Lagarde: Inflation wird schlimmer, bevor sie besser wird

11.09.2026 13:45 Uhr | Lesezeit: 3 min
Lagarde: Inflation wird schlimmer, bevor sie besser wird
EZB-Präsidentin Christine Lagarde erwartet zunächst weiter steigende Inflationsraten im Euroraum
©Foto: Emmanuele Contini/NurPhoto/ picture alliance

Die Inflation im Euroraum dürfte nach Einschätzung von EZB-Präsidentin Christine Lagarde zunächst weiter steigen. Danach erwarte sie aber Besserung.

Die Inflation im Euroraum wird nach Einschätzung von EZB-Präsidentin Christine Lagarde zunächst weiter steigen, bevor sich die Preisentwicklung wieder abschwächt. Hintergrund sind vor allem die höheren Energiepreise infolge des Iran-Kriegs, die Verbraucher und Unternehmen im Euroraum belasten. „In unseren aktuellen Prognosen steigt die Inflation bis Ende '26 weiter. Sie wird also schlimmer, bevor sie besser wird, aber sie wird besser“, sagte Lagarde dem Nachrichtenportal „ZDFheute.de“.

Die Teuerung im Euroraum liegt weiterhin deutlich über dem Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB). Im August erreichte die Inflationsrate 3,3 Prozent und lag damit erneut oberhalb der von der Notenbank angestrebten Marke von mittelfristig 2,0 Prozent. Aus Sicht der EZB sorgen insbesondere die gestiegenen Ölpreise für zusätzlichen Inflationsdruck. Seit der Eskalation des Konflikts mit dem Iran haben sich Energie und Kraftstoffe deutlich verteuert. Auch in den USA stiegen die Dieselpreise deshalb auf erstmals über 6 Dollar pro Gallone.

EZB erhöht Einlagenzins auf 2,5 Prozent

Als Reaktion auf die anhaltend hohe Inflation hat die Europäische Zentralbank den für Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins am Donnerstag auf 2,5 Prozent angehoben. Bereits nach dem Zinsentscheid hatte Lagarde erklärt, dass die Inflation „für einen längeren Zeitraum“ deutlich über dem Zielwert der Notenbank bleiben dürfte. Für das laufende Jahr erwartet die EZB eine Inflationsrate von 3,0 Prozent. Für 2027 prognostiziert die Notenbank 2,5 Prozent, für 2028 einen Wert von 2,1 Prozent. Damit würde die Teuerung zwar schrittweise zurückgehen, das Inflationsziel von 2,0 Prozent jedoch weiterhin verfehlen.

Bundesbank-Präsident Joachim Nagel schließt nicht aus, dass die EZB die Zinsen weiter erhöhen muss. Es sei noch zu früh, darüber zu spekulieren, sagte Nagel dem Sender CNBC. Das hänge von der Entwicklung der Energiepreise ab. Er könne nicht ausschließen, dass die Notenbank in einen "leicht restriktiven Bereich" vordringe - also in ein Zinsniveau, das die Wirtschaft etwas dämpft. Nagel verwies auf die Ölpreise, die kürzlich über die Marke von 100 Dollar je Barrel (159 Liter) der Referenzsorte Brent kletterten. "Wir sehen, dass die Energiepreise letzte Woche gestiegen sind; jetzt liegen wir bei fast 110 Dollar."

Lagarde wirbt für den digitalen Euro

Neben der Inflationsentwicklung äußerte sich Lagarde auch zum geplanten digitalen Euro. Angesichts der zunehmenden Digitalisierung des Zahlungsverkehrs sieht die EZB darin ein wichtiges Zukunftsprojekt: „Deshalb müssen wir sicherstellen, dass auch das Geld der Zentralbank digital ist, denn wir dürfen von diesem Spiel nicht ausgeschlossen werden. Es wird also weiterhin Banknoten geben, schöne, hoffe ich, und einen digitalen Euro, denn falls alles sehr digital wird, müssen wir bei beiden im Spiel sein: Banknoten und digital“, sagte Lagarde gegenüber „ZDFheute.de“.

Der digitale Euro soll das Bargeld im Euroraum ergänzen, jedoch nicht ersetzen. Nach den bisherigen Planungen der Euro-Notenbanken ist die Einführung für das Jahr 2029 vorgesehen. Mit dem digitalen Euro wollen die europäischen Zentralbanken ein eigenes digitales Zahlungsangebot schaffen. Ziel ist es, im Markt für digitale Zahlungen eine europäische Alternative zu Anbietern wie Paypal, Mastercard und Visa bereitzustellen.

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