Studie: Fahrzeuglogistik wird komplexer trotz Wachstum

10.04.2026 09:37 Uhr | Lesezeit: 3 min
Fahrzeuglogistik
Wachstum ja, Entlastung nein: Fahrzeuglogistik unter Druck
© Foto: lililia/ AdobeStock

Eine Studie von INFORM zeigt: In der Fahrzeuglogistik wächst der operative Druck. Kosten und Komplexität nehmen schneller zu als das Transportvolumen.

Die Fahrzeuglogistik steht vor einem strukturellen Wandel. Zwar rechnen viele Marktteilnehmer weiterhin mit steigenden Transportmengen, zugleich nimmt jedoch der operative Druck in den Logistiknetzwerken deutlich zu. Zu diesem Ergebnis kommt der INFORM‑Trendreport 2026 „IT in der Fahrzeuglogistik“, der auf einer Befragung von 111 Branchenexpertinnen und ‑experten basiert.

Wachstum trifft auf steigenden Kostendruck

79 Prozent der Befragten erwarten, dass das Fahrzeugtransportvolumen in den kommenden fünf Jahren weiter wächst. Gleichzeitig berichten 84 Prozent von steigenden Kosten, die aktuell die größte operative Herausforderung darstellen. Dahinter folgen wachsende Effizienzanforderungen (68 Prozent) sowie schwankende Volumina (52 Prozent).

Im Vergleich zu früheren Befragungen aus den Jahren 2013, 2018 und 2023 hat sich der Kostendruck nach Angaben von INFORM weiter verschärft. Zusätzlich belasten zunehmende Netzwerkkomplexität und fehlende Transparenz die Planungsqualität und die Zuverlässigkeit der Abläufe.

Begrenzte Transparenz erschwert Planung

Ein zentrales Ergebnis der Studie: Vielen Unternehmen fehlt weiterhin der notwendige Überblick über ihre Transportnetzwerke.

  • 76 Prozent beklagen unzureichende Transparenz bei Lieferzeiten und prognostizierten Ankunftszeiten (ETA).
  • 68 Prozent sehen Defizite bei der Kapazitätstransparenz.
  • 66 Prozent fehlt es an zuverlässigen Informationen zum Transportstatus.

Fragmentierte Daten führen laut Studie häufig zu reakiven statt proaktiven Entscheidungen, was den Koordinationsaufwand zusätzlich erhöht.

IT-Systeme unter den Erwartungen

Zwischen betrieblichen Anforderungen und den heutigen IT‑Fähigkeiten klafft weiterhin eine Lücke. Zwar sind 95 Prozent der Befragten überzeugt, dass IT‑Systeme die operative Effizienz steigern können. Gleichzeitig kämpfen viele Unternehmen mit unzureichender Systemintegration, isolierten Datenquellen und fehlender Entscheidungsunterstützung.

Von Transparenz zu Entscheidungsintelligenz

Fahrzeuglogistiknetzwerke umfassen zahlreiche Akteure – von Automobilherstellern über Spediteure und Terminals bis hin zu Häfen und Händlern. Mit zunehmender Vernetzung steigt die Komplexität der Koordination deutlich. Laut INFORM reicht reine Transparenz daher nicht mehr aus.

Vielmehr geht es darum, operative Daten in fundierte Entscheidungen im gesamten Netzwerk zu überführen. Künstliche Intelligenz und Machine Learning werden dabei als zentrale Hebel gesehen. 94 Prozent der Befragten erwarten einen spürbaren Einfluss dieser Technologien auf die Branche – insbesondere zur Bewertung komplexer Szenarien und zur Entscheidungsunterstützung, nicht als Ersatz menschlicher Expertise.

Langfristiger Strukturtrend bestätigt

Die Studienreihe von INFORM seit 2013 zeigt ein klares Muster: Während die Transportvolumina wachsen, werden die operativen Rahmenbedingungen zunehmend komplexer und volatiler. Unabhängig von regional unterschiedlichen Entwicklungen bleibt der Bedarf an besseren Planungs‑ und Entscheidungsprozessen bestehen.

Die Erhebung wurde zwischen Dezember 2025 und Januar 2026 durchgeführt. Teilgenommen haben Fach‑ und Führungskräfte aus Automobilindustrie, Logistikdienstleistung, Spedition, Terminal‑ und Hafenbetrieb. 62 Prozent der Befragten stammen aus Europa, weitere aus Nordamerika, Südamerika, Asien und Afrika. 98 Prozent der Unternehmen transportieren Neufahrzeuge, 50 Prozent Gebrauchtfahrzeuge, 30 Prozent sind im Schwer‑ und Großtransport tätig.


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