Rückgang der Transportvolumina führen. Bislang ist dieser Effekt laut Savills noch nicht erkennbar. Trotz der angespannten Rahmenbedingungen werden weiterhin mehrere großvolumige Logistikflächenabschlüsse registriert, was auf eine gewisse Robustheit des Marktes hindeutet.

Sollte die Phase hoher Energiepreise jedoch anhalten, erwartet Savills eine schrittweise Abschwächung der Transportleistung.

Logistiknutzer werden vorsichtiger

Vor dem Hintergrund steigender Kosten agieren viele Logistik- und Industrieunternehmen zunehmend zurückhaltend. Expansionsentscheidungen werden verschoben, Investitionen neu bewertet. Kurzfristig kann dies die Nachfrage im Vermietungsmarkt dämpfen.

Langfristig sieht Savills jedoch auch einen möglichen Gegenimpuls: Aus strategischen Gründen könnten Unternehmen ihre Lagerbestände ausweiten, um Lieferketten robuster aufzustellen. Dies könnte mittelfristig wieder für zusätzliche Flächennachfrage sorgen.

Anforderungen an Logistikimmobilien verändern sich

Parallel dazu wandelt sich das Anforderungsprofil an Logistikimmobilien. Mit der zunehmenden Nutzung batterieelektrischer Lkw gewinnen Standorte mit:

  • hoher Energieverfügbarkeit,
  • Mittelspannungsanschluss,
  • Nähe zum Ladenetz
  • sowie Photovoltaik‑Potenzial

deutlich an Bedeutung. Energieinfrastruktur wird damit zu einem immer wichtigeren Standortfaktor.

Investoren bewerten Markt neu

Auch am Investmentmarkt machen sich die Veränderungen bemerkbar. Einige Investoren agieren vorsichtiger und überprüfen ihre Strategien im aktuellen Kostenumfeld. Leicht gestiegene langfristige Finanzierungskosten erhöhen die Anforderungen an die Anfangsrenditen.

Zudem gehen Teile des Marktes von steigenden Baukosten infolge der hohen Energiepreise aus. Das führt dazu, dass Revitalisierungs‑ und Umbauprojekte neu kalkuliert oder zurückgestellt werden.


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