VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo lehnt betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen bei Volkswagen ab. Vor wichtigen Betriebsversammlungen fordert die Arbeitnehmerseite stattdessen vom Konzern eine Zukunftsstrategie für die betroffenen Standorte.
Hintergrund sind Diskussionen über zusätzliche Sparmaßnahmen und einen möglichen weiteren Personalabbau im Konzern. Der VW-Betriebsrat lehnt zusätzliche Stellenstreichungen ab, nachdem Konzernchef Oliver Blume zuletzt einen rechnerischen Abbau von rund 50.000 Stellen ins Gespräch gebracht hatte. Die Volkswagen-Betriebsratschefin Daniela Cavallo hat sich dabei klar gegen Entlassungen und Werksschließungen bei VW ausgesprochen.
„Wir schließen betriebsbedingte Kündigungen definitiv aus“, sagte die Gesamt- und Konzernbetriebsratsvorsitzende am Montagabend, den 24. August, nach einem Treffen mit dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Olaf Lies (SPD) im VW-Nutzfahrzeugwerk Hannover. Auch Werksschließungen seien „für uns keine Option“.
VW-Betriebsrat fordert Zukunftsstrategie statt Stellenabbau
Neben den Arbeitsplätzen steht auch die langfristige Zukunft mehrerer deutscher VW-Werke im Mittelpunkt der Debatte. An mehreren deutschen VW-Standorten sind die langfristige Produktionsperspektiven bislang nicht gesichert.
Vor zusätzlichen Betriebsversammlungen an mehreren Standorten forderte Cavallo den Vorstand auf, den Beschäftigten seine Pläne zu erklären. Ein Zukunftsprogramm könne nicht allein aus Personalabbau, niedrigeren Arbeitskosten und infrage gestellten Standorten bestehen. Die Arbeitnehmerseite erwarte eine „Vorwärtsstrategie“.
Für die Werke in Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm gibt es nach Konzernangaben für die Zeit nach Auslaufen der derzeitigen Fahrzeugproduktion Anfang der 2030er Jahre bislang keine gesicherte Belegung.
Niedersachsen verteidigt VW-Gesetz und Arbeitnehmerrechte
Im Zuge der Debatte rückt auch das VW-Gesetz erneut in den Fokus, das dem Land Niedersachsen besonderen Einfluss auf wichtige Unternehmensentscheidungen sichert. Lies forderte, gemeinsam Perspektiven für die Standorte zu entwickeln. „Hier geht es um ein bisschen mehr als nur um die Frage einer Rendite, eines Cashflows oder einer Dividende“, sagte der Regierungschef. Die Sorgen der Beschäftigten und die Bedeutung der Werke für ganze Regionen müssten berücksichtigt werden.
Zugleich stellte sich Lies deutlich hinter Mitbestimmung und VW-Gesetz. Wer sich als Vorstand damit beschäftige, wie sich Mitbestimmung oder VW-Gesetz reduzieren ließen, sei „nicht auf der richtigen Spur unterwegs“.
Das VW-Gesetz sichert dem Land Niedersachsen als Großaktionär besonderen Einfluss auf Volkswagen und erschwert wichtige Entscheidungen des Unternehmens gegen den Willen des Landes und der Arbeitnehmervertreter.
VW-Werk Hannover hofft auf neue Perspektive für Transporter-Produktion
Vor diesem Hintergrund werden auch neue Perspektiven für einzelne Produktionsstandorte diskutiert. Hannovers Betriebsratschef Stavros Christidis brachte als Perspektive für das Werk die Rückkehr des klassischen Transporters ins Spiel.
Dafür müsste die Kooperation mit Ford in diesem Segment beendet werden. Der derzeitige VW-Transporter wird gemeinsam mit Ford entwickelt und in der Türkei produziert.