Lkw-Fahrermangel: Italien setzt auf Rekrutierung aus Drittstaaten

19.05.2026 15:12 Uhr | Lesezeit: 3 min
Älterer Mann oder Renter sitzt hinter dem Steuer eines Lkw und schaut lächelnd aus dem offenen Fenster in den Seitenspiegel.
Europa sucht Fahrer: Personalnot trifft Logistikbranche
© Foto: bernardbodo /stock.adobe.com

Der Fahrermangel spitzt sich zu: In Italien gehen Tausende Lkw-Fahrer in Rente. Unternehmen setzen verstärkt auf Rekrutierung aus Drittstaaten.

Mehr als 86.000 Lkw-Fahrer werden in Italien in den kommenden fünf Jahren pensioniert. Die Neubesetzung der Stellen ist jedoch fraglich: Es mangelt an jungen Nachwuchskräften. Um die Lücke zu füllen, sollen nun vermehrt Fahrer aus fernen Ländern rekrutiert werden, darunter die Philippinen und Brasilien. Brasilianische Unternehmen haben sich längst darauf spezialisiert, Fahrer auszubilden, passende Arbeitgeber zu finden und den Aufenthalt ihrer Fachkräfte in Italien zu organisieren. Das Problem des Fachkräftemangels, das nun in Italien vermehrt um sich greift, ist in Deutschland nicht unbekannt. Laut BGL fehlen dort rund 120.000 Berufskraftfahrer – mit steigender Tendenz. Pro Jahr gehen in Deutschland etwa 30.000 bis 35.000 Lkw-Fahrer in den Ruhestand, es rücken aber nur 15.000 bis 20.000 neue Fachkräfte nach. Selbst Osteuropa, das über Jahre etliche Fahrer stellte, sieht sich mit dem Fachkräftemangel konfrontiert. Nicht zuletzt deswegen waren auf der Transpotec in Mailand auch Agenturen vertreten, die gezielt ausländische Arbeitskräfte anwerben und sich um die bürokratischen Hürden kümmern. Dabei handelt es sich vorrangig um Zeitarbeitsfirmen, die Fahrer selbst einstellen und sie dann befristet oder unbefristet an in Frage kommende Unternehmen vermitteln. Während rekrutierte Fahrer über das „Decreto Flussi“, ein zeitlich begrenztes Kontigent für legale Arbeitsmigration, vergleichsweise einfach nach Italien gelangen können und Basis-Kenntnisse des Italienischen oder zumindest des Englischen häufig als ausreichend erachtet werden, sind die bürokratischen Hürden in Deutschland höher. Verlangt werden berufsspezifische Sprachkenntnisse auf dem Niveau A2 oder gar B1, auch fehlt es häufig am Nachweis der Berufskraftfahrerqualifikation in deutscher Sprache. Die Anerkennung ausländischer Führerscheine ist kompliziert, der Erwerb eines Führerscheins der Klasse C oder CE in Deutschland meist teurer als in anderen europäischen Ländern – auch wenn die Gehälter etwa im Vergleich zu Italien attraktiver sind. Die Anwerbung von Fachkräften aus Drittstaaten bleibt zudem auch aufgrund der Visa-Verfahren kompliziert.


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