E-Lkw: Netzplanung wird zum Wettbewerbsfaktor

19.10.2026 10:07 Uhr | Lesezeit: 3 min
roter E-Lkw wird an der Ladesäule geladen
Netzanschluss wird zum Engpass für E-Lkw-Flotten (Symbolbild)
©Foto: Pete/ AdobeStock (KI-generierte) | KI bearbeitet

Mit mehr E-Lkw steigt der Strombedarf in Logistikdepots. IONIUM rät Fuhrparkbetreibern, Netzanschlüsse frühzeitig zu planen und Kooperationen zu prüfen.

Mit der Elektrifizierung schwerer Nutzfahrzeugflotten rückt neben Fahrzeugen und Ladepunkten zunehmend der Netzanschluss in den Mittelpunkt. Der Ladeinfrastrukturanbieter IONIUM warnt davor, dass leistungsfähige Netzanschlüsse für Logistikstandorte regional knapp sind und lange Vorlaufzeiten erfordern können. Fuhrparkbetreiber sollten die Energieversorgung deshalb frühzeitig in ihre Elektrifizierungsstrategie einbeziehen.

Nach Einschätzung des Unternehmens kommt es dabei vor allem auf drei Faktoren an: eine umfassende energiewirtschaftliche Planung, geeignete Partner- und Betreibermodelle sowie eine frühzeitige Sicherung der benötigten Netzkapazitäten.

E-Lkw erfordern umfassende Energie- und Netzplanung

Bei einer größeren elektrischen Lkw-Flotte reicht es nicht aus, Anzahl und Leistung der benötigten Ladepunkte zu bestimmen. Berücksichtigt werden müssen unter anderem Netzanschluss, Mittelspannung, Lastprofile, Ladefenster, Lastmanagement, mögliche Batteriespeicher sowie Mess- und Abrechnungskonzepte.

Eine zentrale Frage ist dabei, welche elektrische Leistung tatsächlich benötigt wird. Ein zu klein dimensionierter Netzanschluss kann die spätere Erweiterung einer E-Lkw-Flotte erschweren. Ein zu groß geplanter Anschluss wiederum kann unnötige Investitionen verursachen.

Fuhrparkbetreiber sollten deshalb auch die künftige Entwicklung ihres Fahrzeugbestands betrachten. Entscheidend ist, wann die Lkw am Depot stehen, welche Energiemengen benötigt werden und welche Zeiträume zum Laden zur Verfügung stehen.


Gemeinsame Ladeinfrastruktur kann Kosten reduzieren

IONIUM sieht Kooperationen als eine Möglichkeit, den Infrastrukturbedarf wirtschaftlicher zu organisieren. Insbesondere in Gewerbe- und Industriegebieten könnten mehrere Unternehmen Ladeinfrastruktur gemeinsam errichten oder nutzen.

Dadurch ließen sich vorhandene Netzkapazitäten besser auslasten. Denkbar ist zudem, Ladepunkte auf einem Betriebsgelände zu bestimmten Zeiten für Fahrzeuge anderer Unternehmen zu öffnen.

Solche Konzepte stellen allerdings zusätzliche Anforderungen an Betreiberstruktur, Messung und Abrechnung. Neben Stadtwerken und Energieversorgern können dafür spezialisierte Dienstleister und Finanzierungspartner eingebunden werden.



Netzanschluss für E-Lkw frühzeitig beantragen

Besonders wichtig ist aus Sicht von IONIUM der Zeitpunkt der Netzplanung. Unternehmen sollten nicht warten, bis größere Bestellungen für Elektro-Lkw unmittelbar bevorstehen.

Dabei geht es nicht darum, vorsorglich möglichst große Anschlussleistungen zu beantragen. Vielmehr sollte zunächst anhand konkreter Lade- und Einsatzprofile ermittelt werden, welche Kapazität tatsächlich erforderlich ist.

Intelligentes Lastmanagement, Batteriespeicher und die zeitliche Steuerung von Ladevorgängen können den Leistungsbedarf eines Depots beeinflussen und damit auch die Dimensionierung des Netzanschlusses verändern.

Netzbetreiber erwarten belastbare Planung

Nach Beobachtung von IONIUM prüfen Netzbetreiber genauer, ob beantragte oder reservierte Anschlussleistungen tatsächlich benötigt werden. Für Fuhrparkbetreiber gewinnt damit eine konkrete Projektplanung an Bedeutung.

Dazu zählen beispielsweise eine Leistungsbilanz, konkrete Ladeprofile, ein realistischer Umsetzungsplan und eine definierte Betreiberstruktur. Je belastbarer die Planung ist, desto eher lassen sich Rückfragen und spätere Änderungen vermeiden.

Stromversorgung wird zum Standortfaktor für Logistik

Für Speditionen und Logistikunternehmen kann die verfügbare Netzleistung langfristig Einfluss auf die Entwicklung eines Standorts haben. Fehlen ausreichende Kapazitäten, können der Ausbau einer elektrischen Flotte und damit auch zusätzliche Transportleistungen begrenzt werden.

Die Elektrifizierung des Fuhrparks beginnt deshalb zunehmend mit der Energieplanung und nicht erst mit der Fahrzeugbeschaffung. Für Flottenbetreiber wird die frühzeitige Klärung von Netzanschluss, Ladebedarf und Betreiberkonzept damit zu einem wichtigen Bestandteil der Investitionsplanung.


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