Grenzüberschreitende Ermittlungen in Italien, Österreich und Deutschland haben nun ein ausgeklügeltes Betrugssystem beim Schwertransport aufgedeckt. Unter Verdacht stehen elf Personen, gegen die wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung, Urkundenfälschung und schweren Betrugs ermittelt wird. Ausgangspunkt ist dabei ein österreichisches Logistikunternehmen, das mit einem Südtiroler Unternehmer in Verbindung gebracht wird und über Niederlassungen und operative Partner in Litauen, Polen, Kroatien, Deutschland und Italien verfügt.
Kontaktgruppe der Staatsanwaltschaften koordiniert Verfahren
Äußerst komplex sollen sich dabei die Ermittlungen gezeigt haben, für die eine Kontaktgruppe zwischen den Staatsanwaltschaften Bozen, Innsbruck und Traunstein gebildet wurde. Auf polizeilicher Ebene kooperierten die Polizia Stradale in Bozen, das LKA Tirol in Innsbruck sowie die Polizei Rosenheim. Laut den ermittelnden Beamten der Operation „Logistic Games“ soll das Unternehmen systematisch gegen Gesetze verstoßen haben, um sich im Logistikbereich auch mit Hilfe von Drittunternehmen einen unfairen Marktvorteil zu verschaffen und an der Konkurrenz vorbei lukrative Aufträge an Land zu ziehen. Diese nämlich konnten sie aufgrund von Manipulationen zu einer Geschwindigkeit und Preisen anbieten, bei der kein Konkurrent auf legalem Weg mithalten konnte.
Gefälschte Kennzeichen, Papiere und Genehmigungen im Einsatz
Vorgeworfen wird den Beschuldigten, gefälschte Kennzeichen und manipulierte Fahrzeugpapiere ebenso verwendet zu haben wie falsche technische Datenblätter oder aber gefälschte Bescheinigungen und Genehmigungen, mit denen etwa auch Autobahnbetreiber oder Behörden getäuscht wurden. Das Ziel: Transporte regelkonform wirken zu lassen, die die gesetzlichen und technischen Voraussetzungen für einen Schwer- oder Sondertransport nicht erfüllten oder aber nur mit erheblichem Aufwand genehmigt worden wären. Dadurch habe laut Ermittlern auch eine große Gefahr für die Allgemeinheit bestanden.
Durchsuchungen in Italien, Österreich und Deutschland
Der Schaden, der mit dem Betrugssystem staatlichen Stellen sowie Infrastrukturbetreibern zugefügt wurde, ist noch nicht genau beziffert. Razzien zur Sicherstellung von Unterlagen und digitalem Beweismaterial hat es in Italien in den Regionen Südtirol, Venetien, der Lombardei und Latium gegeben, außerdem in Österreich (Tirol) sowie in Deutschland (Oberbayern).