Die Niedrigwassersituation auf dem Rhein hat sich weiter verschärft. Nachdem bereits im August historische Tiefstände gemessen wurden, sind die Pegelstände inzwischen an mehreren Stellen auf neue Rekordwerte gefallen. Besonders kritisch ist die Lage am Pegel Kaub in Rheinland-Pfalz, einer der wichtigsten Messstellen für die Binnenschifffahrt auf dem Mittelrhein.
Nach Angaben von Fachleuten wurde dort Anfang August erstmals der bisherige Rekordwert aus dem Jahr 2018 unterschritten. Inzwischen wurden zeitweise sogar negative Pegelstände registriert. Auch in Köln wurde zuletzt ein neuer Tiefststand gemessen.
Die anhaltende Trockenheit hat erhebliche Folgen für den Güterverkehr auf Europas wichtigster Wasserstraße. Auf dem besonders kritischen Mittelrheinabschnitt zwischen St. Goar und Mainz verkehren derzeit nur noch vereinzelt Güterschiffe.
Zwar bleibt die Schifffahrt grundsätzlich möglich, doch die Schiffe können vielfach nur mit deutlich reduzierter Ladung fahren. Dadurch sinkt die Transportkapazität erheblich und die Transportkosten steigen.
Nach Einschätzung von Branchenvertretern können viele Schiffe bei Fahrrinnentiefen von lediglich 1,20 bis 1,50 Metern nicht mehr wirtschaftlich verkehren. Die Schifffahrt versucht deshalb, die verbliebenen Kapazitäten möglichst effizient einzusetzen.
Eine schnelle Entspannung ist nach Einschätzung von Experten derzeit nicht in Sicht. Für eine nachhaltige Verbesserung wären längere Niederschlagsperioden erforderlich, insbesondere im Südwesten Deutschlands und im Einzugsgebiet des Rheins.
Hinzu kommt, dass die für den Wasserstand wichtige Schmelzwasserzufuhr aus den Alpen mit sinkenden Temperaturen im Herbst zurückgehen dürfte. Gleichzeitig gelten September und Oktober traditionell als Niedrigwasserperiode.
Entsprechend rechnen Fachleute kurzfristig nicht mit einer deutlichen Erholung der Wasserstände.
Die Bundesvereinigung der Deutschen Binnenschifffahrt fordert angesichts der wiederkehrenden Niedrigwasserlagen zusätzliche Maßnahmen zur Sicherung der Wasserstraße. Dazu gehört unter anderem die seit Jahren diskutierte Vertiefung der Fahrrinne zwischen St. Goar und Mainz.
Darüber hinaus setzt sich die Branche für eine stärkere Förderung niedrigwasseroptimierter Binnenschiffe ein. Diese können auch bei geringen Wasserständen größere Mengen transportieren.
Umweltverbände sehen in den neuen Rekordständen ein weiteres Anzeichen für die Folgen des Klimawandels. Ihrer Einschätzung nach gewinnen Maßnahmen zur Wasserspeicherung in Landschaften und Flussgebieten zunehmend an Bedeutung.
Dazu zählen die Renaturierung von Flussauen, der Schutz von Mooren sowie die Erhaltung von Wäldern und Feuchtgebieten. Solche natürlichen Wasserspeicher könnten dazu beitragen, Flüsse auch in längeren Trockenperioden mit Wasser zu versorgen.
Für die Transport- und Logistikbranche wird damit erneut deutlich, wie stark die Zuverlässigkeit von Lieferketten inzwischen von klimatischen Entwicklungen und der Resilienz der Verkehrsinfrastruktur abhängt.