Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Juni den zweiten Monat in Folge aufgehellt - die Unsicherheit der Firmen infolge des Iran-Kriegs nimmt ab. Das Ifo-Geschäftsklima stieg um 0,6 Punkte auf 85,6 Punkte, wie das Münchner Forschungsinstitut in München mitteilte. Dabei verbesserte sich die Stimmung sogar minimal stärker als erwartet. Analysten waren im Schnitt von einem Anstieg des wichtigsten deutschen Konjunkturbarometers auf 85,5 Punkte ausgegangen.
Bei den Unternehmen ist Durchatmen angesagt
Die Unternehmen sind laut Ifo sowohl bei ihrer aktuellen geschäftlichen Lage als auch den Geschäftsaussichten optimistischer. Nach Einschätzung von Ifo-Präsident Clemens Fuest hat die Umfrage gezeigt, dass die Unternehmen das Umfeld als weniger unsicher einschätzten. „In den Fluren deutscher Unternehmen ist Durchatmen angesagt“, kommentierte Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank die Ifo-Daten. Die Aussicht auf ein Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran zur Beendigung des Iran-Kriegs habe die Ölpreise merklich fallen lassen, was zu wirtschaftlichen Entlastungen führe.
"In den Fluren deutscher Unternehmen ist Durchatmen angesagt."
Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank
Aktuelle Lage wird besser eingeschätzt
Die monatliche Umfrage des Ifo-Instituts unter 9000 Unternehmen zeigt, dass sich die Bewertung der Lage stärker verbessert hat als die Einschätzung der Erwartungen. „Es wird voraussichtlich noch einige Wochen dauern, bis die deutschen Unternehmen der geopolitischen Entspannung im Nahen Osten wirklich trauen“, sagte Deutschland-Chefvolkswirt Robin Winkler von der Deutschen Bank.
Bereich Transport und Logistik erholt sich
Die bessere Unternehmensstimmung zeigte sich in allen Bereichen der deutschen Wirtschaft. Nach Einschätzung des Experten Gitzel ist dies im Dienstleistungssektor besonders der Fall. Die Bewertung der aktuellen Lage ist dagegen etwas schwächer ausgefallen. „Der Bereich Transport und Logistik konnte sich weiter erholen“, heißt es beim Ifo-Institut.
"Damit könnte die Wirtschaft konjunkturell wieder dort anknüpfen, wo sie im Februar – vor dem Kriegsausbruch – stehengeblieben war."
Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank
Konjunkturprognosen wurden zuvor gesenkt
Die Erholung beim Ifo-Index erfolgte, nachdem Ökonomen zuletzt ihre Konjunkturprognosen für das laufende Jahr reihenweise gesenkt hatten. Nach den Worten von Christoph Swonke, Konjunkturanalyst der DZ BANK, hellt sich das Ifo-Geschäftsklima wegen folgender Punkte auf:
- Die jüngsten Entspannungssignale aus Washington und Teheran
- Der sinkende Ölpreis
- Sollten sich die USA und der Iran tatsächlich auf ein Abkommen verständigen und die Straße von Hormus für den Schiffsverkehr wieder dauerhaft öffnen, dürften die kriegsbedingten Belastungen weiter zurückgehen
Reformen der Sozialsysteme könnten für Aufschwung sorgen
Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, betonte, trotz weiterhin mühsamer Friedensverhandlungen im Persischen Golf hoffe die Wirtschaft auf stabile wirtschaftliche Bedingungen in der Region. „Damit könnte die Wirtschaft konjunkturell wieder dort anknüpfen, wo sie im Februar – vor dem Kriegsausbruch – stehengeblieben war.“ Nachhaltige Reformen in den Sozialsystemen könnten in den kommenden Monaten die Stimmung in der deutschen Wirtschaft weiter positiv beeinflussen und damit die Chancen auf einen Aufschwung in Deutschland deutlich steigen lassen, betonte Kater.