Nach dem Teileinsturz der Dresdner Carolabrücke stehen in Sachsen zahlreiche Brückenbauwerke mit sogenanntem Hennigsdorfer Spannstahl unter besonderer Beobachtung. Das Material gilt als anfällig für Spannungsrisskorrosion und hat in mehreren Fällen Sanierungen, Sperrungen oder Ersatzneubauten erforderlich gemacht.
Sowohl der Freistaat Sachsen als auch die Autobahn GmbH überprüfen derzeit zahlreiche Bauwerke auf mögliche Schäden.
Weitere Sperrung an der A14
Als nächstes betroffen ist eine Brücke über die Autobahn 14 bei Grimma. Nach festgestellten Schäden wird das Bauwerk zurückgebaut. Für die Arbeiten muss die Autobahn zeitweise vollständig gesperrt werden.
Die betroffene Überführung war bereits im vergangenen Jahr aus Sicherheitsgründen außer Betrieb genommen worden. Ein Ersatzneubau soll in den kommenden Jahren folgen.
Millioneninvestitionen in Ersatzneubauten
Bereits mehrere Brücken müssen ersetzt oder umfassend saniert werden. Dazu zählt unter anderem die Brücke der Bundesstraße 101 bei Großenhain, die nach Sicherheitsbedenken zurückgebaut wurde und derzeit neu entsteht.
Auch die B2-Brücke im Agra-Park bei Markkleeberg steht vor einem Ersatzneubau. Die dortigen Arbeiten werden nach aktuellen Planungen ein Investitionsvolumen im zweistelligen Millionenbereich erfordern.
Bad Schandau gleich doppelt betroffen
In Bad Schandau beschäftigen gleich zwei Bauwerke die Behörden. Während die Elbebrücke inzwischen wieder eingeschränkt befahrbar ist und laufend überwacht wird, muss eine benachbarte Brücke über Bahngleise vollständig ersetzt werden.
Dafür wird zunächst eine Behelfslösung geschaffen, um den Verkehr während der Bauarbeiten aufrechterhalten zu können.
Zahlreiche Bauwerke weiter in der Untersuchung
Nach dem Einsturz der Carolabrücke wurden landesweit weitere Brücken mit vergleichbarer Bauweise identifiziert. Bei mehreren dieser Bauwerke laufen derzeit Materialuntersuchungen und statische Bewertungen.
Ziel ist es, mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen und gegebenenfalls Maßnahmen einzuleiten. Die Untersuchungen betreffen Brücken an Landes- und Staatsstraßen sowie weitere Verkehrsbauwerke im Freistaat.
Auch Bahn- und Autobahnbrücken betroffen
Neben Landesstraßenbauwerken stehen auch Brücken im Zuständigkeitsbereich der Autobahn GmbH und der Bahn im Fokus.
So werden mehrere Überführungen entlang der A14 zwischen Leipzig und Nossen intensiver überwacht. Darüber hinaus wurde auch bei einer Bahnbrücke im Landkreis Leipzig ein erhöhter Erneuerungsbedarf festgestellt.
Die zuständigen Behörden bereiten dort langfristige Ersatzlösungen vor.
Infrastrukturproblem mit langfristigen Folgen
Der Fall zeigt, welche Herausforderungen mit alternden Verkehrsbauwerken verbunden sind. Viele der betroffenen Brücken stammen aus den 1960er- und 1970er-Jahren und erreichen inzwischen das Ende ihrer ursprünglichen Nutzungsdauer.
Die notwendigen Neubauten und Sanierungen werden den Staat in den kommenden Jahren erhebliche Summen kosten und vielerorts zu längerfristigen Verkehrseinschränkungen führen.