Studie: Autonomes Fahren soll Verkehr und Logistik stärken

27.03.2026 12:17 Uhr | Lesezeit: 3 min
Symbolbild eines autonom fahrenden Lkw
Studien sehen großes Potenzial für autonomes Fahren
© Foto: scharfsinn86/AdobeStock

Fahrermangel und steigender Verkehr setzen Mobilität und Logistik unter Druck. Experten sehen autonomes Fahren als systemische Lösung.

Der zunehmende Fahrermangel stellt den öffentlichen Verkehr und die Logistikbranche in Deutschland vor wachsende Herausforderungen. Gleichzeitig steigt das Verkehrsaufkommen, während die Betriebskosten zunehmen. Nach Einschätzung von Branchenexperten und Mobilitätsforschern kann autonomes Fahren einen zentralen Beitrag leisten, um das Transportsystem zu stabilisieren – vorausgesetzt, die Technologie wird systemisch in bestehende Mobilitätsangebote integriert.

Zehntausende Fahrer fehlen bis 2030

Deutschland steuert nach Einschätzung des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen auf eine strukturelle Mobilitätskrise zu. Bis 2030 könnten bundesweit rund 60.000 Fahrerinnen und Fahrer fehlen. Parallel dazu nimmt der Druck auf Straßen, Schienen und Betriebe weiter zu. Die Kombination aus Personalmangel, steigendem Verkehrsaufkommen und instabilen Betriebsabläufen gefährdet aus Sicht von Experten langfristig das Vertrauen in den öffentlichen Verkehr und den Gütertransport.


Autonomes Fahren als Systeminnovation

Autonome Fahrzeuge entfalten ihren Nutzen nach Einschätzung von Fachleuten erst dann, wenn sie als Teil eines integrierten Mobilitätssystems eingesetzt werden. Oliver May‑Beckmann, Geschäftsführer von MCube – Münchens Forschungszentrum für Mobilität, sieht in Deutschland dafür gute Voraussetzungen. Statt isolierter Pilotprojekte oder Robotaxi‑Ankündigungen brauche es nachhaltige, praxisnahe Lösungen für den öffentlichen Verkehr und die Logistik.

Insbesondere in ländlichen Regionen könnten autonome Systeme Angebotslücken schließen, die Erreichbarkeit verbessern und Mobilität breiter zugänglich machen.

Gesetzlicher Rahmen vorhanden, Umsetzung gefordert

Technologisch ist Deutschland beim autonomen Fahren bereits weit. Autonome Shuttle‑Fahrzeuge und teilautomatisierte Systeme werden im realen Verkehr erprobt. Auch regulatorisch ist das Land nach Ansicht von Experten gut aufgestellt. Nun komme es darauf an, den bestehenden Rechtsrahmen mit praxistauglichen Genehmigungen, Betriebsmodellen und klaren Verfahren zu füllen, um den Übergang vom Testbetrieb zum Regelbetrieb zu ermöglichen.

Studien sehen großes Entlastungspotenzial

Simulationen der ETH Zürich zeigen, dass geteilte autonome Flotten langfristig die Zahl der Pkw um bis zu 90 Prozent reduzieren könnten. Auch aus Sicht des dänischen Unternehmens Holo, das autonome Fahrzeuge in Europa implementiert und betreibt, liegt großes Potenzial darin, autonome Systeme gezielt dort einzusetzen, wo Personalengpässe den Betrieb einschränken.

Autonomes Fahren solle dabei nicht das Fahrpersonal ersetzen, sondern ein unter Druck stehendes Transportsystem stützen – etwa auf festen Strecken oder in Regionen, in denen Stellen kaum zu besetzen sind.

Zwischen Zögern und Übereilen

Europa und Deutschland stehen nach Einschätzung von Experten an einem strategischen Wendepunkt. Gefordert wird unter anderem eine gemeinsame europäische Softwarebasis für autonomes Fahren – offen, interoperabel und unabhängig von außereuropäischen Plattformen. Zu langsames Handeln berge das Risiko, technologisch den Anschluss zu verlieren, während ein zu schnelles Vorgehen das öffentliche Vertrauen gefährden könne.

Angesichts bereits heute ausfallender Fahrten und ausgedünnter Fahrpläne in mehreren Städten sehen Fachleute dringenden Handlungsbedarf. Ziel müsse es sein, Erfahrungen aus Pilotprojekten in einen skalierbaren, verlässlichen Betrieb zu überführen und so die Mobilitätsversorgung langfristig abzusichern.


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