Hardware- und Software-Updates: Die IAA-Neuheiten von Schmitz Cargobull

26.06.2026 12:46 Uhr | Lesezeit: 3 min
SchmitzCargo Bull SKO und SCS City
S.KO City und S.BO City: Wendige Spezialisten mit Kofferaufbau für den Verteilerverkehr aus der strategischen Partnerschaft mit GT Trailers
© Foto: Thomas Rosenberger/VerkehrsRundschau

Zur IAA Transportation 2026 tut sich vieles bei Schmitz Cargobull. Der Fahrzeugbauer optimiert das Angebot an digitalen Dienstleistungen, spendiert den Kühlfahrzeugen, Trockenfrachtern und Transportkälteanlagen Updates, aus der Zusammenarbeit mit den Trailer-Herstellern, an denen Schmitz Cargobull beteiligt ist, entstehen neue Transportlösungen. Die VerkehrsRundschau stellt wichtige Messeneuheiten vor.

Nahezu jeder zweite Kühler auf Europas Straßen trägt den blauen Elefanten. In keiner anderen Sparte verbuchen die Münsterländer einen so hohen Marktanteil. Nun steckt der Fahrzeugbauer nicht nur rund 50 Millionen Euro in die Erweiterung des Kühlerwerks Vreden um eine smarte Fabrik, sondern erweitert auch das Angebot für temperaturgeführte Transporte. Noch entstehen die Kühlkoffer auf dem alten Band, die neue Fertigungslinie soll aber kurzfristig anlaufen und dann noch höhere Stückzahlen und bessere Produktionseffizienz bieten.

Kühlkoffer S.KO Cool erhält neue Ausstattungsmerkmale

In der smarten Fabrik will Schmitz Cargobull dann auch die neue Generation des S.KO Cool bauen. Ihr Herzstück ist die serienmäßige Body Control Unit (BCU) – eine Steuereinheit, die laut Hersteller alle relevanten Systeme des Trailers vernetzt. Das soll die Betriebsbereitschaft der Fahrzeuge erhöhen und zustandsbasierte, vorausschauende Wartung ermöglichen. Die BCU sorgt demnach auch dafür, dass die Batterie des Kühlgeräts über den EBS-Stecker der Zugmaschine geladen wird und sie so vor Tiefentladung geschützt ist. In Kombination mit einer der eigenen S.CU-Kühleinheiten optimiere ein integrierter Batteriewächter das Batteriemanagement und reduziere die Ausfallrisiken. Ein optionales Solarpanel auf dem Trailer-Dach ergänzt die Energieversorgung im Stand.

Hinzu kommen sinnvolle Ausstattungsdetails, etwa eine neue, lichtstarke LED-Innenbeleuchtung für bessere Sichtverhältnisse sowie neue Arbeits- und Umfeldleuchten. Ein neuer Multifunktionsboden soll eine noch geräuschärmere Anlieferung ermöglichen. Ebenfalls neu: Im Heckbereich des Laderaums lässt sich ein Bedienelement für die S.CU installieren. Darüber kann die Anlage gestartet und Temperaturen eingestellt werden – ohne Unterbrechung des Ladeprozesses. So könne eine bereits beladene Kammer unmittelbar gekühlt werden, während eine zweite noch beladen wird. Das soll Ladeprozesse beschleunigen.

Verstärkter Einsatz von klimafreundlicherem Kältemittel

Schon im vergangenen Jahr hat Schmitz Cargobull seine erste Anlage auf das Kältemittel R454A umgestellt, das ein um 89 Prozent geringeres CO2-Äquivalent beziehungsweise Treibhausgaspotenzial (Global Warming Potential, GWP: 239) als R452A besitzt. Nun folgen die weiteren Modelle für den europäischen Markt. Mit diesem Schritt reagiert der Hersteller auf die verschärfte F-Gas-Verordnung, die schrittweise die verfügbaren Mengen von High-GWP-Kältemitteln deutlich verringert und dadurch auch deren Preise empfindlich verteuert. Nun folgen der Multitemp-fähigen Premium-Anlage S.CU dc90 weitere Ausführungen: das Monotemp-Einstiegsmodell d80 sowie das Multitemp-Gerät S.CU mt-DualEvap, eine Version der dc90 mt speziell für den urbanen Verteilerverkehr und längsgeteilten Mehrkammerbetrieb mit zwei Temperaturzonen. Hierfür sind zwei Verdampfer in die Anlage integriert, ein zusätzlicher Deckenverdampfer, wie er beispielsweise bei einer Querteilung erforderlich wäre, ist nicht vorgesehen. Die Anlage unterstützt Längstrennwände mit vordefinierten Querteilungsmöglichkeiten von 830 bis 1250 Millimeter.

Weitere Vorteile der überarbeiteten S.CU-Modelle: mehr Kälteleistung beziehungsweise kürzere Pull-Down-Zeiten und ein geringerer Kraftstoffverbrauch. Alle S.CU-Modelle lassen sich laut Hersteller optional mit der ePTO-ready Schnittstelle (electric Power Take-off) ausstatten und können dann mit dem elektrischen AC-Nebenabtrieb einer E-Zugmaschine verbunden und über die Energie aus der Traktionsbatterie rein elektrisch und lokal emissionsfrei betrieben werden. Laut Schmitz Cargobull ist diese Anbindung die wirtschaftlich attraktivste Lösung. Steht keine E-Zugmaschine zur Verfügung, erzeugt wie gewohnt der integrierte Dieselmotor der Transportkälteanlage die Antriebsenergie.

City-Kühlauflieger mit mehr Nutzlast und weniger Länge

Die S.CU mt-DualEvap kommt auch beim S.KO City zum Einsatz, den Schmitz ebenfalls überarbeitet hat und der auch von den Verbesserungen des ausgewachsenen S.KO Cool profitiert. Am City-Sattel wurde zusätzlich der Königszapfen neu positioniert. Daraus ergibt sich eine optimierte Gewichtsverteilung, die eine Erhöhung der Nutzlast um 1400 Kilogramm zur Folge hat. Zusätzlich verkürzt sich der Auflieger um 52 Zentimeter. Der verringerte Abstand zwischen Zugmaschine und Trailer soll zudem die Aerodynamik verbessern und den Kraftstoffverbrauch senken. Bei einer Länge von neun Metern bietet der mechanisch zwangsgelenkte Einachser Platz für 22 Europaletten.

Beim polnischen Fahrzeugbauer GT Trailers, mit dem Schmitz Cargobull im Rahmen einer Beteiligung eine strategische Partnerschaft eingegangen ist, entstehen weitere Spezialitäten für die urbane Logistik. Etwa der S.BO City, ein City-Sattel mit Trockenfrachtaufbau. Vereinfacht gesagt: In den Ferroplast-Aufbau fließt das Know-how der Münsterländer, in den feuerverzinkten Rahmen das der Polen ein. Vergleichbares gilt auch für die Ausführung mit Curtainsider-Aufbau, den S.CS City. Während die Partner den S:BO City als Zweiachser mit einer mechanisch gelenkten Achse präsentierten, verfügte der ausgestellte, kurze Curtainsider über ein mechanisch gelenktes Einachsfahrwerk. Schmitz bringt in die Zusammenarbeit außerdem seine Kompetenz in die Bereiche Vertrieb und Aftersales ein.

Vielseitig oder kosteneffizient: Trockenfrachter-Angebot ausgeweitet

Mit dem S.BO Multi erweitert der Fahrzeugbauer das Trockenfrachter-Angebot um eine Version für unterschiedlichste Transportaufgaben – von palettierter Ware und Stückgut bis hin zu hängender Kleidung, Fahrzeugteilen sowie sperrigen und losen Gütern. Zentrales Merkmal sind ein integriertes Doppelstocksystem mit Schlüssellochblechen, die den Einsatz verschiedener Lasi-Mittel erlauben. Die vielseitigen Nutzungsmöglichkeiten sollen die Auslastung des Trailers verbessern. Der Aufbau besteht aus Seitenwänden mit einer Zwei-Schalen-Stahlkonstruktion und verstärkten Säulen, einer Alu-Stirnwand sowie einem isolierten Dach mit durchgehenden Stahlverbindungsprofilen. Erhältlich sind Alu-Flügeltüren oder ein Alu-Rolltor. Für das Fahrzeug ist eine Sicherheitsausstattung erhältlich, die den Anforderungen von TAPA TSR1 erfüllt.

Zusätzlich zu den bereits erhältlichen Seitenwänden aus Ferroplast und Struktoplast führt der Fahrzeugbauer nun noch die Leichtbau-Technologie Ferrostrukt ein, die Eigenschaften beider Typen kombiniert. Die neue Panelkonstruktion mit Stahldeckschicht und einem Polypropylen-Wabenkern soll hohe Stabilität und geringes Eigengewicht verbinden und kommt beim S.BO Pace+ zum Einsatz, der das Modell S.BO Pace ablöst. Die Wand besteht aus einzelnen Ferrostrukt-Elementen, die sich im Schadensfall separat tauschen lassen. Er soll sich bei Paket- und Standard-Trockenfrachttransporten mit hohen Umschlagfrequenzen bewähren.

Mega-Trailer auch für hohe Punktlasten

Zudem ertüchtigt der Fahrzeugbauer eine Ausführung des Mega-Trailers für hohe Punktlasten, etwa durch engere Querträgerabstände. Hinzu kommt ein Hartholzboden mit einer Standard-Traglast von 9,5 Tonnen. Das soll den Transport voluminöser und zugleich schwerer Güter wie Batterien der Automotive-Industrie oder stehende Papierrollen mit Höhen von mehr als 2800 Millimeter ermöglichen.

Großraum-Alumulde wird langlebiger

Weiterhin hat Schmitz Cargobull die leichte Aluminium-Kastenmulde des gewichtsoptimierten Sattelkippers S.KI Light überarbeitet. Die neue Generation soll ein niedriges Eigengewicht mit deutlich erhöhter Robustheit, längerer Lebensdauer und verbesserter Servicefreundlichkeit verbinden. Dazu hat der Fahrzeugbauer Profile neugestaltet, Anbindungen optimiert und besonders beanspruchte Bereiche verstärkt.

Der Software-defined Trailer fährt vor

Neben der Hardware wird die Software immer wichtiger. Schmitz Cargobull setzt nun auf sein eigenes Betriebssystem Cargobull Operating System (COS). Das COS vernetzt nach Angaben des Herstellers Sensordaten, Steuergeräte und Telematik auf einer zentralen Plattform. Dadurch sollen die Trailer zu intelligenten, vernetzten Systemen werden, die Daten gezielt nutzbar machen – mit Mehrwert für die Fahrzeugbetreiber. So biete der Software-defined Trailer die technologische Grundlage für eine durchgängige Digitalisierung des Trailers über den gesamten Lebenszyklus. KI-gestützte Analysen und Echtzeit-Daten sollen helfen, Abweichungen früh zu erkennen, Wartungen besser zu planen und Prozesse zu automatisieren. Auf diese Weise sollen Ausfälle vermieden und nötige Arbeiten möglichst passend in den Flottenbetrieb eingetaktet werden. Die Fahrzeugbetreiber erhalten alle Daten etwa zu Achsen, Bremsen und Kühlaggregaten über das TrailerConnect-Portal in Echtzeit. Funktionen ließen sich aus der Ferne überwachen und steuern, die Wartung könne automatisiert geplant werden und Drittsysteme ließen sich nahtlos integrieren. Das und eine Reihe weiterer Innovationen im Detail zeigt Schmitz Cargobull vom 15. bis 20. September in Hannover am neuen Standort in Pavillon 33 auf dem Freigelände.


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