Der Güterverkehr auf der Schiene wurde in der Nacht vom 23. auf den 24. Juni massiv vom bundesweiten Stillstand im Bahnverkehr als Folge des Ausfalls des digitalen Zugfunks GSM-R betroffen. „Güterbahnen fahren vor allem nachts, darum sind sie besonders stark von der Störung betroffen. Seit Mitternacht rollen zwar vereinzelt wieder Züge. Circa die Hälfte unserer Güterzüge steht aber verteilt im Land und an den Grenzen noch immer still“, sagte Neele Wesseln, Geschäftsführerin des Verbands „Die Güterbahnen“.
Logistik-Stau belastet die Güterbahnen
Die Lage sei „extrem angespannt“, weil Güter-, Nah- und Fernverkehr gleichzeitig auf Weiterfahrt warten, führte Wesseln weiter aus. „Es ist momentan wie in einem überfüllten Restaurant: Ein einzelner Kellner soll gleichzeitig Bestellungen aufnehmen, Essen und Getränke bringen und abkassieren. Es wird Tage dauern, diesen Logistik-Stau abzuarbeiten. Wir erwarten von der Deutschen Bahn jetzt eine lückenlose Aufklärung.“ Wenn ein Güterzug stehen bleibt, ist es mit einer simplen Abstellung nicht getan, betonen die Güterbahnen, da die Unternehmen in eng getakteten Kreisläufen planen. Wenn ein Zug stundenlang auf freier Strecke strandet, reißt diese gesamte Kette ab.
Bahnverkehr stand weitgehend still
Bei der Deutschen Bahn kam es am späten Dienstagabend, 23. Juni, zu einer deutschlandweiten Störung des digitalen Bahnfunksystems GSM-R, die rund zwei Stunden lang den Bahnverkehr weitgehend zum Stillstand brachte. Ab etwa 0.30 Uhr fuhren die ersten Züge wieder und der Verkehr lief schrittweise an. Am Abend der Störung waren Fern- und Regionalverkehr, S-Bahnen und Bahn-Mitbewerber sowie der nächtliche Güterverkehr bundesweit betroffen.
Politik fordert Aufklärung des Vorfalls
Laut der Deutschen Bahn wurde die Ursache der Störung in der Nacht identifiziert und behoben. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und die Deutsche Bahn hätten seit Dienstagabend im Austausch über den Vorfall gestanden. Als wahrscheinliche Ursache wird in Sicherheitskreisen ein fehlerhaftes Software-Update der Deutschen Bahn vermutet, berichtete die „Deutsche Presse-Agentur“. Sicherheitsbehörden gingen nach übereinstimmenden Angaben nicht von Sabotage oder einem Cyberangriff aus. Unter anderen Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) und NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) haben bereits wie auch Die Güterbahnen eine vollständige Aufklärung des Vorfalls gefordert.
Tausch einer Komponente sorgte für die Störung
Inzwischen hat Philipp Nagl, Vorstandsvorsitzender der DB InfraGo, erklärt, dass ursächlich für die Störung des digitalen Bahnfunks GSM-R aus derzeitiger Sicht „der planmäßige Tausch einer technischen Komponente“ gewesen sei. „Wie es dadurch genau zu der Störung kam, analysieren wir nun mit höchster Priorität. Wir entschuldigen uns in aller Form bei unseren Kundinnen und Kunden für die Einschränkungen.“