Bodenabfertigung

Bodenabfertiger in Frankfurt/Main beim Entladen von Gepäck

©Fraport

Neue Kritik an EU-Plänen für Flughafendienste

Vor allem deutsche Abgeordnete bezweifeln, dass die Servicequalität durch mehr Bodendienstleister tatsächlich verbessert werden könnte

Brüssel. Abgeordnete des Europaparlaments üben weiter Kritik an den Plänen der EU-Kommission, die Zahl der Anbieter von Bodenverkehrsdiensten an größeren Flughäfen künftige von mindestens zwei auf drei zu erhöhen. Während einer Anhörung zu dem Thema im Verkehrsausschuss des Parlaments stellten vor allem deutsche und österreichische Abgeordnete in Frage, ob durch mehr Anbieter tatsächlich mehr Qualität, Sicherheit und schnellere Abfertigungszeiten bei den Diensten erreicht werden könnten. Mit diesen Zielen hatte die EU-Kommission am 1. Dezember 2011 die neue Regelung als Verordnung vorgeschlagen.

Die FDP-Abgeordnete Gesine Meißner wollte während des Austausches wissen, ob es konkrete Beispiele dafür gebe, dass mehr Dienstleister tatsächlich zu besseren Leistungen führen. Ein Vertreter der EU-Kommission musste zugeben, dass die Behörde dazu keine Daten liefern könnte. Der SPD-Politiker Knut Fleckenstein warnte vor den sozialen Folgen, die eine erneute Marktöffnung bei den Bodenverkehrsdiensten bringen werde. „Wir sehen doch, was für negative Effekte die erste Marktöffnung von 1996 für die Beschäftigten bedeutet hat, ohne dass sich die Qualität der Dienstleistungen verbessert hat“, sagte er.

Studie geht von Verschlechterung der Qualität aus

Gestützt werden diese kritischen Haltungen durch eine Studie, die von dem in Erlangen ansässigen Unternehmensberatungsbüro Fokus:Zeit angefertigt worden war. Thomas Mann (CDU) aus dem Beschäftigungsausschuss des EU-Parlaments ließ sie vor der Anhörung in einer Pressekonferenz vorstellen. Die Marktöffnung werde genau das Gegenteil erreichen, was die Kommission plane: nämlich weniger Qualität, niedrigere Sicherheit und mehr Zeitverluste. Flughäfen würden nicht nach den üblichen Marktregeln von Angebot und Nachfrage funktionieren. Bodenverkehrsdienstleister müssten sehr flexibel ihr Personal einsetzen können, viele Leerzeiten ohne Beschäftigung überbrücken, aber zu Spitzenzeiten genügend Arbeitskräfte zur Verfügung haben. Das führe zu Beschäftigungsverhältnissen, die unattraktiv für Angestellte wären. Häufiger Wechsel beim Personal sei die Folge. Gerade für Markteinsteiger sei es im Grunde unmöglich, gut ausgebildete, stark motivierte und erfahrende Mitarbeiter kostendeckend einsetzen zu können. Die beabsichtigte Qualitätssteigerung bliebe zwangsläufig aus.

Die Verordnung werde nur das eigentliche Ziel der Fluglinien erreichen, nämlich noch preiswerter als heute Bodenverkehrsdienstleistungen einkaufen zu können. Auf den Gesamtpreis eines Fluges hätte das jedoch kaum Auswirkungen. Eine möglich entscheidende Abstimmung im Plenum des EU-Parlaments ist für Ende des Jahres vorgesehen. Auch die EU-Mitgliedsstaaten müssen den Plänen noch im EU-Rat zustimmen. Hier hatte Deutschland bereits Bedenken gegen die Pläne geäußert. (kw)

Drei Präsentationen der Unternehmensberatung Fokus:Zeit zur angefertigten Studie können unter dem Punkt Download weiter unten auf dieser Seite heruntergeladen werden. 

Weitere Berichte zu diesem Thema finden Sie in unserem Special BEHÖRDE – EU-KOMMISSION.


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Behörde – EU-Kommission

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