KI im Transportmanagement: Viel Potenzial, komplexe Herausforderungen

05.03.2026 08:05 Uhr | Lesezeit: 3 min
KI im Transportmanagement
Laut Report experimentieren bereits 42 Prozent der befragten Spediteure und Logistikdienstleister mit KI bei der Preisgestaltung und zur Optimierung von Transportwegen, 39 Prozent nutzen sie für die Echtzeit-Sendungsverfolgung und 31 Prozent für Fahrerbeauftragung und Routenplanung
© Foto: InfiniteFlow/AdobeStock

KI hält Einzug ins Transportmanagement, doch viele Spediteure befinden sich erst in der Erprobung. Entscheidend für den Einsatz bleibt vor allem eines: verlässliche Datenqualität.

Die Einführung von Künstlicher Intelligenz (KI) im Transportmanagement ist in aller Munde, das zeigen nicht nur die neuen, smarten Features, die Telematik- und Softwareanbieter auf der bevorstehenden LogiMAT zeigen.

Vor allem bei der Bewältigung von Routineaufgaben scheint das Potenzial enorm - könnten viele Backoffice-Aufgaben bei Speditionen und Logistikdienstleistern bald eine Sache von KI-Agenten & Co werden? Wenngleich das Thema KI zuletzt deutlich an Dynamik gewonnen hat: Die meisten Unternehmen aus dem Speditions- und Logistikgewerbe befinden sich noch in einem frühen Stadium, konstatiert der "Transportation Pulse Report 2026" von Transporeon, für den im Spätsommer 2025 insgesamt 239 Führungskräfte aus den Bereichen Supply Chain und Logistik in Europa und Nordamerika befragt wurden. 98 Befragte gaben als ihre Hauptfunktion Spediteur an, 20 ordneten sich der Kategorie "3PL/Logistikdienstleister" zu, 121 wurden als Verlader klassifiziert. Die Mehrheit der Teilnehmer ist in Europa tätig, wobei 178 Befragte diesen Kontinent als ihren Hauptmarkt angegeben haben.

Automatisiertes Backoffice

Laut Report experimentieren bereits 42 Prozent der befragten Spediteure und Logistikdienstleister mit KI bei der Preisgestaltung und zur Optimierung von Transportwegen, 39 Prozent nutzen sie für die Echtzeit-Sendungsverfolgung und 31 Prozent für Fahrerbeauftragung und Routenplanung. Perspektivisch wünschen sich 61 Prozent der Spediteure und Logistikdienstleister, dass im Transport-Management-System (TMS) der Zukunft repetitive Backoffice-Aufgaben mithilfe von KI automatisiert werden. 44 Prozent können sich vorstellen, dass KI Echtzeitempfehlungen für Routen bereitstellen kann, während 31 Prozent auf die automatische Erstellung von E-Mails setzt.

"KI kann den Koordinationsaufwand automatisieren", zeigt sich auch Kevin Kruekis überzeugt. Er ist Managing Director beim Supply-Chain-Plattformanbieter und Visibility-Spezia­listen FourKites Germany, der seinen Nutzern seit einiger Zeit die Dienste verschiedener KI-Agenten anbietet. Davon profitieren laut Kruekis mitnichten nur Verlader, sondern auch die beauftragten Logistiker: "Transportunternehmen verlieren Geld und den guten Willen ihrer Fahrer, wenn ein Lkw an einer Rampe auf einen Termin wartet, der nicht ordnungsgemäß koordiniert wurde, oder wenn die Disposition Stunden damit verbringt, Statusaktualisierungen zu verfolgen und Anrufe mit der Frage ,Wo ist mein Lkw?' zu beantworten." KI könne laut Kruekis Statusaktualisierungen automatisch an Kunden weiterleiten und Routineanfragen bearbeiten. Auch wenn Sendungsdaten veraltet seien oder Informationen fehlten, könne die KI diese selbstständig nachverfolgen, ohne dass jemand Anrufe tätigen muss.

Autonome KI-Agenten umstritten

Mit KI-Agenten, die im Transportmanagement Entscheidungen vollautonom treffen, haben aber nicht wenige Spediteure Bauchschmerzen. Die meisten Teilnehmer der bereits oben zitierten Transporeon-Studie sehen die Hauptaufgabe der KI denn auch darin, die menschliche Entscheidungsfindung zu ergänzen und nicht zu ersetzen. Nicht einmal jeder Zehnte aus dem Carrier-Segment plädiert dafür, dass KI-Agenten im Transportmanagement vollautonom Entscheidungen treffen sollten. Auch bei der Frage, auf welche Weise der Mensch weiterhin involviert sein sollte, gibt es geteilte Meinungen. 31 Prozent der Spediteure/Logistikdienstleister würden sich damit wohlfühlen, dass KI-Agenten unter menschlicher Aufsicht halbautonom Entscheidungen treffen (Verlader: 52 Prozent). Jedes zweite Speditions- und Logistikunternehmen bevorzugt einen anderen Ansatz: Die KI macht Vorschläge, der Mensch entscheidet (Verlader: 39 Prozent).

Bis es so weit ist, muss man allerdings auch die limitierenden Faktoren für die KI-Nutzung betrachten: So bleibt die Datenqualität - der wohl mit Abstand wichtigste Faktor für die effektive Nutzung von KI-Tools - ein großes Problem (siehe Kasten unten). Mehr als jeder zweite Carrier (57 Prozent) hält diesen Faktor für die größte Herausforderung beim Einsatz von KI-Tools. Es gibt also noch viel zu tun auf dem Weg zum KI-getriebenen Transportmanagement.


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