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Druck auf Lieferketten: Streik am größten britischen Containerhafen

In Großbritannien streiken Mitarbeiter am größten Containter-Hafen
© Foto: narvikk/ iStock

Der "Sommer der Streiks" erreicht die britischen Häfen: An einem der wichtigsten Knotenpunkte für den Frachtverkehr soll tagelang Stillstand herrschen. Für die angespannten Lieferketten bedeutet das neuen Stress - zumal Streiks in Deutschland folgen könnten.


Datum:
22.08.2022
Autor:
Stefanie Schuhmacher/ dpa
Lesezeit: 
3 min
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Wie die Deutsche Presseagentur berichtet, droht ein mehrtägiger Streik von Hafenarbeitern am größten Containerhafen Großbritanniens. Dieser könnte die britischen Lieferketten weiter belasten. "Fast die Hälfte des britischen Containerverkehrs geht durch den Hafen in Felixstowe hindurch und 65 Prozent der ankommenden Container", sagte die britische Handelsexpertin Rebecca Harding. Ein achttägiger Streik, wie er von Sonntag an geplant ist, bedeute ein Risiko für Im- und Exporte im Wert von rund 800 Millionen Pfund (rund 950 Millionen Euro).

Hafenstreik in Großbritannien hat globalen Folgen

Doch der Streik ist längst nicht nur ein Thema für die Insel: Der globale Containerverkehr auf See, die Lebensader des Welthandels, ist seit Ausbruch der Corona-Pandemie vor zweieinhalb Jahren zunehmend aus dem Tritt geraten. Jede Störung, etwa Lockdowns in einzelnen Häfen, eine Havarie wie die der Ever Given im Suezkanal oder eben Arbeitskämpfe, bringt zusätzlich Sand ins Getriebe - selbst wenn ein Hafen wie Felixstowe im internationalen Maßstab kein ganz großer Player im aufeinander abgestimmten Räderwerk der Seelogistik ist.

"Ein Grund für die strapazierte Logistik auf See und in den Häfen ist auch die niedrige Pünktlichkeitsrate von Schiffen", sagt etwa der Ökonom Vincent Stamer, der am Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) den weltweiten Containerverkehr analysiert. "Zusätzliche Streiks verschlechtern diese Situation - auch der drohende Streik am größten britischen Hafen Felixstowe." Zudem fürchten Logistiker auch in Deutschland neue Warnstreiks. Die wären möglich, wenn am Montag die nächste Tarifrunde im Streit um Löhne der Hafenarbeiter keinen Erfolg bringt. Zuletzt hatte die Gewerkschaft Verdi Mitte Juli für 48 Stunden den Umschlag an allen deutschen Nordseehäfen lahmgelegt.

Reedereien zeigen sich unterschiedlich betroffen

Wie sehr der Streik die ohnehin gestressten Fahrpläne der Reedereien durcheinanderwirbelt, hängt stark davon ab, welche Rolle der Hafen bei ihnen spielt. Co-Branchenprimus Maersk rechnet etwa mit "erheblichen Auswirkungen auf das Schiffsprogramm", wie ein Sprecher der dänischen Reederei sagt. Der Hafen sollte während der Streiktage von fast einem Dutzend Containerriesen angelaufen werden. "Wir halten zwar alle Schiffsanläufe in Felixstowe aufrecht, erwarten aber, dass einige AnkunftszeIten entweder erheblich vorgezogen oder verschoben werden." Die Hamburger Reederei Hapag-Lloyd sieht sich dagegen "nicht direkt betroffen", wie eine Sprecherin erläutert. "Wir haben nur einen wöchentlichen Dienst nach Felixstowe."

Deutschland weniger betroffen?

Ulrich Hoppe, Direktor der Deutsch-Britischen Industrie- und Handelskammer, hält kurzfristig spürbare Engpässe für unwahrscheinlich: "Ich glaube nicht, dass wir leere Regale in Supermärkten sehen werden." 

Vorstellbar sei aber, dass bei üblicherweise in Containern transportierten Gütern aus China Verzögerungen entstünden - und weiterer Druck auf die ohnehin schon durch die Pandemie und andere Herausforderungen belasteten Lieferketten.

"Der Handel zwischen Großbritannien und dem Rest der Welt, vor allem der EU, ist im vergangenen Jahr ohnehin schon eingebrochen und jede neue Störung erhöht den ohnehin steigenden Druck", sagt Handelsexpertin Harding. Sie hält es für möglich, dass die Inflation weiter steigen könnte, wenn wichtige Lieferketten aus dem Tritt geraten. "Das würde die Lebenshaltungskostenkrise, die ohnehin in Großbritannien gerade schon so ernst ist, weiter verschärfen."

 

Aus deutscher Sicht dürften sich die Folgen nach Einschätzung von IfW-Ökonom Stamer in engen Grenzen halten: «Britische Güter können nach Deutschland auch über den Eurotunnel und Fähren transportiert werden und Güter aus dem Vereinigten Königreich machen ohnehin nur noch 2,7 Prozent der deutschen Importe aus.»

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