Brücken länger erhalten: BASt zeigt neue Ansätze bis 2030

03.07.2026 12:15 Uhr | Lesezeit: 3 min
Luftbild Rheinbrücke Nibelungenbrücke mit Nibelungenturm vor Worms
Faseroptische Sensoren an der Nibelungenbrücke in Worms liefern Daten für neue Verfahren zur Verlängerung der Restnutzungsdauer von Brücken
© Foto: Mathias Weil/stock.adobe.com

Deutschlands alternde Brücken rücken stärker in den Fokus. Die BASt hat in Bonn Zwischenergebnisse aus zehn Forschungsprojekten vorgestellt, die die Restnutzungsdauer von Straßenbrücken verlängern sollen – unter anderem mit Monitoring, neuen Bewertungsverfahren und innovativen Verstärkungen.

Deutschlands alternde Brücken erhöhen den Handlungsdruck im Erhalt der Verkehrsinfrastruktur. Aktuelle Fälle wie die Sperrung der Bonner Nordbrücke oder der Talbrücke Rahmede zeigen, wie stark Brückenbauwerke inzwischen im Fokus der öffentlichen Debatte stehen. Vor diesem Hintergrund hat die Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BASt) am 2. Juli 2026 im Bundesministerium für Verkehr (BMV) in Bonn Zwischenergebnisse aus zehn Forschungsprojekten vorgestellt, die auf eine Verlängerung der Restnutzungsdauer von Straßenbrücken zielen.

Ersatzneubauten sind nicht bei allen gealterten Brücken kurzfristig möglich oder zwingend notwendig. Deshalb fördert die BASt im Auftrag des BMV gezielt Forschungsvorhaben, die neue Wege für den Erhalt bestehender Bauwerke erschließen. Die Maßnahmen sollen natürliche und finanzielle Ressourcen schonen, längere Planungszeiträume für erforderliche Ersatzmaßnahmen ermöglichen und zugleich die Leichtigkeit des Verkehrs erhalten, so die Mitteilung der Bundesanstalt.

Restnutzungsdauer von Brücken: „Erhalt vor Neubau“ als Leitgedanke

Die Verlängerung der Restnutzungsdauer von Brücken stand im Mittelpunkt der Fachveranstaltung „Erhalt vor Neubau“. Dort wurden Bauwerksverantwortlichen Zwischenstände aus Projekten präsentiert, die im Rahmen des zweiten Förderaufrufs „Restnutzungsdauerverlängerung von Brückenbauwerken“ im „Innovationsprogramm Straße“ gefördert werden.

Im Fokus der Projekte stehen praxistaugliche Verfahren, die möglichst zeitnah verfügbar sein sollen. Dazu zählen Verfahren zur genaueren Bewertung der Bausubstanz durch Monitoring, Methoden zur realistischeren Ermittlung tatsächlicher Belastungen sowie neue Technologien zur Verstärkung von Brückenbauwerken.


Drei Handlungsfelder für längere Nutzungsdauer von Brücken

Die BASt bündelt ihre Forschung zur Nutzungsdauerverlängerung in drei zentralen Bereichen. Dazu gehören Kompensationsmaßnahmen, bauliche Maßnahmen und optimierte Bewertungsverfahren zur Verbesserung der Tragfähigkeit.

  • Kompensationsmaßnahmen - Überwachung und Verkehrssteuerung:

Kompensationsmaßnahmen sollen die Nutzung bestehender Brücken absichern. Dazu zählen ergänzende Bauwerksprüfungen, Monitoring sowie verkehrliche Einschränkungen, mit denen Bauwerke gezielt entlastet werden können.

  • Bauliche Maßnahmen - Instandsetzung und Verstärkung:

Bauliche Maßnahmen reichen von der Instandsetzung bis zur Verstärkung bestehender Brücken. Sie umfassen sowohl Arbeiten zur Wiederherstellung des planmäßigen Zustands als auch Verfahren, die die Tragfähigkeit über den ursprünglichen Zustand hinaus erhöhen.

  • Bewertungsverfahren - Tragfähigkeit realitätsnäher bestimmen:

Optimierte Bewertungsverfahren sollen die rechnerische Tragfähigkeit genauer abbilden. Möglich wird das unter anderem durch weiterentwickelte Modelle oder durch die Einbindung von Monitoringdaten in die Bewertung.



BASt und Autobahn GmbH: Forschung und Umsetzung im Austausch

Die BASt arbeitet bei der Verlängerung der Brückennutzungsdauer eng mit Infrastrukturbetreibern zusammen, wie sie mitteilt. Dazu zählt die Autobahn GmbH des Bundes, die Bauwerke zunehmend per Monitoring überwacht und dabei auf Erkenntnisse der BASt zurückgreift.

Der Austausch zwischen den Brückenkompetenzzentren von BASt und Autobahn GmbH erfolgt in verschiedenen Formaten. Während die BASt Forschung und Wissenstransfer verantwortet, liegt die operative Umsetzung bei der Autobahn GmbH.

„Mit unserer Forschung unterstützen wir die Straßenbauverwaltungen in ihrer täglichen Arbeit, indem wir Innovationen bis zur Anwendungsreife entwickeln und praxisgerechte Handlungsempfehlungen erarbeiten. Damit leisten wir einen gezielten Beitrag zum Abbau des Erhaltungsstaus“, sagt Professor Markus Oeser, Präsident der BASt.

Geförderte Projekte zur Verlängerung der Restnutzungsdauer von Brücken

Zehn Projekte wurden bei der Veranstaltung als Zwischenstände vorgestellt. Sie decken unterschiedliche technische Ansätze für den Brückenerhalt ab:

  • ReSKoMB: Tools für die Verlängerung der Restnutzungsdauer von spannungsrisskorrosionsgefährdeten Massivbrücken

  • VLASDA: Verlängerung der Lebensdauer durch autonome Schädigungsüberwachung und datenbasierte Analysemodelle

  • AIrBSound: KI-basiertes Luftschallmonitoring von Brücken

  • BEST: Bridge life-time extension through strengthening with TRC (Brücken-Nutzungsdauerverlängerung durch Verstärkung mit TRC)

  • BrückenCT: Lebensdauerverlängerung von Brücken durch zerstörungsfreie Prüfung mit Röntgen-Computertomographie

  • easyQuerV: Nachträgliche Querkraftverstärkung von Spannbetonbrücken ohne Eingriff auf der Fahrbahnoberseite

  • NSM CFK: SMART Strengthening – Querkraftertüchtigung von Massivbrücken durch hocheffiziente, in Schlitze geklebte („near surface mounted“) CFK-Lamellen

  • ReNuS: Innovative, nachhaltige Aufbetonsysteme für eine sichere und zuverlässige Verlängerung der Restnutzungsdauer von Stahlbrückenbauwerken

  • LEPC DFOS: Restnutzungsdauerverlängerung von Spannbetonbrücken mit rechnerischen oder konstruktiven Defiziten durch den Einsatz von faseroptischer Sensorik

  • PROSIT: Prolongation of Bridge Service Life by Informed Traffic Load Models (Restnutzungsdauerverlängerung von Brückenbauwerken durch informierte Verkehrslastansätze)

Brückenerhalt in Deutschland: Erkenntnisse sollen Regelwerke stärken

Die Ergebnisse der Forschungsprojekte sollen in die Weiterentwicklung bestehender Regelwerke einfließen. Nach Angaben der BASt sollen die Erkenntnisse dazu beitragen, das Erhaltungsmanagement in Deutschland langfristig zu stärken. Ziel der neuen Ansätze sei ein sicherer, wirtschaftlicher und zuverlässiger Betrieb der Verkehrsinfrastruktur. Gleichzeitig sollen Ressourcen geschont und der Zeitraum bis zu erforderlichen Ersatzmaßnahmen besser überbrückt werden.

Hier finden Sie die Förderrichtlinie zum „Innovationsprogramm Straße“ mit dem Schwerpunkt „Restnutzungsdauerverlängerung von Brückenbauwerken“ der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt).

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