Die Bundesregierung will verstärkt privates Kapital für die Modernisierung des Wirtschaftsstandorts Deutschland mobilisieren. Beim „Invest in Germany Summit“ in Berlin kommen dazu Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), mehrere Bundesminister sowie rund 200 Führungskräfte internationaler und deutscher Unternehmen, Banken und Fonds zusammen.
Ziel der Konferenz sind konkrete Investitionen in Deutschland. Im Mittelpunkt stehen unter anderem Künstliche Intelligenz, Energieinfrastruktur, Halbleiter, Rechenzentren, Verteidigung und Verkehrsinfrastruktur.
Bundesregierung will private Investitionen ankurbeln
Der Bund stellt bereits hohe Summen für die Modernisierung der Infrastruktur und die Transformation der Wirtschaft bereit. Nach Einschätzung der Bundesregierung reichen öffentliche Mittel allein jedoch nicht aus, um den Investitionsbedarf zu decken.
Privates Kapital soll deshalb insbesondere in Maschinen und Anlagen, Forschung und Entwicklung, moderne Produktionsstandorte sowie Digitalisierung fließen. Damit verbindet die Bundesregierung die Hoffnung auf höhere Produktivität und zusätzliches Wirtschaftswachstum.
Gleichzeitig besteht erheblicher Nachholbedarf. Nach einer Untersuchung von Allianz Research sanken die Gesamtinvestitionen in Deutschland zwischen 2019 und 2025 um 6,4 Prozent. Im übrigen Euroraum stiegen sie dagegen um 6,7 Prozent, in den USA sogar um 20,2 Prozent.
Hohe Kosten und Bürokratie bremsen den Standort
Zu den zentralen Hemmnissen für Investitionen in Deutschland zählen hohe Energiepreise, die Steuer- und Abgabenbelastung sowie umfangreiche bürokratische Anforderungen.
Die Bundesregierung will deshalb ihren Reformkurs fortsetzen. Geplant sind unter anderem kürzere Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie flexiblere Rahmenbedingungen am Arbeitsmarkt. Auch Reformen der sozialen Sicherungssysteme stehen auf der Agenda, sind innerhalb der Regierungskoalition aber teilweise umstritten.
Nvidia und industrielle KI im Fokus
Eine besondere Rolle auf dem Gipfel spielt der US-Chiphersteller Nvidia. Die Bundesregierung plant eine Zusammenarbeit mit dem Konzern, an der auch deutsche Unternehmen beteiligt werden sollen.
Große Chancen sieht die Regierung vor allem bei industrieller Künstlicher Intelligenz. Deutschlands starke industrielle Basis und die dort verfügbaren Daten sollen genutzt werden, um Prozesse effizienter zu gestalten und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.
Verkehrsinfrastruktur soll Investoren anziehen
Neben KI und Rechenzentren zählt auch die Verkehrsinfrastruktur zu den vorgesehenen Investitionsfeldern. Ziel ist es, mehr Kapital für Sanierung, Ausbau und Neubau zu mobilisieren.
Eine Rolle könnte dabei die Autobahn GmbH des Bundes spielen. Sie soll künftig Kredite aufnehmen können, um Investitionen in das Straßennetz schneller umzusetzen.
Für Transport und Logistik wäre eine Beschleunigung der Investitionen von besonderer Bedeutung. Der Sanierungsbedarf bei Straßen und Brücken sowie langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren gelten seit Jahren als Belastung für den Wirtschaftsstandort.
Deutschland muss Investitionsbedingungen verbessern
Mit dem Gipfel versucht die Bundesregierung, Deutschland trotz bestehender Standortprobleme stärker als Ziel für internationales Kapital zu positionieren. Als Vorteile gelten unter anderem die zentrale Lage im europäischen Binnenmarkt, Rechtssicherheit, Forschungskompetenz und qualifizierte Fachkräfte.
Ob daraus tatsächlich zusätzliche Milliardeninvestitionen entstehen, dürfte allerdings wesentlich davon abhängen, ob gleichzeitig die strukturellen Standortprobleme angegangen werden. Für Unternehmen zählen dabei neben leistungsfähiger Infrastruktur vor allem wettbewerbsfähige Energiekosten, weniger Bürokratie und verlässliche politische Rahmenbedingungen.