Der bundesweite Bahnverkehr war am späten Dienstagabend, 23. Juni, wegen einer Funkstörung für rund zwei Stunden eingestellt worden. Den Angaben eines Sprechers zufolge war der digitale Bahnfunk GSM-R gestört. Nachdem die Deutsche Bahn die Störung behoben hatte, lief der Verkehr Schritt für Schritt wieder an. Gegen 0.30 Uhr fuhren die ersten Züge wieder. „Wir konnten mit einem Notfallsystem die Lage stabilisieren. Die Ursache müssen wir jetzt klären“, hatte die DB-Chefin Evelyn Palla gegenüber der „Bild-Zeitung“ erklärt.
Störung des Funksystems GSM-R
Auslöser der massiven Störung, die zahlreiche Menschen an Bahnhöfen stranden ließ und den Güterverkehr massiv beeinträchtigte, war eine Störung des Funksystems GSM-R. Die vier Buchstaben stehen für „Global System for Mobile Communications – Railway“. „Das GSM-R Mobilfunknetz ersetzt nahezu alle analogen Funksysteme der Deutschen Bahn AG“, heißt es auf der Webseite der DB InfraGo, der Betreiberin der Infrastruktur der Deutschen Bahn. Demnach bietet es Vorteile wie etwa hohe Sicherheit in der betrieblichen Kommunikation, die Möglichkeit spezieller Gruppenanrufe und die Option zur gezielten Kontaktaufnahme mit den Fahrdienstleistern.
"Da der Güterverkehr zu einem erheblichen Teil in den Nachtstunden unterwegs ist, sind die Beeinträchtigungen durch den Shutdown auch sehr hoch."
Peter Westenberger, Geschäftsführer des Verbands Die Güterbahnen
Güterverkehr stark betroffen
Der Verband der privaten Güterbahnen hat nach dem mehrstündigen Ausfall des Bahnverkehrs in Deutschland eine genaue Aufarbeitung gefordert. Die privaten Güterbahnen waren ebenfalls von der Störung betroffen und dies zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt. „Da der Güterverkehr zu einem erheblichen Teil in den Nachtstunden unterwegs ist, sind die Beeinträchtigungen durch den Shutdown auch sehr hoch“, sagte Verbandsgeschäftsführer Peter Westenberger.
Güterbahnen fordern Aufarbeitung
Der Verband fordert Aufklärung. Die Ursache für den Ausfall dürfe „nicht allein durch eine ‚Selbstauskunft‘ der DB InfraGo als Betreiberin beantwortet werden“, sagte Verbandsgeschäftsführer Peter Westenberger der „Deutschen Presse-Agentur“. Es brauche eine bessere Überwachung und Steuerung des Schieneninfrastrukturbetriebs. Der Verband fordert dazu seit langem die Gründung eines Bundesamts für Schieneninfrastruktur.
"Das macht mich fassungslos."
NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer
Bahnverkehr kommt komplett zum Erliegen
Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) hat die Bahn nach der bundesweiten Störung scharf kritisiert. „Das macht mich fassungslos. Dass durch einen technischen Defekt der komplette Bahnverkehr in Deutschland zum Erliegen kommt, ist ein neuer Tiefpunkt bei einer ohnehin schwachen Betriebsqualität“, sagte Krischer der „Deutschen Presse-Agentur“. Er erwarte, dass „die Bahn diesen Vorfall transparent und lückenlos aufklärt“. Der NRW-Minister äußerte auch Kritik am Notfallmanagement der Bahn. „Hier braucht es Notfallmechanismen, die ein solches Desaster in Zukunft vermeiden“, forderte Krischer.