Die Organisation der Transportprozesse ist komplex - ohne Telematik und Transport-Management-System (TMS) geht ab einer gewissen Fuhrparkgröße nichts. Egal ob Unternehmen, die erst jetzt eine Digitalisierungsstrategie in die Tat umsetzen oder Telematik- und TMS-erfahrene Betriebe, deren Logistik-IT abgelöst werden soll: Sie alle haben angesichts der gefühlt unzähligen Angebote die Qual der Wahl. Eine gute Gelegenheit, in Lösungen hineinzuschnuppern und mit den Verantwortlichen ins Gespräch kommen, sind traditionell die großen Messen. Bevor im September die IAA Transportation in Hannover steigt, können sich digitalisierungsaffine Transportunternehmer und Logistiker auf der Logimat über die neuesten Trends im Bereich Logistik-IT und Supply-Chain-Software informieren. Die Messe für Intralogistik und Prozessoptimierung findet vom 24. bis 26. März 2026 in Stuttgart statt.
Am Trendthema der letzten Jahre, der künstlichen Intelligenz (KI), wird man auch in diesem Jahr in der "Software-Halle 4" nicht vorbeikommen. "Automatisierung und KI sind längst keine Trends mehr, sondern entscheidende Erfolgsfaktoren", sagt Logimat-Messeleiter Michael Ruchty. "Insbesondere, wenn sie nicht isoliert eingesetzt wird, ist KI die Basis für effiziente Prozesse", so Ruchty.
Auftragserfassung per KI
Effizientere Prozesse versprechen auch die aus der Logistik-IT-Zunft angekündigten Messeneuheiten. Eine mittlerweile gern genutzte Anwendung, um wertvolle Zeit in der Auftragserfassung zu sparen, ist Optical Character Recognition, kurz OCR. Auch LIS (Halle 4, Stand 4B65) spendiert seinem webbasierten TMS WinSped Web nun die Auftragserfassung per optischer Texterkennung. Dabei setzt das Softwarehaus aus Greven eine integrierte KI auf Basis von ChatGPT ein, die ohne vorheriges Anlernen auskommt. Die Erweiterung ermöglicht es nach Anbieterangaben, Aufträge innerhalb von wenigen Sekunden direkt aus hochgeladenen PDF-Dateien sowie aus eingescannten handschriftlichen Dokumenten oder Bildern auszulesen und anzulegen. Verfügbar ist die neue Funktion ab dem ersten Quartal 2026.
Die Möglichkeiten, die KI zur Dokumentenerkennung und -verarbeitung bietet, nutzt auch die Logistikbude (Halle 4, Stand 4A64). Der Spezialist für digitales Ladungsträgermanagement präsentiert auf der Logimat unter anderem einen KI-Agenten, der eingescannte Belege automatisch ausliest. Er erkennt dabei Informationen über Tauschpartner, Lademittel, Mengen sowie das Belegdatum und wandelt die Daten direkt in Buchungen um. Mitarbeitende müssen diese lediglich freigeben, was den Arbeitsaufwand auf wenige Sekunden reduzieren soll. Das System erkennt dabei auch bisher unbekannte Scheine, auch ohne vorheriges Training. Erste Implementierungen bei Kunden zeigten bereits, dass sowohl die Bearbeitungszeit als auch die Fehlerquote in der Verwaltung mithilfe des Features um bis zu 80 Prozent gesenkt werden können, betont das Dortmunder Start-up.
Routenplaner werden intelligent
Ein weiteres Jungunternehmen teilt sich den Stand mit der Logistikbude: S2data aus Graz hat sich zum Ziel gesetzt, die gesamte Transportplanung durch die Verwendung von KI zu einem durchgängigen und vernetzten Prozess zu verwandeln. Aufbauend auf einer konsistenten Datenbasis aus Netzwerkdaten, Frachtratenlogik, Sendungsstrukturen und operativen Restriktionen generiert die KI belastbare Transportvorschläge - von der Routenwahl und Frachtratenentscheidung im Netzwerk über die Palettierung und Laderaumnutzung bis hin zur Fracht- und Rechnungsprüfung. Das System bewertet dabei kontinuierlich alle verfügbaren Optionen, vergleicht Stückgutsendungen mit Full-Truckload- und Less-than-Truckload-Szenarien, berücksichtigt Gewicht, Volumen, Ladungsmeter, Prioritäten und Servicelevel und stellt den wirtschaftlich sowie ökologisch optimalen Transport automatisch zusammen. "Was heute drei Abteilungen, Excel und externe Beratung erfordert, erledigt unsere KI in einem integrierten Planungslauf", verspricht CEO und Mitgründer Stefan Kremsner.
Auf Tourenplanung und Routenoptimierung hat sich auch Pass Logistics Solutions (PLS, Halle 4, Stand D53) spezialisiert. Auch mittels KI will das "Pass"-Softwareportfolio Planer, Fahrer und Endkunden nahtlos vernetzen und berechnet Routen speziell auch für den wirtschaftlichen Einsatz von Elektrofahrzeugen. PLS nutzt dafür sowohl eigene Anwendungen als auch integrierte Partnerlösungen wie den Messenger-basierten Telematik-Service von ZeKju, die Circlon Go Fahrer-App sowie die Flottenlösung von Webfleet.
Auch die aus der MHP Solutions Group hervorgegangene Unternehmensgruppe Ecovium setzt bei ihren Softwarelösungen für die Supply-Chain verstärkt auf KI. Zu Ecovium gehört unter anderem das seit Jahren etablierte TMS TransRoad. Das kommt neuerdings mit automatischem Datenimport über den "KI File Konverter" der Datenrouting-Plattform Logenios. So können relevante Auftragsdaten ohne ein vorher bekanntes Auftragsmuster aus E-Mail-basierten Transportaufträgen, Word-, PDF- oder Bilddateien entnommen werden.
"Insbesondere, wenn sie nicht isoliert eingesetzt wird, ist künstliche Intelligenz die Basis für effiziente Prozesse."
Michael Ruchty, Messeleiter Logimat
KI als zentrale Steuerungsebene
In Halle 4 am Stand 4C77 stellt Ecovium seine "SimpleChain AI Plattform" in den Fokus. Diese führt laut Unternehmensangaben sämtliche Logistiksysteme in einer zentralen Steuerungsebene zusammen und setzt dabei KI-Agenten, prädiktive Analysen und dynamische Optimierungsalgorithmen ein. Ein "Co-Pilot" genannter KI-Agent prüft beispielsweise laufend alle Prozessschritte in der Logistikkette und stellt sicher, dass alles nach Definition abläuft. Das "Arbeitstier" übernimmt Routineentscheidungen autonom, um menschliche Kapazitäten für komplexere Aufgaben freizuhalten.
Auch die FleetGo-Gruppe (Halle 4, Stand 4D33) zeigt auf der Logimat ihre Neuerungen, allen voran die Plattform FleetGo AI, die Daten, Systeme und Prozesse innerhalb der Gruppe verbindet. Unter ihrem Dach vereint sie spezialisierte Anbieter von Warehouse-, Transport-, Flottenmanagement- und Telematiklösungen und präsentiert sich auf der diesjährigen Logimat erstmals unter der Gesamtmarke FleetGo. Dazu gehört auch der TMS-Anbieter Wanko Informationslogistik, der mittlerweile vollständig in der Marke FleetGo aufgegangen ist.
Mit seinem vollintegrierten TMS mit hauseigener Telematik im Gepäck reist die Brabender Group (Halle 4, Stand 4F15) nach Stuttgart. Gezeigt werden die jüngsten Features der Brabender Logistic Suite - selbstredend setzt das Schweizer Softwarehaus dabei auch auf KI-Funktionen. Dazu zählen Konnektoren zu Tourenplanungssystemen wie PTV OptiFlow, KI-basierte Dokumentenextraktion sowie Auswertungen für Controlling und Predictive Planning.