Verdi hat für den 17. August einen 24-stündigen Warnstreik in sechs deutschen Seehäfen angekündigt. Hintergrund sind die laufenden Tarifverhandlungen über die Löhne von rund 11.000 Hafenbeschäftigten.
Die Gewerkschaft Verdi verhandelt derzeit mit dem Arbeitgeberverband ZDS über die Löhne der Hafenarbeiter. Das jüngste Angebot der Arbeitgeber stieß auf Ablehnung unter den Beschäftigten. Daher ruft die Gewerkschaft zu 24-stündigen Warnstreiks an sechs deutschen Seehäfen auf.
Der Warnstreik solle am Montagabend, dem 17. August beginnen, teilte die Gewerkschaft mit. Gestreikt werde ab Beginn der Nachtschicht für 24 Stunden.
Von den Warnstreiks in den deutschen Seehäfen sind unter anderem Hamburg, Bremerhaven, Wilhelmshaven, Emden und Brake betroffen.
Konkret sollen folgende Standorte bestreikt werden:
- Hamburg,
- Bremerhaven und Bremen
- Wilhelmshaven,
- Emden und
- Brake.
Zweite Tarifrunde: Verdi lehnt Angebote der Hafenwirtschaft ab
Hintergrund für den Streik sind Tarifverhandlungen und die Forderung nach einer dritten Verhandlungsrunde. Am Freitag (14. August) war bekanntgeworden, dass Verdi ein Arbeitgeberangebot abgelehnt hat. Die Gewerkschaft stützte sich auf eine Befragung unter den Beschäftigten. Mehr als 6100 Arbeitnehmer hätten sich daran beteiligt und die Mehrheit halte das Angebot des Arbeitgeberverbands nicht für ausreichend.
Die erste Verhandlungsrunde hatte im Juli in Bremen begonnen. Verdi fordert für die rund 11.000 Beschäftigten in den Häfen 8,2 Prozent höhere Stundenlöhne als bislang. Der Vertrag solle ein Jahr lang laufen.
Die Arbeitgeber, die vom Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) in Hamburg vertreten werden, hatten in der ersten Runde ein Angebot vorgelegt und dieses in der zweiten erhöht.
Der ZDS bietet laut Verdi:
- einen Anstieg der Löhne um 5,1 Prozent,
- dazu 300 Euro mehr Urlaubsgeld sowie
- eine Erhöhung der A-Pauschale um 460 Euro
- und das alles bei einer Laufzeit von 19 Monaten.
Anlässlich der Warnstreik-Ankündigung sagte Verdi-Verhandlungsführerin Sylvi Krisch: „Dieses Signal an die Arbeitgeber, dass wir es ernst meinen mit unserer Tarifforderung, ist offenbar dringend nötig.“ Krisch zufolge wartet die Gewerkschaft auf einen dritten Verhandlungstermin.
Tarifverhandlungen in den Seehäfen: Arbeitgeber verteidigen Angebot
Der Tarifkonflikt betrifft nicht nur die Beschäftigten der Seehäfen. Die Hafenwirtschaft warnt auch vor möglichen Auswirkungen auf Importe, Exporte und Lieferketten. ZDS-Hauptgeschäftsführer Florian Keisinger sagte, er bedauere, dass das Angebot von Verdi abgelehnt worden sei. Es handle sich um ein im Vergleich zu anderen Branchen gutes Angebot „am oberen Ende“. Keisinger verwies beispielsweise auf den Abschluss in der Chemieindustrie.
Die Warnstreiks nannte Keisinger „unverhältnismäßig“. Diese beeinträchtigten die Zuverlässigkeit der Seehäfen und setzten Lieferketten der Industrie und des Handels weiter unter Druck. Es könne Auswirkungen auf Importe und Exporte geben. Die globalen Lieferketten seien bereits angespannt.
Letzte Tarifrunde in den Seehäfen endete ohne Arbeitskampf
Die zurückliegende Tarifrunde im vergangenen Jahr war ohne Warnstreiks zu Ende gegangen. Verdi und ZDS einigten sich überraschenderweise bereits während der ersten Verhandlungsrunde. Die Einigung sah ein Lohnplus von 3,1 Prozent bei einer einjährigen Laufzeit vor. Zudem wurden weitere Zahlungen vereinbart. Verdi-Mitglieder erhielten einen zusätzlichen freien Tag.