Deutscher Verkehrssicherheitsrat fordert Reform der Fahrausbildung

23.01.2026 10:34 Uhr | Lesezeit: 3 min
Deutsche Verkehrsgerichtstag neutral
Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat stellt zum VGT 2026 konkrete Vorschläge für mehr Verkehrssicherheit und Prävention vor
© Foto: Swen Pförtner/ picture alliance

Zum Verkehrsgerichtstag 2026 fordert der DVR Reformen für sichere Ausbildung, weniger Ablenkung und bessere Unfalldaten.

Anlässlich des 64. Deutschen Verkehrsgerichtstags (VGT) vom 28. bis 30. Januar 2026 in Goslar spricht sich der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) dafür aus, Prävention stärker im Verkehrsrecht und in der Verkehrspolitik zu verankern. Ein zentrales Element ist dabei eine umfassende Qualitätsoffensive in der Fahrausbildung.

DVR-Präsident Manfred Wirsch betont: „Die Bundesregierung will den Führerscheinerwerb günstiger machen. Eine Verbesserung der Ausbildungsqualität kann dazu beitragen. Einsparungen dürfen jedoch niemals zulasten der Verkehrssicherheit gehen.“

Der Verkehrsgerichtstag erarbeitet regelmäßig Empfehlungen zu wesentlichen Fragen der Verkehrssicherheit. Der DVR bringt dazu konkrete Vorschläge in mehreren Arbeitskreisen ein.

Qualität sichern, Ausbildung modernisieren

Der DVR fordert Bund und Länder auf, einen verbindlichen Referenzlehrplan für Fahrschulen einzuführen. Dieser soll transparent sein und eine systematische Erfassung des Lernstands aller Fahrschülerinnen und Fahrschüler ermöglichen. So kann ein durchgängiger Unterricht gewährleistet werden – auch bei vorübergehendem Wechsel der Fahrlehrkräfte.

Darüber hinaus spricht sich der DVR dafür aus, Fahrsimulatoren optional in die reguläre Ausbildung zu integrieren. Bislang kommen diese überwiegend in freiwilligen Zusatzstunden zum Einsatz. Das Bundesministerium für Verkehr (BMV) sollte hierfür technische Mindeststandards sowie pädagogische Konzepte definieren. Bestimmte Ausbildungsinhalte, etwa manuelles Schalten, Fahrten auf Bundes- oder Landstraßen sowie Überholvorgänge, könnten so sicher und effizient im Simulator trainiert werden.

Ergänzend befürwortet der DVR eine kombinierte Ausbildung, bestehend aus Online-Theorieunterricht in Echtzeit, E-Learning-Angeboten und Präsenzveranstaltungen.

Manfred Wirsch erklärt:
„Die Diskussion über die Kosten des Führerscheins darf nicht an der falschen Stelle geführt werden. Mehr Qualität und Effizienz in der Ausbildung senken langfristig Kosten – etwa durch weniger Wiederholungsprüfungen – und verbessern gleichzeitig die Lernerfolge.“

Begleitetes Fahren weiterentwickeln

Zur weiteren Erhöhung der Verkehrssicherheit junger Menschen fordert der DVR einen regionalen Modellversuch zum Begleiteten Fahren ab 16 (BF16), angelehnt an das bewährte Modell BF17. Ziel ist eine spätere dauerhafte Verankerung in der Fahrerlaubnisverordnung.

Da eine direkte Umsetzung derzeit an EU-rechtlichen Vorgaben scheitert, schlägt der DVR zunächst ein erweitertes Begleitetes Fahren ab 17 vor. Jugendliche sollen bereits ab dem 16. Geburtstag den Antrag auf die Fahrerlaubnis der Klasse B stellen können. So bleibt mehr Zeit für die Ausbildung, die Prüfungen könnten vor dem 17. Geburtstag abgelegt werden und die vollständige zwölfmonatige Begleitphase von BF17 würde genutzt. Zudem soll die theoretische Prüfung künftig bis zu sechs Monate vor dem 17. Geburtstag möglich sein.

Um die Teilnahme am Begleiteten Fahren zu stärken, fordert der DVR finanzielle Anreize. Nach erfolgreichem Abschluss einer mindestens sechsmonatigen Begleitphase soll ein Zuschuss zu den Ausbildungskosten gewährt werden.

„Das erweiterte Begleitete Fahren ab 17 ermöglicht jungen Menschen, früh Verantwortung zu übernehmen – und langfristig sicherer am Straßenverkehr teilzunehmen“, so Wirsch.

Ablenkung am Steuer wirksam bekämpfen

Im Arbeitskreis zur Ablenkung durch mobile Endgeräte spricht sich der DVR für den bundesweiten Einsatz von Monocams aus. Die KI-gestützten Kamerasysteme erkennen automatisch, wenn Fahrzeugführende ein Handy nutzen. Rheinland-Pfalz, wo Monocams bereits regulär eingesetzt werden, gilt aus Sicht des DVR als positives Beispiel.

„Der Blick gehört auf die Straße, nicht aufs Handy. Wer sich nicht selbst daran hält, wird durch Monocams wirksam daran erinnert“, erklärt Wirsch.

Zugleich fordert der DVR die Fahrzeughersteller auf, intuitive Bedienkonzepte für sicherheitsrelevante Funktionen zu entwickeln. Diese müssen ohne visuelle Suche oder kognitive Überforderung bedienbar sein – etwa durch Sprachsteuerung oder haptische Elemente.

Seit Juli 2024 schreibt die EU-General Safety Regulation II technische Systeme vor, die Ablenkung reduzieren sollen. Der DVR fordert deren flächendeckende Nutzung sowie eine wissenschaftliche Evaluation und eine EU-weit ganzheitliche Regelung.

Kontrollen stärken und Ausbildung erweitern

Um Verkehrsverstöße konsequent zu ahnden, müssen Polizei, Bußgeldstellen und Justiz personell besser ausgestattet werden. Bei schweren Unfällen, bei denen eine Handynutzung nicht ausgeschlossen werden kann, sollen mobile Endgeräte gesichert und ausgewertet werden. Zudem fordert der DVR, das Thema Ablenkung verbindlich in Fahrausbildung und Fahrerlaubnisprüfung zu integrieren.

Unfalldaten verbessern, Prävention stärken

Aussagekräftige Unfallstatistiken sind eine zentrale Grundlage für die Verkehrssicherheitsarbeit im Sinne der Vision Zero. Der DVR fordert daher eine detailliertere amtliche Statistik, insbesondere zu Unfallfolgen.

Künftig sollen potenziell lebensbedrohlich Verletzte nach europäischem Standard (MAIS 3+) erfasst werden. Derzeit erfolgt dies lediglich auf Basis von Schätzungen. Zur Vorbereitung einer Vollerhebung empfiehlt der DVR Pilotprojekte mit Kliniken und Polizei.

Sanktionen EU-weit durchsetzen

Abschließend fordert der DVR wirksamere Regelungen für die grenzüberschreitende Vollstreckung von Verkehrsverstößen. Da es in Deutschland keine Halterhaftung gibt, scheitert die Durchsetzung ausländischer Bußgelder häufig. Der DVR erinnert an die Empfehlung, eine bußgeldbewehrte Fahrerbenennungspflicht oder zumindest eine Kostenübernahme für Verwaltungsverfahren einzuführen.

„Schwere Verkehrsverstöße müssen überall in Europa spürbare Folgen haben. Dafür braucht es praxistaugliche und verlässliche Verfahren“, so Wirsch.


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