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Frost bremst Aufschwung

Schnee sorgte im Dezember für Chaos auf den Straßen und Probleme in der Transportbranche
© Foto: dpad

Eis und Schnee haben das deutsche Wachstumswunder gebremst - aber Experten sind überzeugt: Der Aufschwung geht weiter


Datum:
24.02.2011
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Wiesbaden. Der harte Winter hat das rasante Wachstum der deutschen Wirtschaft zum Jahresende gebremst. Besonders die Bautätigkeit wurde quasi auf Eis gelegt. Für das Gesamtjahr 2010 bestätigten die Statistiker aber das kräftige Wirtschaftswachstum von real 3,6 Prozent. "Das ist ein gesamtdeutscher Rekord. Das Jahr 2010 hat sämtliche Prognosen übertroffen", sagte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret. Seinen Aufschwung bezahlt Deutschland mit einer enormen Neuverschuldung. In den Staatskassen klafft ein Loch von 82 Milliarden Euro. Erstmals seit fünf Jahren verstieß Deutschland damit wieder gegen die europäischen Defizitvorgaben.

Die Wirtschaftsleistung legte im vierten Quartal preis-, saison- und kalenderbereinigt nur noch um 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zu, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Die Statistiker bestätigten damit frühere Berechnungen. Im dritten Quartal hatte es noch ein Plus von 0,7 Prozent gegeben.

Das schwächere Wachstum zum Jahresende sehen Volkswirte als kältebedingten Ausrutscher an. "Die ungewöhnlich kalte Witterung im Dezember hat die Bautätigkeit deutlich gebremst. Rechnet man diesen Effekt heraus, ergibt sich ein Plus des Bruttoinlandsproduktes von gut 0,7 Prozent", schreibt Commerzbank-Analyst Ralph Solveen. Dass das Wachstum geringer ausfiel, sei ausschließlich auf den deutlichen Rückgang der Bauinvestitionen zurückzuführen. Dieser Effekt dürfte im ersten Quartal 2011 wettgemacht werden.

Insgesamt hat sich Deutschland überraschend schnell vom Tiefpunkt während der Finanz- und Wirtschaftskrise entfernt. Die Wirtschaftsleistung lag in allen Quartalen deutlich über dem Niveau des Krisenjahres 2009. Im letzten Vierteljahr 2010 stieg das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zum Schlussquartal 2009 um 4,0 Prozent. Wachstumstreiber war vor allem der Außenhandel, aber auch im Inland kamen positive Impulse vom Konsum und den Investitionen. Daran hatte der Staat einen bedeutenden Anteil. Allerdings rissen Konjunkturpakete und Bankenrettung ein riesiges Loch in Deutschlands Staatskassen. Der Fehlbetrag betrug im vergangenen Jahr 82,0 Milliarden Euro nach knapp 73 Milliarden Euro im Vorjahr.

Dass die Lücke nicht noch größer ausfiel, ist dem überraschend starken Aufschwung zu verdanken. Allerdings war die Kluft zwischen öffentlichen Ausgaben und Einnahmen 2010 so groß wie seit 2004 nicht mehr, als das Defizit 83,5 Milliarden Euro betrug.

Das Staatsdefizit stieg nach den neuesten Berechnungen der Statistiker auf 3,3 Prozent des BIP nach 3,0 Prozent im Vorjahr. Damit verstieß Deutschland erstmals seit fünf Jahren wieder gegen die europäischen Defizitvorgaben. Nach dem EU-Stabilitätspakt darf das Defizit die 3,0-Prozent-Marke nicht überschreiten. Deutschland hatte diese Hürde von 2002 bis 2005 gerissen. 2007 und 2008 hatten Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherungen hingegen ein Plus erwirtschaftet.

Schon in diesem Jahr will die Regierung das Defizit wieder unter die erlaubte Obergrenze von 3,0 Prozent drücken. Anders als bei Schuldensündern wie Griechenland, Irland oder Portugal, die den ganzen Euroraum enorm belasten, ist dies auch durchaus denkbar - zumal das Defizit 2010 aufgrund von Konjunkturpaketen, Kurzarbeitergeld und Bankenrettung ein Ausreißer gewesen sein dürfte.

Die Deutsche Bundesbank jedenfalls hält in diesem Jahr einen Rückgang in Richtung zwei Prozent für möglich, sofern an den angekündigten Konsolidierungsmaßnahmen keine Abstriche gemacht werden. "Jetzt nicht nachlassen, muss die Devise lauten", sagte Dombret.

Nach Einschätzung von Experten dürfte der Aufschwung Anfang 2011 angetrieben vom Export wieder deutlich an Fahrt gewonnen haben. Denn die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist trotz steigender Energie- und Nahrungsmittelpreise und der längst nicht überstandenen Staatsschuldenkrise bestens.

Der ifo-Index als Konjunkturbarometer eilt seit Monaten von Rekord zu Rekord. Die Unternehmen stellen wieder ein, die Beschäftigung ist auf Rekordniveau. Im vierten Quartal 2010 wurde die Wirtschaftsleistung von 41 Millionen Erwerbstätigen erbracht. Das waren 422 000 Menschen mehr als ein Jahr zuvor. Experten trauen der deutschen Wirtschaft 2011 ein Plus von bis zu 3,0 Prozent zu. (dpa)

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