IRU: Hunderttausende Berufskraftfahrer fehlen in Europa

02.07.2026 09:38 Uhr | Lesezeit: 3 min
Berufskraftfahrermangel
Speditionen finden immer schwerer neue Fahrer (Symbolbild)
© Foto: beast01/stock.adobe.com

Der Fahrermangel verschärft sich weltweit. In Europa fehlen Hunderttausende Lkw-Fahrer, während viele Beschäftigte vor dem Ruhestand stehen.

Der weltweite Mangel an Berufskraftfahrern verschärft sich weiter. Nach einer aktuellen Untersuchung der International Road Transport Union (IRU) blieben in 18 untersuchten Märkten zuletzt rund 2,9 Millionen Stellen für Lkw-Fahrer unbesetzt. Besonders betroffen ist Europa, wo die Engpassquote zu den höchsten weltweit zählt.

Die Ergebnisse machen deutlich, dass sich das Problem zunehmend von kurzfristigen Konjunkturschwankungen löst und immer stärker strukturelle Ursachen hat.

Alternde Belegschaften verschärfen die Lage

Ein wesentlicher Treiber ist die demografische Entwicklung. In Europa wird ein erheblicher Teil der heutigen Fahrer in den kommenden Jahren aus dem Berufsleben ausscheiden.

Damit wächst der Druck auf Unternehmen, neue Fahrer zu gewinnen und bestehende Beschäftigte langfristig im Beruf zu halten.

Besonders betroffen sind:

  • Langstreckenverkehre
  • kleinere Transportunternehmen
  • sowie Regionen mit ohnehin angespanntem Arbeitsmarkt

Unternehmen stoßen an Grenzen

Viele Transporteure berichten bereits von direkten Auswirkungen auf das Tagesgeschäft. Aufgrund fehlender Fahrer können Aufträge nicht immer angenommen oder vollständig umgesetzt werden.

Für die Unternehmen bedeutet das:

  • eingeschränkte Kapazitäten
  • gebremstes Wachstum
  • sowie Risiken für die Zuverlässigkeit von Lieferketten

Der Fahrermangel entwickelt sich damit zunehmend zu einem wirtschaftlichen Faktor.


Höhere Löhne allein reichen nicht mehr

Die Studie zeigt zudem, dass finanzielle Anreize nicht mehr ausreichen, um ausreichend Personal zu gewinnen. Zwar bleibt die Vergütung ein wichtiger Aspekt, doch andere Faktoren gewinnen an Bedeutung.

Dazu gehören insbesondere:

  • planbare Arbeitszeiten
  • ausreichend Zeit zu Hause
  • sichere Parkmöglichkeiten
  • sowie bessere Arbeitsbedingungen unterwegs

Die Anforderungen der jüngeren Generation an Beruf und Freizeit verändern die Erwartungen an den Fahrerberuf spürbar.



Frauen bleiben stark unterrepräsentiert

Ein weiteres Problem ist die geringe Vielfalt im Beruf. Der Frauenanteil unter den Lkw-Fahrern liegt in Europa weiterhin auf niedrigem Niveau.

Branchenvertreter sehen hier Potenzial, um den Bewerberkreis zu erweitern. Voraussetzung dafür sind jedoch:

  • niedrigere Zugangshürden
  • bessere Rahmenbedingungen
  • und ein moderneres Berufsbild

Kleine Unternehmen besonders betroffen

Vor allem kleinere Speditionen spüren die Auswirkungen des Mangels. Ihnen fehlen häufig die personellen und finanziellen Ressourcen für umfangreiche Recruiting- und Ausbildungsmaßnahmen.

Dadurch geraten sie im Wettbewerb um qualifizierte Fahrer zunehmend unter Druck.



Gemeinsame Lösungen gefragt

Nach Einschätzung der IRU wird sich das Problem nicht allein durch einzelne Recruiting-Kampagnen lösen lassen. Nötig seien koordinierte Maßnahmen von Unternehmen, Verbänden und Politik.

Im Mittelpunkt stehen:

  • bessere Qualifizierungsangebote
  • attraktivere Arbeitsbedingungen
  • sowie langfristige Strategien zur Nachwuchsgewinnung

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