Der Mittelstand ist im Krisenmodus

04.02.2026 10:15 Uhr | Lesezeit: 3 min
Aus der Vogelperspektive: Eine blonde Frau spricht und eine braunhaarige Frau hört ihr zu, beide sitzen auf einer grauen Couch
Von den befragten Führungskräften halten 87 Prozent die Motivation und Bindung ihrer Beschäftigten für das wichtigste Handlungsfeld
© Foto: alfa27/stock.adobe.com

Die andauernden Krisen und Unsicherheiten drücken auf die Stimmung im deutschen Mittelstand, wie eine Studie zeigt. Als wichtigste Aufgabe wird die Mitarbeiterbindung gesehen und man sucht externe Unterstützung.

Das Vertrauen der mittelständischen Führungskräfte in die Widerstandskraft ihrer Unternehmen schwindet spürbar, lautet ein Ergebnis der Studie „Fokus Mittelstand: R+V Resilienz-Report 2026“. Für die Studie wurden zur Jahreswende 2025/26 mehr als 220 Führungskräfte in Firmen mit mehr als 10 Mitarbeitenden und über 1000 Beschäftigte parallel befragt, so die R+V. Das Ergebnis: Mittlerweile blicken 29 Prozent der Führungskräfte mit Sorge in die Zukunft der eigenen Firma – ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu 2024 (17 Prozent). Bei den Beschäftigten hat sich die Stimmung im Vergleich zur ersten Befragung wenig verändert. 22 Prozent machen sich Sorgen wegen der Resilienz ihres Arbeitgebers, 2024 waren es 20 Prozent.


"Diese Besorgnis sollte ernstgenommen werden"

Jens Hasselbächer, Vorstand des Ressorts Kunden & Vertrieb der R+V Versicherung


Wirtschaft insgesamt stark krisengefährdet

Mit Blick auf die gesamtwirtschaftliche Einschätzung halten 69 Prozent der Führungskräfte und 72 Prozent der Beschäftigten die deutsche Wirtschaft insgesamt für stark krisengefährdet. Auch wenn diese Sorge im Vergleich zu 2024 zurückgegangen ist, bewegt sie sich auf hohem Niveau. „Diese Besorgnis sollte ernstgenommen werden, da sie sich auf die Investitions- und Wachstumspläne im Mittelstand auswirken kann“, sagte Jens Hasselbächer, Vorstand des Ressorts Kunden & Vertrieb der R+V Versicherung. Die Unternehmen reagieren auf die Situation: 2024 hatte ein gutes Fünftel der Führungskräfte (22 Prozent) gesagt, dass ihr Unternehmen bereits vorbeugende Maßnahmen ergriffen hat – mittlerweile sagt das jede dritte Führungskraft.

Mitarbeiterbindung als wichtigstes Handlungsfeld

87 Prozent der Führungskräfte halten die Motivation und Bindung ihrer Beschäftigten für einen der wichtigsten Schlüssel zu mehr Resilienz. Kein anderes Thema hat einen höheren Stellenwert. Der Studie zufolge sind dennoch nur 60 Prozent der Firmenlenker bei der Mitarbeiterbindung bereits stark oder sehr stark aktiv geworden. Bei kleineren Firmen mit 10 bis 29 Beschäftigten sind es 47 Prozent. Dabei haben die meisten Führungskräfte mögliche Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung im Blick. 78 Prozent halten höhere Arbeitgeberzuschüsse zur Absicherung im Alter für einen Weg, um Beschäftigte zu binden, es folgen der Ausbau der betrieblichen Gesundheitsvorsorge und ein flexibles Lebensarbeitszeitkonto mit jeweils 74 Prozent sowie die Stärkung der betrieblichen Invaliditätsvorsorge (61 Prozent).


"Das Thema KI ist für viele mittelständische Firmen zentral, um wettbewerbsfähig und effizient zu bleiben"

Jens Hasselbächer, Vorstand des Ressorts Kunden & Vertrieb der R+V Versicherung


Digitalisierung und IT-Sicherheit

Als bedrohlich empfinden viele Führungskräfte die zunehmende Wirtschafts- und Cyberkriminalität, sie sehen hier ein wichtiges Handlungsfeld für ihr Unternehmen (82 Prozent). Die künstliche Intelligenz spielt auf den Chefetagen dagegen eine geringere Rolle (65 Prozent), das gilt auch für Nachhaltigkeit und Klimaschutz (59 Prozent). Die Beschäftigten setzen ähnliche Schwerpunkte, sehen jedoch fast durchweg einen noch größeren Handlungsbedarf seitens ihres Arbeitgebers – mit einer Ausnahme: Sie halten die Bedeutung der KI für geringer als die Führungskräfte. „Das Thema KI ist für viele mittelständische Firmen zentral, um wettbewerbsfähig und effizient zu bleiben“, betont hingegen Jens Hasselbächer von der R+V.

Größere Offenheit für Hilfe von außen

Mittlerweile glauben 71 Prozent der befragten Führungskräfte, dass ihr Unternehmen Unterstützung von außen braucht. Das sind laut der Studie deutlich mehr als noch vor zwei Jahren (58 Prozent). Den größten Bedarf an externer Hilfe sehen sie bei der sicheren Nutzung der digitalen Möglichkeiten: Auf den Themenfeldern künstliche Intelligenz, IT-Sicherheit, Cyberkriminalität und digitale Transformation möchten jeweils über 60 Prozent auf Unterstützung von außen zurückgreifen.


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