Knorr-Bremse bringt Bremssysteme für autonome Lkw

15.07.2026 10:02 Uhr | Lesezeit: 3 min
Automatisierte Lkw: Knorr-Bremse plant Serienstart
Automatisierte Lkw: Knorr-Bremse plant Serienstart
© Foto: Knorr-Bremse

Knorr-Bremse will 2027 ein redundantes Bremssystem für Level-4-Lkw in Serie bringen. Die Technologie gilt als Schlüssel für autonomes Fahren.

Das hochautomatisierte Fahren im Nutzfahrzeugbereich rückt näher an den Praxiseinsatz heran. Knorr-Bremse plant, ab 2027 ein redundantes Bremssystem für hochautomatisierte Nutzfahrzeuge in Serie zu bringen. Die Technologie soll eine zentrale Voraussetzung für Fahrzeuge der Automatisierungsstufe SAE Level 4 schaffen, bei denen bestimmte Fahraufgaben ohne Eingriff des Fahrers übernommen werden können.

Der Zulieferer arbeitet dabei gemeinsam mit Fahrzeugherstellern an entsprechenden Fahrzeugarchitekturen.

Redundanz wird zur Schlüsseltechnologie

Mit zunehmender Automatisierung verlagern sich sicherheitsrelevante Aufgaben vom Fahrer auf das Fahrzeug. Entsprechend gewinnen ausfallsichere Systeme für Bremsen und Lenkung an Bedeutung.

Knorr-Bremse setzt dabei auf redundante Komponenten und Steuerungssysteme, die im Falle eines Fehlers weiterhin eine sichere Fahrzeugführung ermöglichen sollen. Ziel ist es, Fahrfunktionen auch bei einzelnen Ausfällen kontrolliert aufrechtzuerhalten.

Neue Bremsarchitektur für hochautomatisierte Fahrzeuge

Grundlage des neuen Systems ist die Bremssteuerungsplattform Global Scalable Brake Control (GSBC). Aufbauend darauf entwickelte Knorr-Bremse eine redundante Variante, die über einen zweiten unabhängigen Funktionspfad verfügt.

Im Störungsfall soll das System weiterhin:

  • Fahrzeugverzögerung ermöglichen,
  • ABS-Funktionen aufrechterhalten,
  • Fahrstabilität sichern,
  • und definierte Sicherheitsstrategien unterstützen.

Dadurch könnten hochautomatisierte Nutzfahrzeuge auch in kritischen Situationen kontrolliert reagieren.

Lenkung ebenfalls mehrfach abgesichert

Neben Bremssystemen entwickelt das Unternehmen auch redundante Lenksysteme für automatisierte Nutzfahrzeuge.

Zum Portfolio gehören:

  • elektrische Lenksysteme,
  • redundante elektrische Lenkungen,
  • sowie elektrohydraulische Lösungen.

Durch mehrere unabhängige Sicherheitsebenen soll die Kontrolle über das Fahrzeug selbst bei kritischen Systemfehlern erhalten bleiben.


Erste Einsatzfelder im Güterverkehr

Nach Einschätzung des Unternehmens könnten erste Level-4-Anwendungen insbesondere im sogenannten Hub-to-Hub-Verkehr entstehen. Dabei bewegen sich Fahrzeuge auf klar definierten Relationen zwischen Logistikstandorten.

In solchen Einsatzumgebungen gelten hochautomatisierte Fahrzeuge als besonders geeignet, da Strecken und Prozesse vergleichsweise standardisiert ablaufen.



Software und X-by-Wire gewinnen an Bedeutung

Parallel entwickeln sich die Fahrzeugarchitekturen weiter. Mechanische Funktionen werden zunehmend durch elektronische Steuerungssysteme ersetzt.

Trends sind unter anderem:

  • X-by-Wire-Konzepte,
  • softwaredefinierte Fahrzeuge,
  • zentrale Steuerungseinheiten,
  • sowie kontinuierliche Software-Updates.

Diese Entwicklungen gelten als wichtige Grundlage für die nächste Generation automatisierter Nutzfahrzeuge.

Fahrerassistenzsysteme bleiben wichtiger Baustein

Neben der Automatisierung investiert Knorr-Bremse weiterhin in moderne Fahrerassistenzsysteme (ADAS). Dazu gehören unter anderem:

  • Notbremsassistenten,
  • Fußgängererkennung,
  • Spurhaltefunktionen,
  • Totwinkelüberwachung,
  • sowie Anfahrwarnsysteme.

Die Systeme sollen Unfälle vermeiden und Fahrzeughersteller bei der Erfüllung regulatorischer Anforderungen unterstützen.


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