Zahlungsziele zwischen Unternehmen werden länger
Unternehmen in Deutschland räumen ihren Geschäftskunden zunehmend längere Zahlungsfristen ein. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung der Wirtschaftsauskunftei Creditreform, für die rund vier Millionen Rechnungen ausgewertet wurden.
Demnach hatten Kunden im ersten Halbjahr 2026 im Durchschnitt gut 32 Tage Zeit, ihre Rechnungen zu begleichen. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum verlängerte sich das Zahlungsziel um knapp einen Tag. Im Vergleich zu 2023 beträgt der Anstieg sogar mehr als zwei Tage.
Wirtschaftliche Belastungen verändern Zahlungsbedingungen
Nach Einschätzung von Creditreform reagieren Lieferanten mit längeren Zahlungsfristen auf die angespannte Lage vieler Unternehmen. Besonders gestiegene Material- und Kraftstoffpreise hätten zuletzt die Kostenbasis zahlreicher Betriebe belastet.
Die Folge: Lieferanten kommen ihren Kunden häufiger entgegen, um Geschäftsbeziehungen zu stabilisieren und kurzfristige Liquiditätsengpässe abzufedern.
Große Unternehmen profitieren stärker
Von den längeren Zahlungszielen profitieren allerdings nicht alle Unternehmen gleichermaßen. Vor allem größere und bonitätsstarke Firmen können offenbar längere Fristen durchsetzen.
Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten erhielten im Schnitt ein Zahlungsziel von mehr als 35 Tagen. Kleinere Unternehmen mit bis zu 50 Beschäftigten mussten ihre Rechnungen dagegen deutlich früher begleichen.
Das zeigt: Die Verhandlungsposition in der Lieferkette wirkt sich unmittelbar auf die Zahlungsbedingungen aus.
Logistikbranche mit längeren Zahlungsfristen
Besonders verlängert wurden die Zahlungsziele zuletzt unter anderem im Einzelhandel, im Konsumgüterbereich und in der Logistikbranche.
Für Transport- und Logistikunternehmen ist diese Entwicklung ambivalent: Einerseits können längere Zahlungsziele Kunden entlasten und Geschäftsbeziehungen stabilisieren. Andererseits verschiebt sich dadurch der Zahlungseingang nach hinten, was die Liquidität von Dienstleistern belasten kann.
Gerade bei hohen laufenden Kosten für Diesel, Personal, Fahrzeuge und Maut kann dies zu zusätzlichem finanziellen Druck führen.
Chemie bleibt Spitzenreiter bei Zahlungszielen
Eine Ausnahme bildet die Chemie- und Kunststoffbranche. Dort wurden die traditionell langen Zahlungsziele zuletzt leicht verkürzt.
Dennoch bleibt die Branche mit durchschnittlich mehr als 40 Tagen weiterhin an der Spitze. Kunden in diesem Bereich erhalten damit nach wie vor besonders lange Fristen zur Begleichung ihrer Rechnungen.
Liquidität wird zum Wettbewerbsfaktor
Die Entwicklung zeigt, dass Zahlungsziele in angespannten Märkten zunehmend als Steuerungsinstrument genutzt werden. Unternehmen versuchen, mit längeren Fristen Kunden zu entlasten und Geschäftsbeziehungen zu sichern.
Gleichzeitig steigt dadurch das Risiko, dass Kapital länger gebunden bleibt. Besonders kleinere Betriebe können dadurch unter Druck geraten, wenn sie selbst schneller zahlen müssen, aber später bezahlt werden.