Im Tanklager des Unternehmens Exolum Mannheim ist eine Pilotanlage gestartet, die strombasierte oder biogene Kraftstoffanteile – so genannte ReFuels – flexibel mit fossilen Kraftstoffanteilen mischt. Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) begleitet den Aufbau der Anlage wissenschaftlich. Die Anlage dokumentiert zudem die Treibhausgas-Einsparungen digital für jede Lieferung – und kann sie auf dem Tankbeleg sichtbar machen.
Treibhausgas-Einsparung wird automatisch ermittelt
Das funktioniert folgendermaßen: Die Pilotanlage ist mit Messtechnik ausgestattet und an drei Lagertanks mit den jeweiligen drei verschiedenen Kraftstoffarten angeschlossen. Über die Sensoren ist es möglich, dass jede Mischung genau nach den festgelegten Anteilen zusammengestellt wird.
Im nächsten Schritt kommt eine Software zum Einsatz. Sie berechnet für jede Lieferung die eingesparte Menge an Treibhausgasen gegenüber einer rein fossilen Abfüllung. Diese Daten werden in offiziellen Nachweisen dokumentiert. Die Bilanzierung der CO₂-Reduktion ermöglicht Unternehmen Verbesserungen ihrer Klimabilanz zu belegen und gesetzliche Anforderungen zu erfüllen, so das KIT.
Tankwagen können in Mannheim diese Kraftstoffmischungen laden. Sie enthalten nicht nur Bioethanol, wie bei den bekannten Kraftstoffqualitäten E10 oder E5 üblich, sondern auch andere erneuerbare Komponenten wie strombasierte oder erneuerbare Kraftstoffe.
ReFuels als Alternative für Binnenschiffe und Schwerlastverkehr
„Auf dem Weg zu mehr Klimaschutz sind strombasierte und biogene Kraftstoffe Bausteine – vor allem dort, wo Elektromobilität gar nicht oder nur bedingt greift. Das gilt etwa für Schiffe, Flugzeuge und den Schwerlastverkehr“, sagt Verkehrsstaatssekretärin Elke Zimmer am 15. Januar anlässlich ihres Besuchs in der Mannheimer Pilotanlage.
„Hier können regional produzierte Kraftstoffe beigemischt werden. Das fördert den Einsatz und Hochlauf der Produktion und damit die Versorgungssicherheit im Kraftstoffbereich", wie die Ministerin hervorhebt. „Mit diesem Projekt wollen wir den Einsatz von klimafreundlicherem Benzin bei den Seehäfen am Bodensee und der Landespolizei ermöglichen, oder auch von nachhaltigeren Flugkraftstoffen an den Landesflughäfen.“
„Mit der neuen Inline-Blend-Anlage können wir nun erstmals nach Bedarf abgestimmte Mengen von fossilen und erneuerbaren Kraftstoffen mischen und die Klimawirkung sofort transparent dokumentieren. Das ist ein entscheidender Schritt für den Hochlauf von ReFuels“, äußerte sich auch Professor Thomas Hirth, Vizepräsident Transfer und Internationales des KIT.
Energiedichte Regenerativer Kraftstoffe
Regenerativ hergestellte Kraftstoffe haben die gleiche Energiedichte wie fossile Kraftstoffe. Sie gelten laut KIT als vielversprechender Weg hin zu einer CO₂-neutralen Mobilität. Produziert werden sie aus Reststoffen der Land- und Forstwirtschaft, aus Industrie- und Haushaltsabfällen sowie aus CO₂ und nachhaltig erzeugtem Wasserstoff.
Das Projekt BlendBilanz4Mobility ist Teil der Landesstrategie Roadmap reFuels, wie das KIT weiter mitteilt. Es wird mit rund 325.000 Euro vom Landesverkehrsministerium Baden-Württemberg unterstützt.