Mit der Elektrifizierung schwerer Nutzfahrzeugflotten rückt neben Fahrzeugen und Ladepunkten zunehmend der Netzanschluss in den Mittelpunkt. Der Ladeinfrastrukturanbieter IONIUM warnt davor, dass leistungsfähige Netzanschlüsse für Logistikstandorte regional knapp sind und lange Vorlaufzeiten erfordern können. Fuhrparkbetreiber sollten die Energieversorgung deshalb frühzeitig in ihre Elektrifizierungsstrategie einbeziehen.
Nach Einschätzung des Unternehmens kommt es dabei vor allem auf drei Faktoren an: eine umfassende energiewirtschaftliche Planung, geeignete Partner- und Betreibermodelle sowie eine frühzeitige Sicherung der benötigten Netzkapazitäten.
Bei einer größeren elektrischen Lkw-Flotte reicht es nicht aus, Anzahl und Leistung der benötigten Ladepunkte zu bestimmen. Berücksichtigt werden müssen unter anderem Netzanschluss, Mittelspannung, Lastprofile, Ladefenster, Lastmanagement, mögliche Batteriespeicher sowie Mess- und Abrechnungskonzepte.
Eine zentrale Frage ist dabei, welche elektrische Leistung tatsächlich benötigt wird. Ein zu klein dimensionierter Netzanschluss kann die spätere Erweiterung einer E-Lkw-Flotte erschweren. Ein zu groß geplanter Anschluss wiederum kann unnötige Investitionen verursachen.
Fuhrparkbetreiber sollten deshalb auch die künftige Entwicklung ihres Fahrzeugbestands betrachten. Entscheidend ist, wann die Lkw am Depot stehen, welche Energiemengen benötigt werden und welche Zeiträume zum Laden zur Verfügung stehen.
Besonders wichtig ist aus Sicht von IONIUM der Zeitpunkt der Netzplanung. Unternehmen sollten nicht warten, bis größere Bestellungen für Elektro-Lkw unmittelbar bevorstehen.
Dabei geht es nicht darum, vorsorglich möglichst große Anschlussleistungen zu beantragen. Vielmehr sollte zunächst anhand konkreter Lade- und Einsatzprofile ermittelt werden, welche Kapazität tatsächlich erforderlich ist.
Intelligentes Lastmanagement, Batteriespeicher und die zeitliche Steuerung von Ladevorgängen können den Leistungsbedarf eines Depots beeinflussen und damit auch die Dimensionierung des Netzanschlusses verändern.
Nach Beobachtung von IONIUM prüfen Netzbetreiber genauer, ob beantragte oder reservierte Anschlussleistungen tatsächlich benötigt werden. Für Fuhrparkbetreiber gewinnt damit eine konkrete Projektplanung an Bedeutung.
Dazu zählen beispielsweise eine Leistungsbilanz, konkrete Ladeprofile, ein realistischer Umsetzungsplan und eine definierte Betreiberstruktur. Je belastbarer die Planung ist, desto eher lassen sich Rückfragen und spätere Änderungen vermeiden.
Für Speditionen und Logistikunternehmen kann die verfügbare Netzleistung langfristig Einfluss auf die Entwicklung eines Standorts haben. Fehlen ausreichende Kapazitäten, können der Ausbau einer elektrischen Flotte und damit auch zusätzliche Transportleistungen begrenzt werden.
Die Elektrifizierung des Fuhrparks beginnt deshalb zunehmend mit der Energieplanung und nicht erst mit der Fahrzeugbeschaffung. Für Flottenbetreiber wird die frühzeitige Klärung von Netzanschluss, Ladebedarf und Betreiberkonzept damit zu einem wichtigen Bestandteil der Investitionsplanung.