Polen deckelt Kraftstoffpreise – Slowakei trotzt EU‑Kritik

31.03.2026 09:00 Uhr | Lesezeit: 3 min
Ein Lkw passiert am 24.09.2014 in Linken (Mecklenburg-Vorpommern) einen Grenzpfeiler mit dem rot-weißen polnischen Hoheitszeichen an der deutsch-polnischen EU-Binnengrenze am ehemaligen Grenzübergang nach Stettin (Polen).
Kraftstoffmarkt unter Druck: Polen begrenzt Spritpreise täglich, während die Slowakei wegen eines ausgerufenen Erdöl‑Notstands höhere Tarife für Ausländer verlangt (Symbolbild)
© Foto: picture alliance / ZB | Stefan Sauer

Polen führt tägliche Preisobergrenzen für Kraftstoffe ein, während die Slowakei inmitten eines selbst ausgerufenen „Erdöl‑Notstands“ an diskriminierenden Ausländerpreisen festhält.

Nach Spanien, Italien, Slowenien, Österreich und Deutschland tut sich nun in weiteren europäischen Ländern was bei den Kraftstoffpreisen: In Polen gelten seit Dienstag neue, staatlich festgelegte Preisobergrenzen für Benzin und Diesel wie die dpa mitteilt. Die Regierung in Warschau reagiert damit auf die stark angespannte Energie- und Rohstofflage infolge des Iran‑Kriegs. Wie das Energieministerium mitteilte, dürfen Kraftstoffe nur noch bis zu einem tagesaktuellen Höchstpreis verkauft werden.

Die Obergrenzen liegen aktuell bei:

  • Normalbenzin: 6,16 Zloty/Liter (ca. 1,44 Euro)

  • Super: 6,76 Zloty/Liter (ca. 1,58 Euro)

  • Diesel: 7,60 Zloty/Liter (ca. 1,77 Euro)

Parallel senkt die Mitte‑Links‑Regierung unter Ministerpräsident Donald Tusk die Mehrwertsteuer für Kraftstoffe deutlich – von 23 auf 8 Prozent. Zusätzlich wurde die Energiesteuer auf das EU‑rechtlich erlaubte Minimum von umgerechnet knapp sieben Cent pro Liter Benzin und Diesel reduziert.

Tägliche Festlegung durch das Energieministerium

Ebenfalls bis Ende Juni soll laut dpa ein maximaler Kraftstoff-Einzelhandelspreis täglich vom Energieminister auf der Grundlage der durchschnittlichen Großhandelspreise und der Betriebskosten der größten Lieferanten festgelegt werden. Verstöße können mit Bußgeldern von bis zu 230.000 Euro sanktioniert werden.

Slowakei widersetzt sich Brüssel – Höhere Kraftstoffpreise für Ausländer bleiben

Während Polen versucht, den Markt zu beruhigen, geht die Slowakei einen anderen Weg: Die Regierung in Bratislava lehnt Forderungen der EU-Kommission ab, die unterschiedlichen Spritpreise für In- und Ausländer an den slowakischen Tankstellen zu beenden, berichtete ebenfalls die dpa.

Ministerpräsident Robert Fico bezeichnete die Kritik als „absolut inkorrekt gegenüber der Slowakei“. Der Linkspopulist reagierte damit auf einen Brief der EU-Kommission, in dem mit einem Vertragsverletzungsverfahren gedroht wurde.

Begründung: „Erdöl‑Notstand“ und ausbleibende Lieferungen

Seit dem 18. März gelten in der Slowakei rationierte Kraftstoffmengen – vorerst 30 Tage lang. Parallel wurden höhere Preise für Fahrzeuge mit ausländischem Kennzeichen eingeführt, um Tanktourismus zu verhindern. Laut Regierung sei die Versorgung lediglich durch staatliche Notreserven gesichert.

Bereits Ende Januar war die Zufuhr über die russische Druschba‑Pipeline unterbrochen worden. Die Ukraine meldet Schäden durch russische Drohnenangriffe, was die Slowakei und Ungarn jedoch bezweifeln. Beide Länder fordern eine unabhängige Untersuchung.

Die EU‑Kommission erklärte die Preisunterschiede als „in hohem Maße diskriminierend“ und kündigte rechtliche Schritte an.


Kennen Sie schon unseren VR-Rechtsblog?

In unserem VR-Rechtsblog klärt Logistikrechts-Experte und Rechtsanwalt Prof. Axel Salzmann über Vertragsangelegenheiten, Urteile, Versicherungen und vieles mehr rund um Unternehmungsführung und Speditionsalltag auf. Der Zugang zu unseren Blogs ist für Abonnenten kostenfrei. Ein unverbindliches, zwei-monatiges Kennlern-Abo können Sie gerne hier abschließen. 

Sie haben Fragen oder Themen für einen Rechtsblog, die sich unser Expertenteam genauer ansehen soll? Dann schreiben Sie uns gerne eine Mail an verkehrsrundschau@tecvia.com oder wenden Sie sich direkt an unsere Rechtsredakteurin Marie Christin Wiens.


HASHTAG


#Polen

MEISTGELESEN


KOMMENTARE

SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!


NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


Die VerkehrsRundschau ist eine unabhängige und kompetente Abo-Fachzeitschrift für Spedition, Transport und Logistik und ein tagesaktuelles Online-Portal. VerkehrsRunschau.de bietet aktuelle Nachrichten, Hintergrundberichte, Analysen und informiert unter anderem zu Themen rund um Nutzfahrzeuge, Transport, Lager, Umschlag, Lkw-Maut, Fahrverbote, Fuhrparkmanagement, KEP sowie Ausbildung und Karriere, Recht und Geld, Test und Technik. Informative Dossiers bietet die VerkehrsRundschau auch zu Produkten und Dienstleistungen wie schwere Lkw, Trailer, Gabelstapler, Lagertechnik oder Versicherungen. Die Leser der VerkehrsRundschau sind Inhaber, Geschäftsführer, leitende Angestellte bei Logistikdienstleistern aus Transport, Spedition und Lagerei, Transportlogistik-Entscheider aus der verladenden Wirtschaft und Industrie.