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TÜV: "CO2-Simulationstool Vecto ist einsatzbereit"

TÜV: "CO2-Simulationstool Vecto ist einsatzbereit"
Leif-Erik Schulte, Leiter Technischer Dienst am Institut für Fahrzeugtechnik und Mobilität TÜV Nord, ist mit dem Projekt Vecto eng vertraut
© Foto: TÜV Nord

Der Simulationssoftware Vecto soll der EU-Kommission die bislang fehlende Datengrundlage zu CO2-Emissionen bei schweren Lkw liefern. Leif-Erik Schulte von TÜV Nord zum Stand des Projekts.

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VR: Was will die EU-Kommission mit dem Vehicle Energy Consumption Calculation Tool (Vecto) eigentlich erreichen?
Leif-Erik Schulte: Das Simulationstool Vecto ist nur ein Mosaikstein in einem aufwendigen Verfahren, in dem es um die Bestimmung der CO2-Emissionen von Nutzfahrzeugen, das Reporting und das Monitoring geht. Die EU-Kommission will mit dem Verfahren zunächst einmal eine belastbare Datenbasis zu den CO2-Emissionen bei Nutzfahrzeugen schaffen – europaweit und für alle Hersteller. In einem zweiten Schritt könnte Brüssel bei Bedarf weitere Maßnahmen ableiten.

Wie funktioniert das Simulationsprogramm Vecto?
Am Fahrzeug haben wir sechs Komponenten, die den Verbrauch beeinflussen: den Motor, den Rollwiderstand der Reifen, das Fahrzeug selbst mit seinem Luftwiderstand, das Getriebe, die Achsen und schließlich die Nebenaggregate. Bis auf die Nebenaggregate, wo wir mit standardisierten Werten arbeiten, werden die Werte aller genannten Komponenten messtechnisch ermittelt. Beispielsweise messen wir den Motor auf dem Motorenprüfstand, um das Verbrauchskennfeld darzustellen. Diese Messwerte werden zusammen mit den Maßen und Gewichten des Lkw, dem zugehörigen Fahrprofil und einem Fahrermodell im Programm verarbeitet.

Wie weit ist Vecto?
Die Software ist grundsätzlich einsatzbereit. Es kann für beliebig konfigurierte Nutzfahrzeuge und definierte Einsatzbereiche die CO2-Emissionen berechnen. Derzeit stützt sich das Programm allerdings noch auf standardisierte Anhänger und Auflieger. Das heißt, für alle Hersteller geht ein vordefinierter Anhängertyp mit in die Simulation ein. Außerdem ist das Programm noch auf Verbrennungsmotoren beschränkt. Demnächst startet die Pilotphase mit Herstellern, Zulieferern, Genehmigungsbehörden und Prüforganisationen beziehungsweise technischen Diensten, um das gesamte Verfahren einmal durchzuspielen.

Wie hat man sich den Prozess in der Praxis vorzustellen?
Derzeit ist geplant, dass beim Hersteller, sobald am Ende des Bandes die Konfiguration des Fahrzeugs feststeht, Vecto mit den entsprechenden Daten gefüttert wird. Die Software würde dann für diese Konfiguration mit definierter Identifikationsnummer den individuellen CO2-Wert ausspucken.

Welche Information erhält dann der Kunde beim Kauf des Fahrzeugs? Ist an ein Label für Lkw gedacht?
Über ein entsprechendes Labeling wird gesprochen, es sind mir aber bislang keine offiziellen Verlautbarungen der EU-Kommission bekannt. Zunächst werden die für jedes Fahrzeug ermittelten CO2-Werte im Fahrzeug erkenntlich gemacht. Sie sollen Teil der europäischen Zulassungsbescheinigung (Certificate of Conformity) werden.

Wann wird die Kommission das Verfahren in einer Verordnung festlegen?
Das Gesetzgebungsverfahren ist zweigeteilt. Die Kommission will nach derzeitigem Stand für den technischen Teil der Verordnung, der sich mit der Bestimmung der CO2-Werte befasst, einen ersten Entwurf Mitte nächsten Jahres vorstellen. Etwas länger wird es mit jenem Teil der Verordnung dauern, der sich mit dem Reporting und Monitoring beschäftigt. Hier ist die Mitsprache von Parlament und Europäischem Rat notwendig.

Das Interview führte VR-Redakteur Dietmar Winkler

Ein ausführlicher Beitrag zu den Strategien der EU-Kommission, die Treibhausgas-Emissionen bei Lkw zu senken, ist in Ausgabe 25 der VerkehrsRundschau erschienen. Premium- und Online-Abonnenten können den Beitrag gleich online als E-Paper lesen.

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