Basel/Mannheim. Ein starker Pessimismus hinsichtlich der Konjunktur- und Außenhandelsentwicklung bestimmt die Stimmungslage der Transportwirtschaft. Zu dieser Einschätzung kommt das Transportmarkt Barometer für das dritte Quartal 2008 der Marktforschungsinstitute Progtrans und ZEW. In allen Teilmärkten liegen die Erwartungen unter denjenigen der Vorquartale. Im Hinblick auf die Preisentwicklung scheinen sich die befragten rund 300 Transportdienstleister und Verlader einig zu sein, dass sich die schon zur Jahresmitte erwarteten stärkeren Preissteigerungen fortsetzen werden. Mehrheitlich wird erwartet, dass die Transportpreise – trotz der schlechten Konjunkturperspektiven – weiter steigen werden. Dafür dürften vor allem die stark gestiegenen Ölpreise verantwortlich sein. Dabei zeigen sich die Erwartungen für die verschiedenen Transportzweige sehr unterschiedlich: Im Straßengüterverkehr, im Kombinierten Verkehr sowie bei den KEP-Diensten wird in allen Teilmärkten von mehr als einem Drittel der Experten mit einem Aufkommens-Wachstum gerechnet. Im klassischen Schienengüterverkehr, bei der Binnenschifffahrt und auch bei den KEP-Diensten dominieren sehr klar die Erwartungen unveränderter Transportmengen. Bei der Luft- und Seefracht sind die Erwartungen markant zurückhaltender als in den Vorquartalen. Besonders pessimistisch ist die Einschätzung zu den Europa- und Nordamerikaverkehren. Während die Statistiken noch steigende Mengen, Verkehrs- und Fahrleistungen für den Straßengüterverkehr ausweisen, blicken die Experten des Transportmarkt Barometers skeptisch in die Zukunft. Im inländischen Nah- und Fernverkehr rechnet im kommenden halben Jahr nur noch ein Drittel der Experten mit einem Mengenwachstum, während rund die Hälfte eine Stagnation und immerhin rund 15 Prozent sogar eine sinkende Nachfrage erwarten. Im Westeuropaverkehr sind die Erwartungen ähnlich. Nur im Osteuropaverkehr herrscht noch etwas mehr Optimismus. Im Straßengüterverkehr rechnen für die nächsten sechs Monate rund 80 Prozent der Experten mit weiterhin steigenden Preisen, zwischen 31 Prozent im inländischen Nahverkehr und 40 Prozent im deutschen Fernverkehr sogar mit Preissteigerungen von mehr als drei Prozent. Der anhaltende Kostendruck durch hohe Dieselpreise und die anstehende weitere LKW-Maut-Erhöhung machen dem LKW-Gewerbe wie der Verladerschaft gleichermaßen große Sorge, insbesondere bei den vergleichsweise schlechten Perspektiven der Nachfrageentwicklung. Ob die Kostensteigerungen tatsächlich preiswirksam werden muss sich nach Einschätzung der Marktforscher weisen. In der Vergangenheit war dies oft nicht der Fall. Düstere Stimmung herrscht auch bei den Luftfrachtexperten vor: Erstmals in der mehr als 10-jährigen Geschichte des Transportmarkt Barometers ist nach Angaben von Progtrans und ZEW der Saldo aus steigenden und sinkenden Erwartungen zu den Luftfrachtmengen aktuell im Europa- und Nordamerika-Verkehr negativ. Auch wenn hier mehrheitlich mit unveränderten Mengen gerechnet werde, sei erstaunlich, dass im Europaverkehr 25 Prozent sowie im Nordamerikaverkehr 30 Prozent der Experten in den kommenden sechs Monaten sinkende Luftfrachtmengen erwarten. Rückläufige Luftfracht¬mengen hat es das letzte Mal im Jahr 2001 gegeben. Die Ergebnisse des Transportmarkt Barometers basieren auf einer regelmäßigen Umfrage der Forschungsinstitute Progtrans aus Basel und des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) aus Mannheim. An der quartalsmäßig durchgeführten Erhebung beteiligen sich demnach Experten aus rund 300 Verlader und Unternehmen der Transportwirtschaft. (sb)
Transportmarkt-Barometer: Skeptischer Blick in die Zukunft
Experten erwarten sinkendes Transportaufkommen im Straßengüterverkehr / Alle Verkehrsträge im Abwärtstrend