Sichere Luftfracht braucht klare Regeln

06.10.2011 12:36 Uhr

Gerade in der Luftfracht kommt es auf die Geschwindigkeit an. Doch spätestens seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 steht das Thema Sicherheit ebenfalls im Fokus. Wobei hohe Sicherheit meist auf Kosten der Geschwindigkeit geht und umgekehrt. Die Politik ist sich dieses Dilemmas durchaus bewusst. Die äußerst besonnene Reaktion der Bundesregierung auf die versuchten Paketbombenanschläge in Luftfrachtsendungen aus dem Jemen vor knapp einem Jahr zeigten dies.

Dennoch droht auf Deutschlands Flughäfen ein Frachtstau, verursacht durch interne Engpässe in den zuständigen Behörden. Dem Bund fehlen derzeit knapp 400 Mitarbeiter, um die geltenden Sicherheitsvorschriften umzusetzen. Grundsätzlich sind alle Frachtsendungen vor der Verladung in ein Flugzeug einer Kontrolle zu unterziehen. In der Praxis ist dies jedoch kaum möglich, deshalb hat sich die Politik den so genannten Bekannten Versender ausgedacht. Unternehmen mit diesem Prädikat gelten als sicher. Doch zunächst muss der Staat diese Unternehmen überprüfen und als Bekannte Versender zulassen. Mangels qualifizierten Personals, stockt das Verfahren.

Nicht nur Personalmangel der Behörden blockiert die Luftfrachtindustrie. Die Branche wartet seit Jahren auf klare Regeln, wie die Ansprüche nach höherer Sicherheit umzusetzen sind. Die Unsicherheit beginnt im Kleinen, wie der fehlenden Gebührenverordnung, und endet im Großen, wie einer nötigen Risikoanalyse. Gerade aufgrund der Zeitsensibilität der Luftfracht und der hohen wirtschaftlichen Kosten ist ein Schutz gegen jede erdenkliche Gefahr weder möglich noch sinnvoll. Deshalb sollte der Staat die Risiken bewerten, konkrete Schutzziele festlegen und Gefährdungspotenziale ermitteln. Die Unternehmen müssen endlich wissen, wogegen sie sich schützen müssen. Ansonsten droht Stillstand.

Sebastian Bollig, Redakteur

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