Antwerpen/Hamburg. Die Verbandslandschaft des europäischen Transport- und Speditionsgewerbes soll um eine grenzüberschreitende wirkende Interessenvertretung für selbstfahrende Unternehmer und Eigentümer von kleinen Transportbetrieben bereichert werden. Das bestätigte der Niederländer Klaas de Waardt, Vorsitzender des Verbands der niederländischen, selbstfahrende Unternehmern (Eigen Rijder), VERN, der VerkehrsRundschau. Ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu dem neuen Verband wurde am vergangenen Samstag im belgischen Hafen Antwerpen mit einer Großdemonstration gesetzt. Rund 1000 Fahrer aus verschiedenen EU-Staaten, darunter aus Dänemark, Deutschland und dem Benelux-Raum, hatten sich zu der mehrstündigen Kundgebung versammelt.
Aus der Bundesrepublik beispielsweise war Ingo Schulze, Vorsitzender des 2011 gegründeten Kraftfahrer-Club Deutschland e.V. (KCD), mit einer größeren Delegation nach Antwerpen gereist. „Es reicht uns“, war das Motto der Veranstaltung, zu der im Vorfeld allerdings deutlich mehr Teilnehmer vor Ort erwartetet wurden. Von rund 4000 war zunächst die Rede. „Wir wissen, dass zeitgleich auch in Dänemark eine ähnliche Manifestation lief“, relativierte Klaas „die reine Anzahl“. Entscheidend sei, dass im Vorfeld der Veranstaltung eine Vielzahl von Truckern reagiert habe. De Waardt: „Allein am 1.Mai erreichten uns nochmal rund 250 Mails von Fahrern aus verschiedenen Ländern. Das ist doch was.“
Fahrer kritisieren ruinösen Wettbewerb
Im Mittelpunkt stand die Kritik an ruinösen Wettbewerb im LKW-Transportgewerbe, der zum Verlust von Betrieben und damit Arbeitsplätzen führt. Es sind vor allem die Billigfahrer aus den neuen mittel- und osteuropäischen Mitgliedsstaaten, die im Rahmen von „Briefkasten“-Firmen durch Logistik- und Speditionsbetriebe aus Westeuropa eingesetzt werden, was den Betrieben erhebliche Kostenvorteile verschafft. „Am Ende der Kette ist es die verladende Wirtschaft, die durch immer neue Forderungen nach Preisnachlässen die Betriebe in den Ruin treibt“, erbost sich de Waardt. Er sei der „Gewinner“ dieses Vorgehens. De Waardt: „Wir werden diese Unsitte der verladenden Wirtschaft gnadenlos an den öffentlichen Pranger stellen, und zwar solange bis sie ein Ende hat.“ Daher sei er auch besonders froh darüber, dass auf der Veranstaltung in Antwerpen verschiedene Politiker aus Belgien und den Niederlanden vertreten waren, die zusagten, dass Thema auf die politische Tagesordnung in der EU zu setzen.
Bis Sommer soll Dachverband entstehen
De Waardt und seine Kollegen aus verschiedenen westlichen Staaten arbeiten mit Hochdruck an diesem Verband, berichtete der Niederländer weiter. Die Idee ist es, dass die verschiedenen Länder-Verbände, wie etwa ein KCD aus Deutschland, in einem Gesamtvorstand unter dem Dach des niederländischen VERN. Die niederländische Organisation ist bereits fest im Markt etabliert. Sie wurden 1997 gegründet und zählt rund 1500 Mitglieder. Auch in Belgien sei man schon recht stark. Die dortige ODU (Owner Drivers United) zähle nach eigenen Aussagen rund 1000 Mitglieder. De Waardt: „Wir wollen bis zum Sommer alles unter Dach und Fach haben.“ Für den Niederländer geht es darum, dass nur ein starker, die besondere Interessenlage der selbstfahrenden Unternehmer verstehender europäischer Verband das Problem des „Lohn – und Sozialdumpings“ anpacken kann.
Große Kundgebung in Braunschweig geplant
Eine ersten Vorgeschmack des neuen Selbstbewusstseins wollen er und seine europäischen Kollegen noch im Juni in Dänemark und in Deutschland geben. So ist Ende Juni eine Großdemonstration in Braunschweig geplant. Das hat seinen Grund: Hier hat der deutsche KCD seinen Verbandssitz. (eha)
Christian Rumpf