Sieben Logistikprojekte in Hessen erhalten eine Innovationsförderung des House of Logistics & Mobility (HOLM). Die Forschungen beschäftigen sich mit Zukunftsthemen wie Pakettransport per Seilbahn, KI-gestützter Kommissionierung, Logistik-Sharing und der Resilienz kritischer Infrastrukturen.
Mehrere hessische Hochschulen konnten mit ihren Anträgen in der Förderperiode 2026/27 überzeugen. Die Fördersumme über alle sieben Projekte hinweg beträgt rund 680.000 Euro.
Am 1. September werden zudem die Projektergebnisse aus den sieben Projekten der Förderperiode 2025/26 im Rahmen des HOLM-Innovationsmarktplatzes vorgestellt. Als Projektträger und Projektentwickler betreibt das HOLM aktive Wirtschaftsförderung für das Bundesland Hessen.
Förderung für Hochschulen, Forschungseinrichtungen und KMU
Im Rahmen der Innovationsförderung können sich folgende Einrichtungen bewerben:
- staatliche und staatlich anerkannte Hochschulen
- außeruniversitäre Forschungseinrichtungen
- kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie
- gemeinnützige Einrichtungen
Sie müssen ihren Hauptsitz in Hessen haben.
Diese Hochschulen erhalten die Innovationsförderung 2026/27
Die ausgewählten Projekte für die Innovationsförderung kommen von:
- der Technischen Universität Darmstadt,
- der Frankfurt University of Applied Sciences,
- der Hochschule Darmstadt,
- der Hochschule Fulda und
- der Hochschule RheinMain.
Forschungsschwerpunkte von Paketlogistik bis Intralogistik
Inhaltlich decken die Vorhaben ein breites Spektrum logistischer Zukunftsthemen ab. Die geförderten Vorhaben zielen nicht nur auf wissenschaftliche Erkenntnisse, sondern auch auf konkrete Anwendungen für Logistikunternehmen und Lieferketten.
Die Hochschulen wollen dabei verschiedene Aspekte erforschen. Folgende Themen erhielten eine Förderung:
- Erforschung der Potenziale urbaner Seilbahnen für den Transport von Brief- und Paketsendungen
- Untersuchung kooperativer Logistik-Sharing-Ansätze zwischen regionalen Herstellern und dem lokalen Lebensmittelhandel
- Erforschung der Resilienz kritischer Infrastrukturen in der Logistik
- Analyse menschlicher Fehler in der Kommissionierung mithilfe von Eye Tracking
- Entwicklung neuartiger Flugroboter,
- Entwicklung simulationsgestützter automatisierter Routenplanung für mobile Transportroboter als skalierbare Grundlage für die digitale Intralogistikplanung insbesondere in kleinen und mittleren Unternehmen
- Entwicklung eines Referenzmodells des menschlichen Fahrverhaltens in sicherheitskritischen Situationen für automatisierte Fahrsysteme.
EyeKom: KI und Eye Tracking gegen Kommissionierfehler
Ein Schwerpunkt liegt auf der Effizienz und Fehlervermeidung in Lager- und Kommissionierprozessen. So geht es im Projekt EyeKom der TU Darmstadt darum, intelligente Assistenzsysteme für die Kommissionierung zu entwickeln.
Im ersten Schritt wollen die Forscher mithilfe von Eye-Tracking-Technologien die Blickbewegungen und visuellen Suchprozesse von Mitarbeitenden während der Kommissionierung analysieren. Maschinelle Lernverfahren sollen dann potenzielle Fehlerursachen erkennen.
Auf dieser Basis sollen dann Assistenzsysteme enstehen, die kritische Situationen frühzeitig erkennen können und Mitarbeitende unterstützen. Auf diese Weise sollen Kommissionierfehler reduziert und Arbeitsbedingungen verbessert werden.
SCOOP-L erforscht Logistik-Sharing für regionale Lieferketten
Andere Projekte beschäftigen sich mit neuen Kooperationsmodellen entlang der Lieferkette. In SCOOP-L will die Hochschule Rhein-Main mit weiteren Hochschulen als Projektpartner kooperative Logistik-Sharing-Szenarien zwischen regionalen Herstellern und dem lokalen Lebensmittelhandel entwickeln. Außerdem wollen sie Bewertungsmodelle zur Wirksamkeit solcher Kooperationen aufstellen.
Dafür wollen die beteiligten Hochschulen zum Beispiel gemeinsame Transport- und Lagerkonzepte sowie abgestimmte Bestell- und Lieferprozesse untersuchen. Ziel soll sein, die Wettbewerbsfähigkeit regionaler Unternehmen zu stärken und nachhaltige Logistikstrukturen zu fördern.
CableCarGo untersucht urbane Seilbahnen für den Pakettransport
Darüber hinaus untersuchen die Forscher innovative Transportkonzepte für den urbanen Raum. Konkret geht es um ein Projekt zur Nutzung urbaner Seilbahnsysteme für die Zustellung von Brief- und Paketsendungen. In dem Projekt CableCarGo der Hochschule Darmstadt mit ihren Partnern DHL, Skyglide Event und Transdev sollen Potenziale urbaner Seilbahnen für wachsenden Paketverkehr in Städten im Fokus stehen.
Die Partner wollen den Fragen nachgehen, wie sich der Pakettransport durch KEP-Unternehmen technisch und organisatorisch in bestehende oder neu geplante Seilbahnsysteme integrieren lässt und ob die Systeme überhaupt im praktischen Arbeitsalltag dafür geeignet sind. Aus den Erkenntnissen wollen die Partner konkrete Empfehlungen ableiten, wie sich Brief- und Pakettransporte in bestehende sowie in die Planung zukünftiger Seilbahnsysteme integrieren lassen.
AKDA-KILL erforscht Resilienz kritischer Infrastrukturen in der Logistik
Neben Effizienz und Nachhaltigkeit spielt auch die Widerstandsfähigkeit logistischer Systeme eine wichtige Rolle. Das Projekt AKDA-KILL der Hochschule Fulda will systematisch relevante Akteure und vorhandene Datenquellen im Zusammenhang mit Ausfällen kritischer logistischer Infrastrukturen erfassen.
Außerdem sollen bestehende Datenlücken identifiziert werden. Diese Datengrundlage soll Basis für ein Folgeprojekt sein, bei dem ein Modell zur Bewertung von Ausfällen kritischer Infrastruktur in der Logistik entwickelt werden soll.