Die im April eingeführte 12‑Uhr‑Regel für Kraftstoffpreise wird offenbar nicht flächendeckend eingehalten. Nach Auswertungen des Verbraucherdienstes „Mehr‑Tanken“ haben rund 2.995 von 15.240 Tankstellen bis Mitte Mai gegen die Vorschrift verstoßen. Das entspricht einem Anteil von knapp 19,7 Prozent – also fast jeder fünften Station.
Insgesamt wurden demnach rund 17.000 Preissteigerungen zu unzulässigen Zeiten registriert. Grundlage der Analyse sind Daten der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe.
Auswertung berücksichtigt Meldeverzögerungen
Regionale Unterschiede deutlich
Regel soll Transparenz schaffen
Die 12‑Uhr‑Regel ist seit 1. April in Kraft. Sie erlaubt Tankstellen nur noch eine tägliche Preiserhöhung – um 12 Uhr mittags. Preissenkungen bleiben jederzeit möglich.
Mit der Maßnahme reagierte die Politik auf die stark steigenden Kraftstoffpreise infolge des Iran‑Kriegs. Ziel ist es, den Verbrauchern mehr Orientierung und Vergleichbarkeit im Tagesverlauf zu bieten.
Tankstellenbetreiber weisen Kritik zurück
Die Branche weist den Vorwurf systematischer Verstöße zurück. Nach Einschätzung des Bundesverbands Freier Tankstellen könnten viele Abweichungen auf technische Verzögerungen zurückzuführen sein.
Preisänderungen würden zunächst über Kassensysteme eingespielt und müssten anschließend von Zapfsäulen, Preismasten und Automaten verarbeitet werden, bevor sie an die Markttransparenzstelle gemeldet werden. Faktoren wie langsame Datenleitungen oder laufende Tankvorgänge könnten dabei zu zeitlichen Abweichungen führen.