Die Bundesregierung treibt den Abbau bürokratischer Vorgaben im Arbeits- und Gesundheitsschutz voran. Mit einem aktualisierten Konzept setzt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) verstärkt auf risikoorientierte Regelungen und mehr Eigenverantwortung der Unternehmen. Ziel ist es, Betriebe und Verwaltung zu entlasten, ohne das Schutzniveau für Beschäftigte zu senken.
Nach Schätzungen des Ministeriums könnten die geplanten Maßnahmen die Wirtschaft um rund eine Milliarde Euro pro Jahr entlasten. Im Mittelpunkt steht dabei die Abkehr von pauschalen Vorgaben zugunsten einer stärkeren Orientierung an den tatsächlichen Gefährdungen in den Betrieben.
Weniger Vorgaben bei Sicherheitsbeauftragten
Bereits umgesetzt wurden Änderungen bei den Regelungen für Sicherheitsbeauftragte. In Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten entfällt künftig die bisherige generelle Verpflichtung zur Bestellung, sofern die Gefährdungssituation dies rechtfertigt.
Für Betriebe mit bis zu 250 Beschäftigten wird die Zahl der verpflichtend zu benennenden Sicherheitsbeauftragten grundsätzlich auf eine Person begrenzt. Nach Angaben der Bundesregierung könnten dadurch rund 123.000 Sicherheitsbeauftragte weniger vorgeschrieben sein. Die jährliche Entlastung wird auf etwa 135 Millionen Euro geschätzt.
Risikoorientierter Arbeitsschutz rückt in den Fokus
Weitere Anpassungen betreffen unter anderem Prüfpflichten für elektrische Anlagen und Betriebsmittel, den Datenaustausch zwischen Behörden und Unfallversicherungsträgern sowie Regelungen für überwachungsbedürftige Anlagen.
Mit dieser Entwicklung gewinnt die Gefährdungsbeurteilung weiter an Bedeutung. Unternehmen müssen Risiken künftig stärker eigenständig bewerten und geeignete Schutzmaßnahmen ableiten. Damit steigen auch die Anforderungen an die fachliche Kompetenz innerhalb der Betriebe.
Insbesondere Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Betriebsärzte bleiben wichtige Ansprechpartner für die Bewertung von Gefährdungen. Gleichzeitig soll die Beteiligung der Beschäftigten gestärkt werden, da diese potenzielle Risiken und Schwachstellen aus ihrem Arbeitsalltag häufig besonders gut kennen.