Mehrere Bundesländer haben wegen des Niedrigwassers auf deutschen Flüssen bereits das Sonntagsfahrverbot für Lastwagen ausgesetzt, um Transporte zumindest teilweise auf die Straße zu verlagern. Auch die Deutsche Bahn bietet angesichts des Niedrigwassers ihre Unterstützung in Form von zusätzlichen Gütertransporten über die Schiene an.
DB Cargo könnte 400 Güterwagen mobilisieren
Die Tochter DB Cargo könne ad hoc rund 400 Güterwagen zusätzlich mobilisieren, sagte Vorstandschef Bernhard Osburg der „Deutschen Presse-Agentur“. In weiteren Schritten könnten in den nächsten Monaten bis zu 500 weitere Güterwagen für ein langfristiges Vorhaltekonzept gegen Niedrigwasser bereitgestellt werden. Dessen Finanzierung wäre zu klären, so Osburg, der sagte, die DB Cargo könnte damit kurzfristig bis zu 100 Binnenschiffe ersetzen, langfristig mit einem Vorhaltekonzept rund 200 Schiffe. Laut Osburg könnte „ein einziger Güterzug aufgrund höherer Umlaufgeschwindigkeit bis zu zehn Binnenschiffe ersetzen“.
Sonderkoordinator Niedrigwasser
Auf dem deutschen Netz der Bahn-Gesellschaft DB InfraGo seien täglich rund 4500 Güterzüge unterwegs, mehr als 220 Eisenbahnunternehmen nutzten das Netz. Bei der DB InfraGo gebe es einen Sonderkoordinator Niedrigwasser, der besonders auf Nord-Süd-Verkehre entlang von Rhein und Elbe blicke und sie steuere. Güterverkehre würden derzeit auch über Umleitungen ermöglicht, so die Deutsche Bahn.
Bilger befürwortet einen Ausbau der Wasserstraßen
Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) wirbt angesichts des Niedrigwassers in Flüssen auch für einen weiteren Ausbau von Wasserstraßen. „Wenn wir wollen, dass Güter verlagert werden von der Straße auf die Wasserstraße, dann muss Vertrauen in die Binnenschifffahrt bestehen“, sagte Bilger im „Frühstart“ von „RTL/N-TV“. „Deswegen können wir es uns nicht erlauben, regelmäßig mit so gravierenden Niedrigwasserproblemen konfrontiert zu sein.“ Zur Klimaanpassung gehöre an einigen Stellen ein Ausbau der Wasserstraße dazu. Auf einen ökologischen Ausgleich werde man sehr achten, versicherte Bilger.
Schneider will eine Renaturierung der Flüsse
„Eine reine Vertiefung von Flüssen kann keine Antwort sein, sondern es braucht einen stärkeren Umbau unserer Flüsse oder wieder Rückbau – weg von Kanälen hin zu natürlichen Flüssen mit mäandernden Flussarmen, mit Flussauenlandschaften, die das Wasser in der Fläche halten“, sagte hingegen Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) bei einem Treffen im Bundesverkehrsministerium. Er sei sich mit Bilger einig, dass es auch um Fragen des Wasserhaushalts und der Flussrenaturierung gehen müsse. „Wir sind von einem wasserreichen Land auf dem Weg in ein Land, das mit Wasser als kostbarem Gut sparsamer umgehen muss“, so Schneider.