Weitere Streiks in Italien angekündigt

22.04.2026 10:50 Uhr | Lesezeit: 3 min
Nahaufnahme von Lkw im Stau
Die Unatras, Dachverband mehrerer italienischer Transportverbände, hat für Mai einen Streik im Transportgewerbe angekündigt (Symbolbild)
© Foto: Canetti/Getty Images

Wegen eines tödlichen Unfalls bei einer Protestaktion wurde in Italien eine Streikaktion ausgesetzt, doch für die kommenden Wochen sind bereits weitere Arbeitskampfmaßnahmen angekündigt.

Nur wenige Stunden nach einem tödlichen Unfall bei einer Mahnwache, hat die Unatras als Dachverband mehrerer italienischer Transportverbände für den Zeitraum vom 25. Mai (1 Uhr) bis zum 29. Mai 2026 (24 Uhr) einen weiteren Streik angekündigt. Gleichzeitig übte die Unatras scharfe Kritik an TrasportoUnito. Der Verband – der nicht zur Unatras gehört – habe einseitig gehandelt und eine formelle Aufforderung der Streikkommission, ihre vom 20. bis 25. April geplante Mobilmachung (wir berichteten) zurückzunehmen, ignoriert.

Todesfall in Kampanien

Der Streik von TrasportoUnito wurde nur wenige Stunden nach Beginn wegen eines tödlichen Unfalls in Kampanien schrittweise ausgesetzt: Während einer der ersten Protestaktionen auf der A1 war ein 55-jähriger Lkw-Fahrer, der bei Caserta den Verkehr der in Kolonne fahrenden Lkw regeln sollte, von einem Mini Cooper auf der Fahrbahn erfasst und tödlich verletzt worden. Gegen den Fahrer des Kleinwagens, der unmittelbar anhielt und erste Hilfe leistete, ist – wie in Italien üblich – ein Verfahren wegen Tötung im Straßenverkehr eröffnet worden. Weitere Untersuchungen der italienischen Staatsanwaltschaft laufen zur Angemessenheit der Absicherung der Mahnwache und der Verantwortung der beteiligten Personen.

Debatte um die Protestaktionen

Die Unatras fordert auf Grundlage des Gesetzes 146/1990 zudem weitere Sanktionen: die Protestaktionen seien nicht – wie für Arbeitsniederlegungen bei engem zeitlichen Abstand in der gleichen Branche vorgesehen – gebündelt worden. Außerdem habe TrasportoUnito die gesetzlich vorgeschriebene Vorankündigungsfrist von 25 Tagen zwischen Bekanntgabe eines Streiks und der Arbeitsniederlegung nicht eingehalten und seine Beschäftigten wegen des bewussten Gesetzesverstoßes zu vermeidenden Risiken ausgesetzt. Auch der Branchenverband Assotir, der selbst keinen Streik ausruft, kritisierte das Vorgehen von TrasportoUnito. Der Sektor habe, so Generalsekretär Claudio Donati, immer versucht, geltende Regeln und Rechte aller Beteiligten zu respektieren – auch, um Unfälle zu vermeiden, die dem Image der Branche schaden könnten und die Aufmerksamkeit vom eigentlichen Anliegen ablenkten.

Wirtschaftliche Lage der Transportunternehmen angespannt

Während TrasportoUnito angab, sein Streikvorhaben aus Respekt vor dem Todesopfer und seiner Familie zwar vorerst auszusetzen, aber nach wie vor an den eigenen Forderungen festzuhalten, sieht die Unatras ihren Streikaufruf durch die stark gestiegenen Kraftstoffpreise und die angespannte wirtschaftliche Lage vieler Transportunternehmen begründet. Kritik bleibt aber auch hier nicht aus. Protestmaßnahmen, die erst Wochen nach einer akuten Krise angesetzt seien, könnten als wenig entschlossen wahrgenommen werden und eine geringere Wirksamkeit zeigen, so Cinzia Franchini als Präsidenten der Organisation Ruote Libere.


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