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HVO: Wie wird der Treibstoff hergestellt und was kostet er?

22.03.2024 14:00 Uhr | Lesezeit: 5 min
Kleine Gläschen mit Inhaltsstoffen für HVO
HVO können aus unterschiedlichen Ölen und Fetten hergestellt werden
© Foto: Neste

HVO kann in vielen Fahrzeugen als Ersatz für Diesel verwendet werden und bringt zeitgleich einige Vorteile, aber auch Bedenken mit sich. Das müssen Sie über den Treibstoff wissen:

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Was ist HVO überhaupt?

HVO steht für Hydrotreated Vegetable Oil und bezeichnet einen Dieselersatz auf Basis von Pflanzenölen und anderen Grundstoffen.

Wie werden HVO hergestellt?

Als Ausgangsprodukte für HVO können unter anderem Pflanzenöle und Fette verwendet werden. Zum Einsatz kommen je nach Hersteller Schlachtabfälle, Algen oder alte Küchenfette. Nach einer Reinigung werden die Produkte in einem komplizierten Verfahren, bei dem unter anderem Wasserstoff zum Einsatz kommt, in energiehaltige Treibstoffe umgewandelt, die per Definition zu den paraffinischen Kraftstoffen zählen.

Ist HVO umweltfreundlicher als fossiler Diesel?

Nachdem HVO auf Basis von tierischen- und pflanzlichen Ausgangsprodukten hergestellt wird, ergibt sich in der Grundbetrachtung eine höhere Nachhaltigkeit als bei fossilem Diesel, der zum Großteil aus Erdöl hergestellt wird. Der wissenschaftliche Dienst des Bundestages kam bei einer Untersuchung im Jahr 2020 zu dem Schluss, dass HVO (in diesem Fall von der Firma Neste aus Finnland) bis zu 50 Prozent weniger Partikelemissionen ausstößt als fossiler Diesel. Positiv wirkte sich in diesem Zuge die Aromatenfreiheit des Ersatztreibstoffes aus. Zudem wurde bei der Untersuchung ein Rückgang der CO2-Emissionen bei der Verbrennung von fünf Prozent festgestellt. Nachdem HVO aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden kann, kommen zudem nur die Emissionen zum Tragen, die bei der Herstellung (also Anpflanzung oder Aufzucht) und bei der logistischen Verbreitung der Produkte entstehen. In der Gesamtheit gehen die Hersteller je nach Ausgangsprodukt von einer CO2-Reduktion von bis zu 90 Prozent aus.

Kritik äußerten Umweltverbände, die vor allem auf die Nutzung von Palmöl und die damit verbundene Abholzung des Regenwaldes aufmerksam gemacht hatten. In Europa ist es seit Beginn des Jahres nicht mehr möglich, Treibstoffe auf Basis von Palmöl in der THG-Quote anzurechnen. So sollen diese Produkte für den Markt uninteressant gemacht werden. Zuletzt hatte es Berichte über die Einfuhr von umdeklarierten Biodiesel auf Palmölbasis gegeben, was Fragen hinsichtlich der Transparenz der Lieferkette aufgeworfen hat.

Unklar ist weiter, ob es durch die Verwendung von Pflanzenölen und Schlachtabfällen an anderen Stellen zu Mangelerscheinungen kommt. Würden beispielsweise Reststoffe aus der Tierverwertung normalerweise in Kraftwerken verbrannt werden, müssten dort andere Produkte – möglicherweise aus fossilem Ursprung ­– zum Einsatz kommen.

Generell gilt, dass HVO mit tierischem Ursprung oder aus Küchenabfällen in der Regel eine höhere CO2-Ersparnis aufweisen als Treibstoff, der zum Beispiel aus Abfallstoffen der Palmölindustrie gewonnen wird.


Unterschied Biodiesel und HVO

Immer wieder wird HVO als Biodiesel oder E-Fuel bezeichnet. Beide Begriffe sind allerdings nicht korrekt. Für Biodiesel wird Pflanzenöl in einem Prozess namens Ummesterung in Fettsäuremethylester (FAME) umgewandelt. E-Fuels sind Kraftstoffe, die mit Hilfe von regernativem Strom und Wasser hergestellt werden. Der Herstellungsprozess von HVO sieht die Hydrierung – also das Versetzen mit Wasserstoff – eines gereinigten Ausgangsstoffes (Fette, Öle) vor.



Welche Fahrzeuge können HVO tanken?

Nicht alle Pkw und Lkw sind für HVO geeignet. Einige große OEMs (zum Beispiel Scania, Volvo Trucks) haben sämtliche ihrer Lkw für HVO freigegeben, alle aktuellen Baureihen können unabhängig vom Hersteller mit dem Treibstoff fahren. Im Transporter- und Pkw-Bereich sind besonders ältere Fahrzeuge oft nicht für den Einsatz mit synthetischen Kraftstoffen ausgelegt. Im Zweifelsfall kann es zum Verlust der Garantie kommen, wenn durch das Betanken mit HVO ein Schaden entsteht. Eine Übersicht über alle Freigaben hat das Unternehmen Wirtz auf seiner Seite Fuelmotion veröffentlicht. (Die VerkehrsRundschau übernimmt keine Verantwortung für die dortige Auflistung.)

Was kostet HVO?

Der Preis für HVO ist häufig etwas höher als für herkömmlichen Diesel. Der Anbieter Zieglmeier, der im Großraum Ingolstadt bereits HVO 100 verkauft, geht von einem durchschnittlichen Aufpreis von 15 Cent pro Liter aus.

Der Anbieter Wirtz berichtet von unterschiedlichen Preisen für HVO 100, die von den Ausgangsprodukten abhängig sind:

  • HVO aus Altspeisefetten und Altölen mit bis zu 90 Prozent CO2-Ersparnis kostet pro Liter rund 17 Cent mehr
  • HVO aus Palmölmühlenabfall mit etwa 65 Prozent CO2-Reduktion liegt bereits heute etwa auf Dieselpreisniveau

Im Moment wird diskutiert, ob HVO in der Steuer begünstigt werden sollte. Mehrere Verbände aus Spedition und Logistik haben sich dafür ausgesprochen, dass auf CO2-arme Kraftstoffe eine deutlich geringere Energiesteuer erhoben werden sollte. Mehr dazu lesen Sie hier.

Mehreren Quellen zufolge soll HVO100 an der Tankstelle vom CO2-Preis ausgenommen sein, was in etwa 14 Cent pro Liter ausmachen könnte. 

Ab wann wird HVO in Deutschland zugelassen?

Am 22. März hat der Bundesrat der Änderung der 10. Bundesimmissionsschutzverordnung zugestimmt, wodurch HVO100 als Reinkraftstoff in Deutschland verkauft werden darf. Mit der endgültigen Fassung und dem Inkrafttreten der Novelle wird in Branchenkreisen im Mai gerechnet. Ab dann darf HVO frei an Tankstellen vertrieben werden. An der Zapfsäule wird der Zusatz "XTL" (bedeutet x to liquid) zu lesen sein.

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KOMMENTARE


Gauwko

25.01.2023 - 11:18 Uhr

Die Forderungen der Verbände sind verständlich. Es wird dabei aber immer wieder übersehen, - auch manche Politiker verbreiten ähnliche Illusionen -, dass in der EU beschlossen wurde, ab 2035 nur noch neue. Fahrzeuge mit 0 Emissionen zugelassen werden dürfen. Es dürfen natürlich Fahrzeuge mit alternativen Kraftstoffen mit 0 Emissionen zugelassen werden. Es ist nicht zu erwarten, dass das funktioniert auch unter dem Gesichtspunkt einer Herstellung mit erneuerbarer Energien. Warum sollte der Gesetzgeber HVO Kraftstoffe zulassen, wenn die vorgegebenen Klimarichtlinien/-Gesetze niemals eingehalten werden können.


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