Anfang der 200er Jahre zählte die Unternehmensgruppe Willi Betz zu den größten Speditionen weltweit. Am 2. April 2026 hat die Betz International GmbH, operative Tochtergesellschaft der Willi Betz Unternehmensgruppe, beim Amtsgericht Tübingen Insolvenzantrag gestellt. Das hat ein Mitarbeiter des Unternehmens mittlerweile gegenüber der VerkehrsRundschau bestätigt.
Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Dirk Poff von der Kanzlei Walter Riegger & Partner aus Tübingen ernannt. Bislang war Poff für Stellungsnahmen nicht erreichbar.
140 Mitarbeiter von der Insolvenz betroffen
Die Betz International GmbH setzt Medienberichten zufolge 72 Fahrzeuge innerdeutsch ein und beschäftigt hierzulande insgesamt 140 Mitarbeiter an drei Standorten. Die Löhne und Gehälter der 140 Mitarbeiter sind für drei Monate über das Insolvenzgeld abgesichert.
Das Geschäftsmodell der Betz International GmbH umfasst den Bereich Dedicated Fleet, dem Bereich General Cargo, Spezialverkehre (Silo, Kipper, Schubboden) sowie Fahrzeugvermietung. Im Jahr 2023 soll der Jahresumsatz laut Medienberichten bei etwas über 59 Millionen Euro gelegen haben. Aktuellere Zahlen liegen bislang nicht vor.
Mutmaßliche Gründe für die Schieflage
Über die Gründe der Insolvenz der Betz International GmbH gibt es deshalb bislang nur Mutmaßungen. Branchenkennern zufolge haben wohl mehrere Gründe zur finanziellen Schieflage des Unternehmens geführt: Einerseits die ohnehin schwache deutsche Wirtschaft mit entsprechendem Druck der Auftraggeber auf Transport- und Speditionsbetriebe. Dazu kommen die seit Jahren anhaltend hohen Kostenbelastungen im Transport- und Logistikgewerbe, insbesondere im Personalbereich sowie die zuletzt massiv gestiegenen Dieselpreise in Folge des Iran-Kriegs.
Unternehmensgruppe Willi Betz nicht von Insolvenz betroffen
Nicht von der Insolvenz betroffen ist indes die Unternehmensgruppe Willi Betz. „Dieser Bereich läuft regulär weiter“, betont Rainer Bisinger, Geschäftsführer der Betz Holding GmbH & Co. KG. Mehr dazu unten.
Der Weg der Willi Betz Unternehmensgruppe
Willi Betz hatte 1945 im Alter von 17 Jahren die Unternehmensgruppe Willi Betz mit Sitz in Reutlingen gegründet. Unter seiner Ägide ist das Unternehmen rasant gewachsen, auch aufgrund seiner engen Kontakte mit der seinerzeit staatlichen Spedition SOMAT in Bulgarien, die Willi Betz in den 1990er Jahren übernahm. Danach baute er die Unternehmensgruppe Willi Betz zu einem der größten Transport- und Speditionsunternehmen in Südosteuropa sowie im Nahen und Mittleren Osten aus. Mitte der 2000er Jahre stand die Spedition Willi Betz im Fokus umfangreicher Ermittlungen wegen Korruption, Bestechung und Steuerhinterziehung.
Verkauf der Kontraktlogistik-Aktivitäten
Anfang 2012 verkaufte die Willi Betz Unternehmensgruppe ihre Kontraktlogistik-Tochter LGI Logistics Group International an die Finanzinvestoren Kajo Neukirchen und M Cap Finance Mittelstandsfonds. 2016 übernahm die schwedische Elanders Group das Unternehmen LGI Logistics Group International.
Unternehmensgruppe Willi Betz heute
Aktuell umfasst die Unternehmensgruppe Willi Betz nach Angaben von Geschäftsführer Rainer Bisinger 740 Mitarbeiter an 14 Standorten in Deutschland, Österreich, Ungarn Polen, Nordmazedonien und Bulgarien. Geschäftsfelder sind unter anderem Spedition, Transport, Logistik sowie unter anderem Fahrzeugtransporte, Handel und Immobilien. Umsatzzahlen nennt Bisinger nicht. Nur so viel: „Die Auftragslage ist zufriedenstellend.“ Aber natürlich spüre auch die Unternehmensgruppe Willi Betz die momentane konjunkturelle Schwäche und den Wettbewerb. „Die Unternehmensgruppe Willi Betz ist aber breit aufgestellt“, betont Bisinger gegenüber der VerkehrsRundschau, „und bietet ein Service-Spektrum, das weiter über reine Frachtführer-Leistungen hinausgeht, etwa im Bereich Fahrzeuglogistik, Handel und Immobilien.“ So gesehen blicke er zuversichtlich nach vorne.