Studie: Autonomes Fahren soll Verkehr und Logistik stärken
Fahrermangel und steigender Verkehr setzen Mobilität und Logistik unter Druck. Experten sehen autonomes Fahren als systemische Lösung.
Zehntausende Fahrer fehlen bis 2030
Autonomes Fahren als Systeminnovation
Autonome Fahrzeuge entfalten ihren Nutzen nach Einschätzung von Fachleuten erst dann, wenn sie als Teil eines integrierten Mobilitätssystems eingesetzt werden. Oliver May‑Beckmann, Geschäftsführer von MCube – Münchens Forschungszentrum für Mobilität, sieht in Deutschland dafür gute Voraussetzungen. Statt isolierter Pilotprojekte oder Robotaxi‑Ankündigungen brauche es nachhaltige, praxisnahe Lösungen für den öffentlichen Verkehr und die Logistik.
Insbesondere in ländlichen Regionen könnten autonome Systeme Angebotslücken schließen, die Erreichbarkeit verbessern und Mobilität breiter zugänglich machen.
Gesetzlicher Rahmen vorhanden, Umsetzung gefordert
Studien sehen großes Entlastungspotenzial
Simulationen der ETH Zürich zeigen, dass geteilte autonome Flotten langfristig die Zahl der Pkw um bis zu 90 Prozent reduzieren könnten. Auch aus Sicht des dänischen Unternehmens Holo, das autonome Fahrzeuge in Europa implementiert und betreibt, liegt großes Potenzial darin, autonome Systeme gezielt dort einzusetzen, wo Personalengpässe den Betrieb einschränken.
Autonomes Fahren solle dabei nicht das Fahrpersonal ersetzen, sondern ein unter Druck stehendes Transportsystem stützen – etwa auf festen Strecken oder in Regionen, in denen Stellen kaum zu besetzen sind.
Zwischen Zögern und Übereilen
Europa und Deutschland stehen nach Einschätzung von Experten an einem strategischen Wendepunkt. Gefordert wird unter anderem eine gemeinsame europäische Softwarebasis für autonomes Fahren – offen, interoperabel und unabhängig von außereuropäischen Plattformen. Zu langsames Handeln berge das Risiko, technologisch den Anschluss zu verlieren, während ein zu schnelles Vorgehen das öffentliche Vertrauen gefährden könne.
Angesichts bereits heute ausfallender Fahrten und ausgedünnter Fahrpläne in mehreren Städten sehen Fachleute dringenden Handlungsbedarf. Ziel müsse es sein, Erfahrungen aus Pilotprojekten in einen skalierbaren, verlässlichen Betrieb zu überführen und so die Mobilitätsversorgung langfristig abzusichern.