Lkw-Maut Niederlande 2026: Was internationale Flotten jetzt beachten müssen

20.04.2026 14:50 Uhr | Lesezeit: 3 min
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Ab Juli 2026 wird die Lkw-Maut in den Niederlanden satellitenbasiert und kilometerabhängig erhoben – die Eurovignette entfällt (Symbolbild)
© Foto: picture alliance / Jochen Tack | Jochen Tack

Ab Juli 2026 ersetzt eine satellitenbasierte Lkw-Maut in den Niederlanden die Eurovignette. Für internationale Flotten ändern sich Kosten, Technik und Abrechnung grundlegend.

Zum 1. Juli 2026 führen die Niederlande ein neues, satellitenbasiertes Mautsystem für den Schwerverkehr ein. Gleichzeitig entfällt die bislang geltende Eurovignette. Damit vollzieht das Land einen grundlegenden Systemwechsel: Statt einer zeitabhängigen Pauschale wird die Maut künftig kilometergenau auf Basis von GPS-Daten erhoben. Betroffen sind sowohl niederländische als auch ausländische Fahrzeuge.

Das neue System erfasst die gefahrenen Kilometer auf nahezu allen Autobahnen sowie auf ausgewählten Provinzial- und Gemeindestraßen. Nach Angaben der zuständigen Behörde RDW muss die On-Board Unit (OBU) auch auf nicht mautpflichtigen Strecken dauerhaft eingeschaltet bleiben. Ziel der Netzauswahl ist es, Ausweichverkehre auf kleinere Straßen zu vermeiden. Das Fahrverhalten des Schwerverkehrs auf Alternativrouten soll nach Einführung eng überwacht werden.

Wer unter die Mautpflicht fällt

Die Maut gilt für alle Lastkraftwagen der Kategorien N2 und N3 mit einem technischen Gesamtgewicht von mehr als 3,5 Tonnen. Damit sind auch zahlreiche Fahrzeuge betroffen, die die Niederlande lediglich durchqueren, etwa im Transit zwischen Deutschland, Belgien und Frankreich oder auf dem Weg zu den Benelux-Häfen.

Bestimmte Fahrzeuge können von der Maut ausgenommen werden, darunter Oldtimer mit einem Alter von über 40 Jahren oder definierte Einsatzfahrzeuge. Diese Ausnahmen müssen jedoch gesondert beantragt werden.

Kilometerabhängige Tarife nach Gewicht und Emissionen

Die Höhe der Maut richtet sich künftig nach dem Fahrzeuggewicht und der jeweiligen CO₂-Klasse. Dadurch entsteht eine deutliche Spreizung der Kosten. Laut vorliegenden Angaben zahlt ein leichtes Fahrzeug der CO₂-Klasse 5 mit einem Gesamtgewicht zwischen 3.500 und 12.000 Kilogramm rund 2,5 Cent pro Kilometer. Für ältere, schwere Fahrzeuge der CO₂-Klasse 2 mit einem Gewicht zwischen 18.000 und 32.000 Kilogramm können hingegen bis zu 16,5 Cent pro Kilometer anfallen.

Für Flottenbetreiber bedeutet dies eine veränderte Kostenstruktur, insbesondere bei regelmäßigen Fahrten durch die Niederlande, die bislang über die Eurovignette pauschal abgedeckt waren.

Technische Anforderungen und Durchsetzung

Ab dem Starttermin ist eine konforme Mautabrechnung nur mit einem zertifizierten Fahrzeuggerät möglich. Zugelassen sind sowohl nationale Lösungen als auch EETS-fähige On-Board Units. Fahrzeuge ohne gültige Mautlösung riskieren Bußgelder sowie die Festhaltung durch die Behörden. Kennzeichendaten werden EU-weit ausgetauscht, sodass auch ausländische Fuhrparks von Kontrollen betroffen sind.

Handlungsbedarf für Flottenbetreiber

Unternehmen, die bereits mit einem EETS-Service-Provider zusammenarbeiten, sollten prüfen, ob die Niederlande als neue Mautdomäne aktiviert werden können. Mehrere Anbieter bereiten den niederländischen Dienst bereits vor dem offiziellen Start mit Pilotflotten vor, wie etwa Toll4Europe, wobei die Abrechnung regulär ab Juli 2026 beginnt.

Flotten ohne bestehenden Anbieter müssen vorab organisatorische und technische Schritte einleiten. Dazu zählen die Auswahl eines geeigneten Service Providers, der Vertragsabschluss sowie die Ausstattung der Fahrzeuge mit einer OBU und deren Registrierung für das niederländische Mautsystem. Ein zeitlicher Puffer gilt als empfehlenswert, um Betriebsunterbrechungen zum Starttermin zu vermeiden.

Rückfluss der Mauteinnahmen in Nachhaltigkeit

Politisch ist die neue Lkw-Maut mit dem sogenannten „Terugsluis“-Modell verknüpft. Ein Großteil der Einnahmen soll in die Dekarbonisierung des Straßengüterverkehrs reinvestiert werden. Für das Jahr 2026 sind dafür über 253 Millionen Euro vorgesehen, im Regelbetrieb rechnet die niederländische Regierung mit rund 320 Millionen Euro jährlich.

Gefördert werden unter anderem Elektro- und Wasserstoff-Lkw, private Ladeinfrastruktur, Wasserstofftankstellen sowie Maßnahmen zur Steigerung der Logistikeffizienz. Unternehmen mit emissionsärmeren Fahrzeugen profitieren damit sowohl von niedrigeren Mauttarifen als auch von staatlichen Förderprogrammen.

Teil eines wachsenden europäischen Mautnetzes

Mit der Einführung der niederländischen Lkw-Maut erweitert sich die europäische Mautlandschaft um einen zentralen Transitkorridor. Parallel werden bestehende Systeme durch CO₂-Differenzierung und neue Emissionsklassen komplexer. Der Europäische Elektronische Mautdienst (EETS) verfolgt dabei das Prinzip eines Vertrags, einer On-Board Unit und einer konsolidierten Abrechnung über mehrere Länder hinweg.

Für Flotten, die regelmäßig in den Niederlanden unterwegs sind, rückt der 1. Juli 2026 näher. Eine frühzeitige Prüfung von OBU-Status, Vertragsgrundlage und CO₂-Klassifizierung der Fahrzeuge gilt als entscheidend, um einen reibungslosen Übergang sicherzustellen.

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