Kraftstoffpreise: Fast jede fünfte Tankstelle bricht 12‑Uhr‑Regel

19.05.2026 08:49 Uhr | Lesezeit: 3 min
Illustration zu den Themen Benzin/Diesel/Ölpreise/Tanken/Teuerung/Spritpreisbremse
Auswertung: Tausende Preisverstöße an Tankstellen (Symbolbild)
© Foto: HARALD SCHNEIDER/APA/picturedesk.com/picture alliance

Viele Tankstellen halten sich nicht an die 12‑Uhr‑Regel. Laut Auswertung wurde fast jede fünfte Station wegen unerlaubter Preisänderungen auffällig.

Die im April eingeführte 12‑Uhr‑Regel für Kraftstoffpreise wird offenbar nicht flächendeckend eingehalten. Nach Auswertungen des Verbraucherdienstes „Mehr‑Tanken“ haben rund 2.995 von 15.240 Tankstellen bis Mitte Mai gegen die Vorschrift verstoßen. Das entspricht einem Anteil von knapp 19,7 Prozent – also fast jeder fünften Station.

Insgesamt wurden demnach rund 17.000 Preissteigerungen zu unzulässigen Zeiten registriert. Grundlage der Analyse sind Daten der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe.

Auswertung berücksichtigt Meldeverzögerungen

Um mögliche Verzerrungen auszuschließen, wurde der Zeitraum von 11.30 bis 12.30 Uhr bewusst nicht berücksichtigt. In diesem Zeitraum können laut Experten Verzögerungen bei der Übermittlung von Preisänderungen auftreten, die nicht als bewusste Regelverstöße gewertet werden sollen.

Regionale Unterschiede deutlich

Die Analyse zeigt erhebliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. Die höchste Quote an Verstößen wurde in Bayern mit 25,6 Prozent festgestellt. In Berlin lag der Anteil mit 8,2 Prozent deutlich niedriger.

Regel soll Transparenz schaffen

Die 12‑Uhr‑Regel ist seit 1. April in Kraft. Sie erlaubt Tankstellen nur noch eine tägliche Preiserhöhung – um 12 Uhr mittags. Preissenkungen bleiben jederzeit möglich.

Mit der Maßnahme reagierte die Politik auf die stark steigenden Kraftstoffpreise infolge des Iran‑Kriegs. Ziel ist es, den Verbrauchern mehr Orientierung und Vergleichbarkeit im Tagesverlauf zu bieten.

Tankstellenbetreiber weisen Kritik zurück

Die Branche weist den Vorwurf systematischer Verstöße zurück. Nach Einschätzung des Bundesverbands Freier Tankstellen könnten viele Abweichungen auf technische Verzögerungen zurückzuführen sein.

Preisänderungen würden zunächst über Kassensysteme eingespielt und müssten anschließend von Zapfsäulen, Preismasten und Automaten verarbeitet werden, bevor sie an die Markttransparenzstelle gemeldet werden. Faktoren wie langsame Datenleitungen oder laufende Tankvorgänge könnten dabei zu zeitlichen Abweichungen führen.


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