Hohe Kraftstoffpreise: Debatte über Spritpreisdeckel

14.09.2026 10:53 Uhr | Lesezeit: 3 min
Tankstellenpreise vor bewölktem Himmel
Die Preise an den Tankstellen steigen erneut. Während geopolitische Risiken den Ölmarkt belasten, wächst in Deutschland die Debatte über einen staatlichen Spritpreisdeckel
©Foto: Deborah Baran/VerkehrsRundschau

Diesel und Benzin verteuern sich weiter. Während Teile der SPD nach Entlastungen für Verbraucher rufen, warnen Ökonomen vor neuen Staatseingriffen.

Die Spritpreise in Deutschland bleiben auf hohem Niveau. Ursache sind steigende Ölpreise und neue Unsicherheiten im Nahen Osten. Vor diesem Hintergrund fordert die SPD staatliche Maßnahmen zur Begrenzung der Kraftstoffpreise.

Die anhaltende Unsicherheit in Nahost hat die Preise an den Tankstellen am Wochenende weiter nach oben getrieben. Am Samstag kostete Diesel nach Daten des Spritpreisportals „Tankerkönig“ im bundesweiten Durchschnitt knapp 2,40 Euro den Liter. Regional und zu bestimmten Zeiten lagen die Preise noch deutlich darüber. Damit liegt der Dieselpreis knapp unter dem Rekordhoch aus diesem April.

Ölpreis steigt: Pipeline-Ausfall in Saudi-Arabien verschärft Lage

Hintergrund für einen besonders kräftigen Preissprung am Samstag um 12 Uhr waren Meldungen, wonach Saudi-Arabien nach der iranischen Blockade der Straße von Hormus und der zunehmenden Bedrohung der Meerenge Bab al-Mandab durch die Huthi-Miliz im Jemen auch noch eine wichtige Pipeline abschalten muss.

Die Ost-West-Pipeline, die große Mengen Öl vom Persischen Golf zum Roten Meer bringen kann, wurde nach Angriffen auf die Leitung in den Regionen Riad und Medina vorsorglich stillgelegt. Eine zusätzliche Reduzierung saudischer Exporte könnte den Ölpreis weiter ansteigen lassen.

Der Vormarsch der Huthi und die Schäden an der Pipeline könnten den Ölpreis in Richtung 120 US-Dollar pro Barrel treiben, sagte der Analyst Hamad Hussain von der Beratungsfirma Capital Economics dem „Wall Street Journal“. Letztlich hänge das auch vom Ausmaß der Schäden an der Pipeline ab.

Manche Analysten halten bei einem längeren Andauern des Konflikts auch einen noch höheren Ölpreis für möglich. Noch liegt er aber ein gutes Stück unter dem Jahreshoch von rund 126 Dollar, das Ende April erreicht wurde.

Am Sonntag gab es etwas Entspannung beim Spritpreis, wohl auch, weil geplante Gespräche im Oman in den Blickpunkt rückten. Der Iran und Staaten am Persischen Golf wollen am Montag über die umkämpfte Straße von Hormus sprechen. Teilnehmen sollen die Außenminister aus dem Iran, Irak, Oman, Kuwait, Bahrain, Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien.

Die Entwicklung an den Energiemärkten bleibt damit ein wichtiger Kostentreiber. Entsprechend wächst in Deutschland die Debatte über mögliche Entlastungen für Verbraucher.

SPD fordert Spritpreisdeckel als Entlastung für Verbraucher

Die hohen Spritpreise müssen aus Sicht von Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke schnell begrenzt werden. „Wir brauchen dringend einen Spritpreisdeckel“, sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. „Es kann nicht sein, dass die Mineralölkonzerne Extraprofite einstreichen.“ Er betonte: „Niemand darf sich an der Not anderer bereichern. Gerechtigkeit muss auch an der Tankstelle herrschen.“

Der Regierungschef verweist auf eine Entlastung der Verbraucher in anderen Staaten. „Unsere Nachbarn machen uns seit langem vor, wie die Bevölkerung an der Zapfsäule entlastet werden kann. In Luxemburg, Polen, Belgien oder auch in Tschechien werden die Höchstpreise regelmäßig flexibel an die Marktlage angepasst“, sagte Woidke. „Das verspricht sinkende Kraftstoffpreise für alle Verbraucher und gibt Planungssicherheit.“

Bundesregierung lehnt neuen Tankrabatt ab

Von Anfang Mai bis Ende Juni galt ein Tankrabatt in Höhe von 16,7 Cent pro Liter, der den Bund nach einer Schätzung des Finanzministeriums rund 1,6 Milliarden Euro kostete. Eine Neuauflage hat die Bundesregierung abgelehnt. Die deutschen Staatsfinanzen sind wegen des schuldenfinanzierten Investitionspakets in den roten Zahlen.

Immer mehr SPD-Politiker fordern Begrenzung der Spritpreise

Trotz der 12-Uhr-Regel für Preiserhöhungen an den Tankstellen gehen die Spritpreise immer weiter nach oben. Woidke ist mit seiner Forderung innerhalb der SPD nicht allein. In der Partei gibt es immer mehr Stimmen, die auf eine Begrenzung dringen.

Brandenburgs Verkehrsminister Robert Crumbach (SPD) hatte vorgeschlagen, den Preissprung am Mittag gesetzlich auf höchstens fünf Prozent zu begrenzen. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) lehnt bisher eine Deckelung des Spritpreises ab.

Warum Diesel und Benzin aktuell teurer werden

Auslöser der politischen Diskussion sind die anhaltend hohen Kraftstoffpreise. Diese werden derzeit von mehreren Faktoren beeinflusst. Der Iran-Krieg hat die Spritpreise seit Monaten nach oben getrieben. Sie waren angesichts höherer Ölpreise in den vergangenen Tagen erneut gestiegen. In den vergangenen zwei Wochen haben sich die Kämpfe im gesamten Nahen Osten verschärft. Brent-Rohöl liegt seit Jahresbeginn fast 80 Prozent im Plus.

Öltransport wird teurer: Folgen für Kraftstoffpreise

Zum Anstieg der Kraftstoffpreise trägt jedoch nicht nur der Konflikt im Nahen Osten bei. Auch die Preise für europäisches Erdgas und die Frachtraten für Öltanker sind stark gestiegen. Raffinerieprodukte wie Diesel verteuerten sich noch stärker, verstärkt durch die Folgen des Kriegs zwischen Russland und der Ukraine.

Auch das Niedrigwasser am Rhein machte sich zuletzt in den Preisen bemerkbar, da es die Transportkosten erhöhte.

Ökonomen warnen vor weiter steigenden Verbraucherpreisen

Die Auswirkungen der Entwicklung reichen über die Tankstellenpreise hinaus. Die Militäroffensive der mit dem Iran verbündeten Huthi-Miliz im Jemen wird nach Einschätzung der Wirtschaftsweisen Monika Schnitzer zu weiter steigenden Verbraucherpreisen in Deutschland führen.

Anders als erhofft entspanne sich die Lage nicht, ganz im Gegenteil, sagte Schnitzer dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Das wird sich auch bei den Preisen an der Tankstelle und den Verbraucherpreisen insgesamt bemerkbar machen und uns alle belasten.“

Wirtschaftsweise setzt auf weniger Abhängigkeit von Öl statt Preisdeckel

Bei der Frage nach möglichen Gegenmaßnahmen gehen die Meinungen allerdings auseinander. So warnte die Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung davor, mit staatlichen Entlastungen auf die Verschärfung der Lage am Golf zu reagieren.

Die beste Antwort sei nicht, nach neuen Hilfen durch den Staat zu rufen, sondern nach mehr Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen, sagte Schnitzer. Dazu könne jeder einzelne beim nächsten Auto- oder Heizungskauf seinen Teil beitragen.

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