Manama. Ein Kriegsschiff der US-Marine hat vor der Küste von Somalia ein verschollenes Frachtschiff mit rund 50 Piraten an Bord entdeckt. Das unter der Flagge von Panama fahrende Schiff mit 24 Seeleuten an Bord war vor knapp zwei Monaten im Golf von Aden von Seeräubern aus Somalia gekapert worden. Die Besatzung der "USS Mc Faul" habe die "M/V Iceberg I" identifiziert, obwohl die Piraten den Schiffsnamen überpinselt und durch die stümperhaft angebrachte neue Aufschrift "Sea Express" ersetzt hätten, teilte ein Sprecher der Anti-Piraten-Task-Force im Hafen von Manama mit.
Die Marinesoldaten bemerkten das Schiff den Angaben zufolge am vergangenen Mittwoch. Als sie einen Funkspruch an die Besatzung der "M/V Iceberg I" richteten, antworteten die Seeleute, sie seien auf dem Weg in den nächsten Hafen, um Reparaturen an ihrem Schiff ausführen zu lassen. Als die Soldaten daraufhin erklärten, sie wollten an Bord kommen, antworteten die bedrängten Seeleute, ihr Schiff sei gekapert worden. Sie würden von schwer bewaffneten Piraten in Schach gehalten. Daraufhin verfolgte die US-Marine das Schiff 36 Stunden lang, bis es wieder Kurs auf die somalische Küste nahm. Die Marinesoldaten vermuten, dass die Piraten das gekaperte Schiff entweder benutzen wollten, um anderen Piraten zu helfen, die in Seenot geraten waren, oder um ein weiteres Schiff zu kapern.
Holland macht mutmaßlichen Piraten den Prozess
In den Niederlanden beginnt unterdessen einer der ersten Prozesse in Europa gegen mutmaßliche somalische Piraten. Den fünf Männern im Alter von 25 bis 45 Jahren wird vorgeworfen, Anfang Januar 2009 den unter der Flagge der Niederländischen Antillen fahrenden türkischen Frachter "Samanyolu" mit einem Raketenwerfer und anderen Waffen beschossen zu haben.
Das Boot der angeklagten Ostafrikaner war am 2. Januar 2009 von der Besatzung des angegriffenen Frachters mit Leuchtmunition in Brand gesetzt und dadurch versenkt worden. Ein dänischer Marinehubschrauber fischte die Somalier aus dem Wasser. Sie wurden vier Wochen später von Dänemark an die Niederlande ausgeliefert. Ihnen drohen Gefängnisstrafen bis zu neun Jahren, für den mutmaßlichen Anführer sogar bis zu zwölf Jahren.
Zuvor waren unter anderem in Frankreich Anklagen gegen mutmaßliche somalische Piraten erhoben worden. Darunter gegen sechs Männer, denen vorgeworfen wird, im April 2008 die französische Luxusjacht "Le Ponant" überfallen und 30 Besatzungsmitglieder als Geiseln genommen zu haben. Drei Somalier wurden angeklagt, die Jacht "Tanit" gekapert zu haben. Bei der Befreiungsaktion durch die französische Marine waren am 10. April 2009 zwei Somalier und der Kapitän getötet worden.
Die Verfahren laufen noch. Demnächst könnte es auch in Deutschland einen Prozess gegen mutmaßliche Seeräuber aus Somalia geben. Über die Auslieferung von zehn Somaliern an die Hamburger Justiz will ein Gericht in Amsterdam am 4. Juni entscheiden. Die Männer waren Anfang April bei einer Befreiungsaktion der niederländischen Marine auf dem deutschen Containerschiff "Taipan" überwältigt und festgenommen worden. Ihnen drohen bis zu zwölf Jahren Haft.
Außerhalb Europas laufen Prozesse gegen somalische Piraten unter anderem in den USA und in Kenia. Ein Gericht im Jemen verurteilte am 18. Mai sechs Piraten aus Somalia zum Tode. Sechs weitere Seeräuber, die einen jemenitischen Öltanker überfallen hatten, erhielten Gefängnisstrafen von jeweils zehn Jahren. (dpa)