Am Wochenende stauten sich Lkw kilometerweit vor dem Fährhafen Dover

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EU schottet sich wegen Corona-Variante gegen Großbritannien ab

Mit Flugverboten und Grenzschließungen rüstet sich Europa gegen eine in Großbritannien entdeckte, hoch ansteckende Mutation des Virus. Auch der Güterverkehr ist betroffen.

Berlin. Mit Flugverboten und Grenzschließungen rüstet sich Europa gegen eine in Großbritannien entdeckte, hoch ansteckende Variante des Coronavirus. Deutschland stoppt Flüge aus Großbritannien weitgehend. Landungen aus dem Land sind seit Mitternacht untersagt. Das hatte das Bundesverkehrsministerium am Sonntag verfügt. Ausgenommen sind demnach reine Frachtflüge. Weitere Beschränkungen sollen folgen. Auch zahlreiche andere europäische Länder hatten am Sonntag Flugverbote oder Grenzschließungen zum Vereinigten Königreich verkündet.

Wegen der in Großbritannien und Südafrika entdeckten Coronavirus-Mutationen hat Nordrhein-Westfalen für diese beiden Länder seine Quarantäne-Verordnung wieder in Kraft gesetzt. Die Quarantänepflicht für Einreisende aus den beiden Ländern gilt rückwirkend ab dem 11. Dezember und bis zum 17. Januar 2021 – auch für Lkw-Fahrer, die sich dort aufgehalten haben. Das Oberverwaltungsgericht in Münster hatte die in der Corona-Einreiseverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen geregelte Quarantänepflicht für Auslandsrückkehrer aus Risikogebieten noch vor Kurzem gekippt.

Die Niederlande haben ihren coronabedingten Einreisestopp für Reisende aus Großbritannien auf Passagiere von Fähren ausgedehnt. Das bedeute, dass aus Großbritannien kommende Fähren mit Passagieren an Bord nicht mehr die Niederlande ansteuern könnten, berichtete die Nachrichtenagentur ANP in der Nacht zum Montag unter Berufung auf die Regierung. Die zunächst bis zum 1. Januar geltende Regelung betreffe aber nicht Fahrer von Lastwagen.

Auch Frankreich und Belgien haben alle Verkehrsverbindungen zu Großbritannien gekappt. Dies hat zur Folge, dass sich elf Tage vor der Brexit-Übergangsphase der sowieso schon langen Lkw-Staus vor dem britischen Hafen Dover und vor dem Eurotunnel am Wochenende noch weiter ausdehnten. Viele Häfen sind wegen des Weihnachtsgeschäfts und Lieferungen medizinischer Güter in der Corona-Pandemie ohnehin überlastet.

Hafen Dover vorübergehend geschlossen

Wie der „Spiegel“ berichtete, ordnete Frankreich am Sonntag ein Einreiseverbot für britische Reisende für alle Grenzübergänge auf dem Luft-, See-, Schienen- und Landweg an. Nur der unbegleitete Frachtverkehr sei genehmigt. Der britische Hafen Dover am Ärmelkanal sowie der Eurotunnel wurden vorübergehend geschlossen. Begleiteter Frachtverkehr als auch Passagiere würden gebeten, nicht mehr anzureisen, teilte der Hafen am Sonntagabend bei „Twitter“ mit. Nur unbegleiteter Frachtverkehr in Richtung Frankreich ist weiterhin möglich.

Diese Beschränkungen seien für mindestens 48 Stunden von Mitternacht an in Kraft. Der britische Premierminister Boris Johnson berief für diesen Montag laut Medienberichten ein Krisentreffen seiner Regierung ein. Ein „steter Fluss von Fracht“ aus und nach Großbritannien müsse sichergestellt werden, sagte er dem „Spiegel“ zufolge. Der britische Logistikverband UK Logistics teilte auf „Twitter“ mit, er sei besorgt über das Wohlergehen der Lkw-Fahrer. Auf der Küstenautobahn M20 in Kent wurde indes Phase 2 der Operations Stack zum Lkw-Parken eingeführt.

Die Virus-Mutation ist nach britischen Behördenangaben bis zu 70 Prozent ansteckender als die bisher bekannte Form und weitet sich vor allem in London und Südostengland rasant aus. Für die Region ordneten die Behörden einen Shutdown mit Ausgangs- und Reisesperren an. (dpa/ag)

Weitere Berichte zu diesem Thema finden Sie in unserem Special GROSSBRITANNIEN UND IRLAND.

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Großbritannien und Irland, Corona Epidemien & Seuchen


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