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Kontrolle für überladene Lkw: "Spinnen die BALMer?" - ein Kommentar

01.06.2023 16:05 Uhr | Lesezeit: 4 min
BALM Wappen auf neongelber Weste
Das BALM und die Autobahn GmbH wollen Kontrollen von überladenen Lkw einführen
© Foto: picture alliance/dpa | Boris Roessler

In einer aktuellen Pressemeldung informieren die Autobahn GmbH und das BALM , dass man künftig härter gegen überladene Lkw vorgehen will. VR-Chefredakteur Gerhard Grünig erklärt im Kommentar seine Meinung zum Thema.

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Zu schwer beladene Lkw sollen mit Hilfe neuer Kontrollanlagen künftig auf Deutschlands Autobahnen effektiver entdeckt und aus dem Verkehr gezogen werden können. Um dies zu erreichen, haben die Autobahn GmbH des Bundes und das Bundesamt für Logistik und Mobilität (BALM) am Mittwoch, 31. Mai, auf dem Theißtal-Parkplatz an der A3 im hessischen Niedernhausen eine Kooperationsvereinbarung unterschrieben. Sie sieht den Bau und Betrieb von insgesamt 16 digitalen Gewichtskontrollstellen an Rastplätzen entlang der meistbefahrenen Autobahnen vor. Neben der Sicherheit geht es auch um den Schutz der Autobahnbrücken, die durch überladene Lastwagen geschädigt werden.

VR-Chefredakteur Gerhard Grünig fragt sich: "Woher kommen die plötzlichen Kontrollkapazitäten, wer soll da zur Kasse gebeten werden und warum arbeitet man keine sinnvolleren Baustellen ab?"

Ein Kommentar zu Kontrollen für überladene Lkw

Wie Autobahn GmbH und BALM in einer aktuellen Meldung informieren, wurde eine Kooperationsvereinbarung zur Errichtung von Gewichtskontrollstellen unterzeichnet. Ziel der Aktion soll der Schutz der Verkehrsteilnehmenden und der Infrastruktur sein. Dazu soll es in den nächsten Jahren 16 hochverfügbare und volldigitale, stationäre Gewichtskontrollstellen an Rastplätzen entlang der meistbefahrenen Autobahnen geben. Eine in die Fahrbahn eingebaute Messtechnik soll künftig die Vorselektion von überladenen Fahrzeugen ermöglichen, die dann durch telematisch gesteuerte LED-Anzeigetafeln für eine gerichtsverwertbare Nachverwiegung an eine Gewichtskontrollstelle ausgeleitet werden. Wäre der Lkw zu schwer, darf er nicht weiterfahren.

So weit so gut, setzen BALM und Autobahn GmbH damit eine kommende EU-Richtlinie um – das Thema hat also allenfalls sekundär mit dem Schutz der Infrastruktur oder der Verkehrsteilnehmer zu tun. Insofern sind Aussagen von Staatssekretär Oliver Luksic („Wir wollen mehr Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmenden …“), von Stephan Krenz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Autobahn GmbH („Der immer stärker werdende Schwerlastverkehr hat gravierende Beeinträchtigungen der Infrastruktur zur Folge ...“) oder Christian Hoffmann, Präsident des Bundesamtes für Logistik und Mobilität/BALM („Damit erreichen wir nicht nur unser Ziel einer hocheffizienten und systematischen Kontrolle zu schwer beladener Lkw. Auch die Transportbranche soll auf diese Weise in die Pflicht genommen werden, mehr Verantwortung dafür zu übernehmen, um Überladungen von Lkw zu vermeiden.“) nicht mehr als Lippenbekenntnisse.

Transportverbände geben sich einverstanden

Dass selbst der BGL, namentlich Vorstandssprecher Dirk Engelhardt, die Kontrollen goutiert, ist ein schlechter Witz. „Wir begrüßen die neuen Kontrollstellen, wenn damit effektiv die schwarzen Schafe herausgefiltert werden.“ Als ob das Gewicht unser primäres Problem wäre.

Für mich stellt sich die Frage, woher der plötzliche Eifer kommt und ob die Richtung nicht eine völlig falsche ist?

Ist das Transportgewerbe schuld, dass die Infrastruktur auf dem Zahnfleisch daherkommt? Wohl ebenso wenig wie die Binnenschiffer etwas für kaputte Schleusen können. Die Autobahn GmbH sollte Ihre Energie lieber in beschleunigte Antragsabwicklung bei Schwertransporten stecken, als in die Bestrafung zu schwerer Lkw – beides hängt irgendwie kausal zusammen.

Und wenn das BALM endlich anfangen würde – und zwar ernsthaft und nicht nur sporadisch – das Verbot der Wochenruhezeit zu kontrollieren und massiv gegen Kabotageverstöße vorzugehen, wäre die Energie aus meiner Sicht ebenfalls besser eingesetzt.

Wieder mal lassen wir uns von der EU treiben und verpulvern unsere Energie an der falschen Stelle. So aber wächst nur die Zahl der Transportunternehmen die keine Lust mehr haben! 

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KOMMENTARE


Andreas Schulz

02.06.2023 - 10:14 Uhr

Hallo, Das Eine hat doch nichts mit dem Anderen zu tun. Es ist durchaus richtig, überladene Lkw zu kontrollieren. Ruhezeiten, Dokumente, technischer Zustand sind andere Baustellen. Das wird wohl bei der Gelegenheit gleich mit kontrolliert werden. Die Erfahrung zeigt doch, das es meistens nicht nur ein Verstoß ist, um den es geht. Andere europäische Länder machen das doch schon lange sehr erfolgreich vor. Die Kontrollen bringen denjenigen in einen Vorteil, die auf Grund ihrer Unternehmenskultur alle Vorschriften einhalten.


Günter Hiller

02.06.2023 - 18:02 Uhr

Vollkommen richtig. Überladene LKW sind aus dem Verkehr zu ziehen. Selbstverständlich sollte Ruhezeitenkontrollen und Überwachung der Kabotage Regeln nicht vernachlässigt werden. Nur alles zusammen hilft der Transportbranche wiefer ein angesehener Wirtschaftszweig zu werden. Denke fas dann auch wieder mehr Beschäftigte zu finden sind.


Frank Krieger

03.06.2023 - 08:15 Uhr

Herr Grünig, ich lade sie ein, mit mir zusammen, und einem Team vom Balm eine gezielte Kontrolle auf Überladung bei einem verladenden Holzsägewerk in Somplar bei Winterberg und beim Zweigwerk dieser Firma in Thüringen durchzuführen. Auf Grund meiner in der Vergangenheit gemachten Erfahrungen dort, werden alle Fahrer der dort ladenden Spediteure und Transporteure genötigt, extreme Überladung zuzulassen. Ich spreche hier von 37 Tonnen Ladung auf einem Sattelzug, die dort die Regel sind. Das entspricht fast genau 50% Überladung, das sich damit die technischen Eigenschaften des fahrenden Lkw extremst verändern, viel längere Bremswege sind da nur ein Faktor, muss ich ihnen hoffentlich nicht erklären. Darüber hinaus findet hier Steuerbetrug in grossem Ausmaß statt, der verlader hat zum Preis zweier Transporte einen komplett kostenlos befördert, auch sowas ist Steuervermeidung auf Kosten der Sicherheit der Allgemeinheit. Wenn ich als Fahrer dort gegen diese Praxis Aufbegehre, und die überladung verweigere, werde ich vom Dispoleiter dort bedroht, er werde dafür sorgen, das ich meinen Job verliere wenn ich das nicht fahre. Erst die Drohung meinerseits, in Begleitung der Polizei, mit dem überladenen Sattel zur Gewichtskontrolle zur Raiffeisen ins benachbarte Dorf zu fahren, schützt mich vor solchen Praktiken, weil ich dort nach Mitteilung meiner Firma als Fahrer Hausverbot erhalte. Ich warte.....


Boris

03.06.2023 - 09:29 Uhr

Die sollten lieber mal die Überholverbote vor den Baustellen konrollieren das wäre auf jeden Fall sinvoller .


Willfried Günther

03.06.2023 - 20:36 Uhr

Diese Gewichtskontrollen sehe ich als wichtig und sinnvoll an.Es werden besonders im Tankcontainerverkehr Angebote unterbreitet von 30000Litern, das eigentlich nicht einmal im kombinierten Verkehr zu schaffen ist. Unter erhöhten Ladegewicht leidet nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit korrekt arbeitender Spediteure, auch die Verkehrssicherheit wird beeinträchtigt.Längere Bremswege bei Gefahrbremsungen, höherer Verschleiss der Fahrwerksteile usw. Es wird höchste Zeit, dass in Deutschland die LKW- Kontrollen verstärkt werden .Selbst bin ich 10 Jahre im Fernverkehr gefahren und nur einmal kontrolliert wurden bei 100000 gefahrenen Kilometern im Jahr, noch Fragen?


René weiß

04.06.2023 - 09:28 Uhr

Warum nur 16 Kontrollstellen? Es braucht generell mehr Kontrolle. Ich bin seit 7 Jahren nicht mehr in einer Kontrolle gewesen. Und es ist grauenhaft was gerade nachts los ist egal ob Geschwindigkeit oder Überholverbot es scheint nichts zu gelten. Meine Meinung mehr Kontrolle und an die bisherigen Bußgelder eine Null mehr dranhängen.


Rainer

05.06.2023 - 06:57 Uhr

Sehr merkwürdig ist das dafür Plötzlich Gelder vorhanden sind, aber durch immer mehr LKW auf den Autobahnen immer noch zu wenige. Parkplätze gebaut und vorhanden sind. Das richt doch förmlich nach Abzocke. Dann gibt es einen weiteren Grund die Fahrzeuge zu Kontrollieren, ob nicht eine Ausnahme Genehmigung oder andere Unterlagen fehlen die vorher nicht Teuer bezahlt wurden um nachträglich richtig ab zu kassieren. Das nennt sich dann Gewinnabschöpfung.


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